Das HP Touchpad in Händen

Eigentlich wollten wir uns das HP Touchpad mit WebOS schon am Donnerstag ansehen, die Veranstaltung musste aber wegen des Bombenfundes in Kreuzberg verschoben werden. Ersatzweise konnten einige Blogger das neue Tablet dann am Freitag in Augenschein nehmen. Hat Spaß gemacht.

Der erste angenehme Eindruck: Das kennt man ja alles. Wer schon einmal einen Palm Pre benutzt hat, findet sich sofort zurecht. Die Gestensteuerung auf dem Rahmen des Tablets außerhalb des sichtbaren Bildschirms ist nach wie vor unglaublich praktisch und elegant. Es macht viel Spaß mit dem Tablet herumzuspielen. Wer vorher ein Tablet oder Telefon mit Android oder iOS genutzt hat, sollte sich allerdings kurz in die Gestensteuerung einführen lassen.

Wie auf dem Palm Pre werden laufende Apps im Vollbild dargestellt, aber auf Knopfdruck auf eine Karte reduziert. Bei mehreren gleichzeitig laufenden Apps kann man so zwischen den Karten wechseln. Eine App beendet man, indem man die Karte nach oben aus dem Bildschirm hinauswischt. Neu für Pre-Nutzer ist die Bildschirmtastatur, da das Touchpad anders als die Palm-Telefone keine Hardware-Tastatur besitzt. Eine nette Idee für Anwender mit verschieden großen Händen: Tastengröße und Layout der virtuellen Tastatur kann verstellt werden.

Ein weiteres Goodie, das kurz vorgeführt wurde, war die Koppelung von Telefon und Tablet. Wenn man den Palm Pre an eine bestimmte Stelle des HP Touchpad hält, dann koppeln sich die beiden Geräte – die Webseite, die gerade auf dem Palm Pre geöffnet war, öffnet sich dann auch automatisch auf dem Tablet. Die Koppelung beider Geräte ist hübsch animiert mit einer Wellenbewegung, die aussieht wie ein Teich, in den man ein Steinchen wirft. Einerseits ist die Sache schick, andererseits auch hakelig: Warum eigentlich muss man das Telefon an eine bestimmte Stelle des Tablets legen – kann sowas nicht auch einfach auf Knopfdruck über die Cloud laufen, auch wenn das Telefon gerade in der Garage im Handschuhfach liegt?

Trotz guter Hardware immer mal wieder kurze Hänger und Wartezeiten

Technisch gesehen ist das HP Touchpad mit einer Qualcomm-Dualcore-CPU mit 1,2 MHz und 1 GB RAM besser ausgestattet als das iPad. Dass es zügiger läuft, kann man jedoch nicht sagen. Immer mal wieder kommt es bei der Bedienung zu Hängern und kurzen Wartezeiten, zum Beispiel, wenn man im Kalender zwischen verschiedenen Ansichten umschalten will. Darauf angesprochen hieß es, dass sich das bis zur Auslieferung noch bessern wird, da die WebOS-Version auf dem Testgerät noch nicht ganz fertig sei. Laut Systemmeldung war es WebOS 3.0.0

Die Akkulaufzeit kann ich nur Schätzen. Als ich das erste mal draufsah, hatte der Akku gerade 50%, bei normaler Nutzung – Herumreichen, Webseiten aufrufen, mit der Oberfläche spielen ohne Spiele oder Videos – sank der Wert in 45 Minuten auf 41%. Das Ergäbe eine Laufzeit von 8,3 Stunden. Für den Akku gibt HP 6300 mAh an, was geringfügig weniger ist als beim iPad.

Die Display-Auflösung ist exakt die gleiche wie beim iPad: 9,7 Zoll mit 1024 x 768 Punkten. Winkelunabhängigkeit und Farbechtheit wirken gleichwertig, allerdings habe ich das Gefühl, dass die Darstellung von Text auf Webseiten oder in PDF-Dokumenten nicht so gut ist. Auch fiel mir auf, dass im Browser auf Webseiten mit animierten Werbebannern gelegentlich Teile der Webseite ein wenig im Takt der Animation zittern. Seltsam ist das schon, weil WebOS meines Wissens genauso einen Browser mit WebKit-Engine benutzt wie iOS und Android. Als Lesemaschine taugt das Touchpad meiner Meinung nach nicht. Mit seinen 740 g ist es einfach zu schwer und will im Schoß gehalten werden, was aber für derzeit jedes 10-Zoll-Tablet gilt.

Auf eine Kamera verzichtet HP, was meiner Meinung nach voll OK geht, da ich mich sowieso nicht daran gewöhnen kann, mit etwas so großem wie einem Tablet zu fotographieren. Eine Frontkamera mit 1,3 Megapixeln für Videochats ist hingegen eingebaut. Mit welchen Diensten oder Apps der Chat läuft, war nicht ersichtlich. Überhaupt Apps, das große Problem bei WebOS – es gibt viel zu wenige davon. HP ist sich dessen bewusst und sichtlich bemüht, gegenzusteuern und bewirbt groß die kommenden Apps wie Angry Birds oder New York Times. In Deutschland sollen noch Apps von Pulishern wie Focus oder N24 hinzukommen – und die Kindle-App von Amazon, was nichts heißt, da Amazon die sowieso für jede Plattform produziert, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Obs klappen wird, sei dahingestellt. Mit der Zahl der Apps steht und fällt die Plattform auf die Dauer. Einen Blick in den App Catalog konnte ich vom Testgerät aus nicht werfen – aber eine aufs HP Touchpad angepasste Facebook-App sehen, die erheblich besser aussah als das, was man auf Android und iOS im Talbetformat zu sehen bekommt.

Eindruck: Noch nicht ganz fertig

Auffällig war, dass die Marke „Palm“ gerade dabei ist, zu verschwinden. Sie wird nirgends erwähnt oder gezeigt und ist auch nicht auf die Rückseite des HP Touchpad gedruckt. Fans der PDAs und des Palm Pre werden das sicher traurig finden. Stattdessen wird an allen Ecken und Enden „HP webOS“ kommuniziert. Das System soll ja mal auf Geräten aller Art und nicht nur auf Smartphones und Tablets laufen.

Ich würde diesen Artikel gerne noch mit Bildern und einem Hands-On-Video garnieren. Leider musste ich vor der Konferenz unterschreiben, dass ich nur meine persönlichen Eindrücke wiedergebe und keine Bilder oder Videos veröffentliche – jedenfalls nicht ohne dass HP das Material vorher nochmal genehmigt. Dann eben unten nochmal ein bekanntes Video. Ich finde dieses Verhalten seltsam bei einem Gerät, das derzeit alles andere als geheim sein ist und schon im Juni für übrigens recht günstige 499 Euro auf den Markt kommen sollte. Allerdings hatte ich beim Testen das Gefühl, dass HP noch nicht so weit ist und bezweifele mittlerweile den frühen Marktstart.

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