Bundesdruckerei: eIDEE-Wettbewerb prämiert neue Online-Anwendungen für den neuen Personalausweis

Der neue Personalausweis (kurz nPA) kann seit dem 1. November 2010 von jedem beantragt werden. Mehr als 17 Millionen Bundesbürger haben dies bereits getan, aber nur knapp 5 Millionen davon nutzen auch dessen vollen Funktionsumfang, sprich die Online-Ausweisfunktion für eGovernment- und eCommerce-Anwendungen.

Die Online-Ausweisfunktion wird durch den integrierten RFID-Chip möglich, auf dem Personendaten und biometrische Daten gespeichert werden. In der Theorie reicht es nun aus, neben dem nPA noch ein Lesegerät und eine PIN zu haben, um sich bei Online-Shops einzuloggen oder im Netz mit Ämtern beziehungsweise Behörden zu kommunizieren. In der Praxis machen aber nur sehr wenige privatwirtschaftliche und staatliche Online-Portale von dieser neuen Funktion Gebrauch, was bei den Bürgern zu der durchaus berechtigten „Wozu Geld für den nPA ausgeben, wenn man diesen sowieso nirgends verwenden kann“-Haltung geführt hat.

eIDEE – Wettbewerb für den digitalen Handschlag

Um die Akzeptanz für den neuen Personalausweis zu steigern, hat die Bundesdruckerei im Juni 2012 zusammen mit den Partnern Ageto und Procilon innovative den eIDEE – Wettbewerb für den digitalen Handschlag ins Leben gerufen, der neue Ideen für die Online-Funktion des nPAs zu Tage fördern sollte. Genau das hat er auch getan und wir waren für euch vergangenen Mittwoch in Berlin live mit dabei, als die drei besten „eIDEEN“ in Berlin im Palais am Festungsgraben prämiert wurden.

Die Preisverleihung

Den Anfang machte Dr. Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit einer Rede zu den Chancen und Risiken des Lebens und Interagierens in einer digitalisierten Welt. Hauptprogrammpunkt des Abends war dann aber doch die Preisverleihung selbst, bei der das Unternehmen Phone House auf dem ersten Platz landete – mit einer Lösung für den Online-Abschluss von Mobilfunkverträgen mit dem neuen Personalausweis.

Eine Innovation stellt diese Idee nun wirklich nicht dar. Im Gegenteil: der Online-Abschluss von Verträgen gehört meiner Meinung nach zu den Grundintentionen des neuen nPAs und es ist sehr schade, dass ein mehrere hundert Millionen schweres Unternehmen wie Phone House überhaupt erst an einem solchen Wettbewerb teilnehmen und diesen gewinnen muss, um danach die kundenfreundliche Online-Ausweisfunktion des nPAs zu unterstützen. Dieser Vorgang ist symptomatisch für die Probleme, mit denen der neue Personalausweis noch zu kämpfen hat. Viel schöner wäre es doch gewesen, diesen Schritt auch ohne die 10.000 € Preisgeld und die Unterstützung bei der Umsetzung anzukündigen, oder nicht?

Der zweite Platz ging an die embedded projects GmbH. Diese stellte ein Lesegerät vor, das in Verbindung mit der Ausweis-App als tragbarer Daten- und Anwendungssafe verwendet werden kann – Spitzname: FRED. Offiziell soll das Lesegerät unter der Bezeichnung Picosafe vertrieben werden. Wer mehr erfahren möchte, schaut auf der offiziellen Website vorbei.

Der wahre Sieger des Abends

Der wahre Sieger des Abends war für mich Peter Kühn, der mit seiner eIDEE leider nur auf dem dritten Platz landete – dabei war es die einzige (unter den drei Gewinnern), die das Prädikat „Innovation“ auch wirklich verdient hat. NARIS („Navigational Ridesharing System“) ist ein Mitfahr-System für Pendler, dass das Potential hat, viele Autos von der Straße zu holen und unnötige Fahrten zu vermeiden. Mit wie viel Herzblut Peter Kühn seine Idee schon seit Jahren verfolgt und welche Konzepte genau dahinterstecken, erfahrt ihr hier. Eine bereits existierende Ridesharing-Plattform ist beispielsweise flinc.

Bei der eIDEE von Peter Kühn spielt vor allem das Thema Vertrauen eine große Rolle. Niemand setzt gerne zu einem Fremden ins Auto. Bewertungen können zwar dabei helfen, schwarze Schafe frühzeitig zu erkennen, aber nie so sicher und nachvollziehbar sein, wie eine eindeutige Identifikation durch die Online-Ausweisfunktion des nPAs. Zwar dürfte die technische Umsetzung (unterschiedliche Navis, Mobiltelefone, etc.) nicht ganz so einfach sein, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass so die Zukunft aussieht.

Übrigens: insgesamt wurden mehr als 120 eIDEEn eingereicht. Somit verwundert es auch nicht, dass der eIDEE -Wettbewerb für den Digitalen Handschlag im kommenden Jahr erneut stattfinden wird. Wir sind gespannt!

– Bildquelle: Bundesdruckerei / Eigene Darstellung –

Frank Feil

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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