Braucht Android eine Qualitätssicherung im Google Play Store ähnlich wie iOS sie hat? [Kommentar]

web play store

Heute Vormittag las ich einen Artikel des Kollegen Daniel Bader auf Mobilesyrup und es ging darum, dass der Google Play Store zwar jetzt eine beachtliche Anzahl an Apps habe, diese aber nicht unbedingt alle qualitativ hochwertig seien und teilweise sogar gefährlich. Er ist der Meinung dass Google hier etwas tun müsse, um die Zukunft von Android sichern zu können. Ich sehe das etwas anders und möchte meine Meinung auch begründen.

Ich bin mit einem Computer aufgewachsen. Später bekam ich auch noch Internet dazu und mit diesem eröffneten sich mir ungeahnte Möglichkeiten darüber, was man sich auf seinen Rechner herunterlädt und installiert und was nicht. Hier war niemand, der mir sagte “Halt Stopp, das ist gefährlich!”, sondern ich lernte es das ein oder andere Mal auf die harte Tour. Virusbefall, Rechner lahm gelegt, Daten weg. Das habe ich einige Male durchlitten und es war frustrierend. Aber es hat mir auch etwas beigebracht – vorsichtig zu sein.

Wenn man nächtelang versucht eine Toolbar loszuwerden, die sich in die Registry gefressen hat, dann wird man bei der Installation von Freeware-Programmen dreimal durchlesen, welche Häkchen während des Installationsprozesses bereits gesetzt sind. Oder man wird von Seiten Abstand halten, die diese Software immer wieder in ihre Downloads integrieren. Man entwickelt mit der Zeit ein Rechtsempfinden und auch ein moralisches Weltbild denen gegenüber, die Urheber digitaler Daten sind. Man wird mit dem Computer erwachsen, lernt ihn kennen und entwickelt Kompetenz mir ihm und dem Internet verantwortungsvoll umzugehen. Soweit also das Lernen mit dem PC. Sicher werden sich jetzt viele fragen, was es mit dem Thema oben zu tun hat, aber die Überleitung kommt.

Systeme wie iOS und Windows Phone, die vom Kollegen als positive Beispiele genannt werden, sind die Systeme, die ihren Nutzern etwas versprechen, das die nie komplett einhalten können. Sie versprechen ein friedvolles Teletubbyland, sofern man die Grenzes des OS nicht ausreizt oder überschreitet. Man bewahrt die Nutzer vor jeder potenziellen Gefahr, damit sie weder daraus lernen noch daran wachsen können. Im Gegenteil – sie schüren die Ängste und der Nutzer bleibt innerhalb der Wände des Herstellers – aus Angst.

Android MAlware

Diese heile Teletubbywelt gibt es aber nicht. Es gibt auch schlimme Software für iOS und diese hat es auch bereits einige Male in den Appstore geschafft. Ich erinnere mich da an die Taschenlampen-App, die eigentlich ein Tethering-Tool war. Zwar keine Schadsoftware, aber der Beweis, dass kein Sicherheitsteam der Welt einen Nutzer eines geschlossenen Systems beschützen kann.

Smartphone-Nutzer sind keine gehirnlosen Zombies. Klar, gerade jene, die nicht mit der Technik aufgewachsen sind und sie in hohem Alter noch einmal reindenken müssen, sind unbeholfen. Das war ich, als ich das erste Mal an einem Computer saß auch. Doch wie sollen diese Nutzer wachsen und selbstständig werden, wenn man ihnen das Denken abnimmt? Wenn man ein Kind erzieht, dann kann man es auch nicht vor allen Gefahren beschützen, wenn man möchte, dass es ein selbstsicherer Mensch wird.

Android bietet dem Nutzer Freiheit und Freiheit bedeutet auch, dass es Gefahren gibt. Aber Freiheit bedeutet ebenfalls, dass man die Wahl hat, sich diesen Gefahren zu stellen und sie zu meistern. Sie bedeutet an der Verantwortung zu wachsen und einen selbstsicheren Umgang mit ihr zu lernen. Die Freiheit für eine Scheinsicherheit aufzugeben, mag auf den ersten Blick sehr verlockend wirken, aber diese Scheinsicherheit schottet von allem anderen drum herum ab und macht unvorsichtig und nimmt die Fähigkeit Gefahren richtig einzuschätzen.

Deswegen verstehe ich wieso der Google Play Store kritisiert wird und wieso es Leute gibt, die im Vergleich zu geschlossenen Systemen denken, dort herrsche Sodom und Gomorrah, aber denken wir an den PC zurück, gab es dort auch keine Qualitätskontrollen, keine Stores, keine geschlossenen Systeme und es hat uns gut getan. Und genauso wenig wie die Welt bei Windows unterging, wird sie es bei Android. Selbst zu Denken ist gut und keine Qualitätssicherung der Welt kann einem Menschen die Vorteile die er dadurch erlangt, ersetzen.

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4 Kommentare

  1. Also ich denke auch, daß jeder selbst lernen sollte, die Gefahren zu erkennen und mit ihnen umgehen zu lernen, schließlich ist ein App Store nicht wie die deutsche Gesetzgebung, wo der arme unmündige Bürger ständig an der Hand geführt werden muss, sonst landen wir in der immer ausgeprägteren Verdummung des Menschen. Andererseits, und das ist durchaus im Android Store extremer als im iOS Store, wenn ich für eine gewisse Funktion eine App suche, dann hoffe ich darauf, eine handvoll Alternativen zu erhalten und daraus mir die beste wählen zu können, die allesamt auch optisch wie funktionell ein wenig was auf dem Kasten haben. Statt dessen werde ich bei Android mit 1000en an Alternativen geradezu erschlagen (nicht umsonst ist die Scrollleiste im Android Store wohl unendlich), wobei sich einzelne nur in der Anordnung der Buttons unterscheiden. Darunter nun die optimale App zu finden, endet in einer stundenlangen Sucher- und Probierei. Das nervt ehrlich gesagt. Dafür werden Grundfunktionalitäten teils einfach ignoriert, so funktioniert mein Exchange 2010 SP2-Postfach nur auf maximal 50% der Mail Apps, NICHT MAL AUF DER STOCKAPP! Das ist schon ein Trauerspiel.

  2. Das alles mag auf Dich zutreffen. Ich hingegen erwarte voneinem System, dass es einfach funktioniert und ich mir diese Gedanken um Schadsoftware nicht mehr machen muss. Der von Dir angesprochene Punkt ist exakt der, der mich persönlich schon immer bei Windows & Co. genervt hat. Deshalb bewege ich mich gerne in der Welt von iOS und auch von OS X.

    1. Man kann sich der sicheren Scheinwelt hingeben und anderen das Denken überlassen oder man kann selbst denken und Kompetenzen entwickeln. Leute, die nicht selbst denken wollen, sind allerdings der Grund wieso Viren, Malware und Co auch heute immer noch funktionieren.
      Ich erwarte von Menschen, die sich im Netz bewegen, dass sie gewillt sind, etwas zu lernen und die angesprochenen Kompetenzen zu entwickeln. Man muss nicht gleich selbst einen Computer zusammenbauen müssen oder nicht mal ein System selbst aufsetzen, aber die Grundlagen müssen da sein. Und die lernt man nicht, wenn man sich damit nicht auseinandersetzt.

    2. Wenn du dir um Schadsoftware keine Gedanken mehr machst fällst du eben auf die nächste Phishing Attacke rein oder installierst dir ein Virus den sich ein Selbstdenkender nie eingefangen hätte.
      Ich nurtze zwar auch Linux (und da ist das Infektionsrisiko geringer als bei Mac OS X) aber trotzdem klicke ich nicht auf jeden S*** und hatte auch unter Windows (als zweitsystem udn die Jahre bevor ich auf Linux umgestigen bin) noc nie einen Virus.

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