
Der Ursprung
Wikipedia sagt zum Thema Freundschaft:
Die in einer freundschaftlichen Beziehung zueinander stehenden Menschen bezeichnet man als Freundin bzw. Freund. In einer Freundschaft schätzen und mögen die befreundeten Menschen einander um ihrer selbst willen. Freundschaft beruht auf Zuneigung, Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung. Eine Freundschaft wird „geschlossen“, geht sie einem Ende zu, so „erkaltet“ sie.
Vor kurzem stellte ich mir eine “Was war zuerst da…”-Frage. Was war zuerst da? Das Web 2.0 oder die Freunde, mit denen man sich dort austauscht? Als ich kürzlich meinen Twitter-Account wieder zum Leben erweckte fiel mir ein grundliegendes Problem auf. Warum habe ich Twitter? Und warum folge ich so vielen Menschen dort? Persönlich kennen tue ich davon eine einzige Person, wer sind die restlichen 16 Personen? Diese Eingebung kam mir einst beim Verwenden von iChat für meinen Mac. Das Programm ist so großartig gemacht, dass ich es so gerne verwenden würde, doch kenne ich niemanden der AIM oder .Mac verwendet, um mit ihm über iChat zu kommunizieren. Dennoch haben sich Kontakte über das Internet entwickelt, mit denen ich über iChat kommuniziere, aber ist das nicht abstrakt, gar eine Zeitverschwendung mit Menschen zu kommunizieren, die Platzhalter in einem Programm sind?
Das Twitter-Beispiel
In meinem Kopf klingt Prinzip “Twitter” großartig. Mein Kumpel Udo schreibt unterwegs mit seinem iPhone, dass er im Stau steckt und alle seine Freunde und Teile seiner Verwandten wissen sofort darüber bescheid. Warum? Weil sie sich dafür interessieren,weil sie Freunde und Verwandte sind. Somit weiß ich als sein Kumpel, dass es wohl etwas später wird mit dem Grillen heute Abend. Es ist somit “unser” Twitter. Nur leider ist das Web 2.0 nicht jedermanns Sache und ich muss gestehen, dass dieser Kumpel Udo nicht existiert. Es existiert auch seine Familie nicht, denn ich kenne nur eine Person aus meinem Twitter persönlich! Somit schreibt man also belangloses Zeug in eine große PHP-Maschine, in der Hoffnung es findet Anklang. Ist das Zweck des Web 2.0?
Der Gedanke
Das Web 2.0 wäre eine großartige Plattform mit Freunden über Interessen, Fotos und weiteren Schabernack zu quatschen, im Falle diese Menschen Freunde sind. Lese ich Beschreibungen von Web 2.0-Portalen wie Twitter oder Bestuff, heißt es immer:
On [Insert name here], you can instantly inform your friends about the stuff you’re doing and comment it.
Also ist der Grundgedanke gar nicht beim Kennenlernen, sondern beim Halten von Freundschaften. Sekundär kommt also das Erforschen fremder Nutzer hinzu. Da 99% der besten Web 2.0 Services international, also englisch-sprachig sind, nehmen wir also Kontakt mit Menschen irgendwo auf dem Planeten auf, kommentieren deren Tweets oder tauschen uns mit einem Service aus, der auf der reinen Kommunikation basiert.
Nerdy?
Während ich diese Zeilen grade schreibe, kommt mir immer mehr der Gedanke Accounts wie Twitter, Friendfeed und so weiter einfach zu löschen. Ich für meinen Teil lebe nicht in einem Freundeskreis, in dem das Web 2.0 verbreitet ist. Viele haben sich einen Flickr-Account geholt um im Endeffekt ihre Bilder dennoch bei MySpace oder StudiVZ hochzuladen, weil einfach keine bestehende soziale Grundlage durch Freunde und Bekannte gegeben ist. Dennoch habe ich mich bei solchen Services angemeldet, weil sie mich interessieren und habe damit Kontakte zu Leuten aus ganz Deutschland und auch international geknüpft. Ich möchte diese Leute auch nicht missen, weil sie vorwiegend beruflich mit mir agieren, weswegen Twitter überhaupt noch eine Darseins-Berechtigung besitzt. Für mich ist es das Xing des Web 2.0. Ich für meinen Teil werde meinen Web 2.0-Lifestyle noch einmal gründlich überdenken und mir Gedanken mache, bevor ich mich in einen Trend-Service stürze.
Ich beende den Artikel jetzt hier, die Sonne scheint und meine Kumpel sind gerade zum Grillen vorbeigekommen.



…eine sehr gute Sicht der Dinge… ich stimme da voll und ganz mit dir überein…. Freundschaften, ECHTE Freundschaften, sollte man persönlich und nicht via Web2.0 pflegen.
Glücklicherweise sind einige meiner wirklich guten Freund aber z.b. bei Twitter und so weiß ich genau von den Personsn, was Sache ist, bekomme ein SMS und weiß dann z.B. daß Alex gerade bei anderen uns bekannten eingeladen ist, oder Michael beim Training und sein Telefon nicht abheben könenn wird…
Für mich funktioniert das Konzept gut, aber ich denke, viele Menschen kippen zu stark in das Konzept Web2.0 rein und laufen Gefahr, die Freundschaften aus der Realität in eine Cyberwelt zu verbannen…
Genau das ist auch meine Ansicht. So funktioniert es super aber beginnt man in der Sache mehr zu finden als in der Welt der realen Freunde, sieht es übel aus.
Ich sehe das nicht ganz so verbissen. Wie mit anderen Süchten auch, gibt es immer wieder Menschen, die sich in etwas hineinsteigern und die Kontrolle verlieren. Da bildet das Internt/Web 2.0/ Social Networking keine Ausnahme.
Ich finde Web 2.0 gerade für realie Freundschaften gut. Das Beispiel mit Udo trifft es auf den Kopf. Ich bin wahrscheinlich auch schon zu alt, um mit meinen Peers im Web 2.0 zu leben. Viele sind nicht bei Twitter und co. Fände ich aber gut.
Richtig, für reale Freundschaften ist es einfach perfekt. Die möglichkeiten sind schier unendlich, nur sind die Leute verschieden und es finden sich nur wenige zum Kommunizieren.
Jetzt Hand auf’s Herz, sieht sich einer von euch in dieser Situation Platzhalter-User in Twitter und Co. zu haben?
Ein gelungenes Statement, dem ich zustimmen muss. Twitter macht einfach nur Spaß, wenn man weiß, dass der nettee Arbeitskollege gerade einen Kaffee trinkt oder die alte Schulkameradin mit dem Hund Gassi geht. Ob ein Internet-Freund bei seiner Freundin Marie (ebenfalls unbekannt) ist, füllt tatsächlich nur die Seite…
Ich sehe das ganze etwas anders. Schließlich besteht das Web2.0 nicht nur aus twitter (was ich selber gar nicht benutze). Da wären auch noch die enormen Möglichkeiten des User-Generated-Content.
Aber auch wenn man Leute aus dem Internet nicht kennt, kann man sie gerade dank solcher Social-Networks kennenlernen. Zum Beispiel Lokalisten oder Facebook: Dort kann man sich die Freunde seiner Freunde anschauen und direkt in Kontakt treten. Trifft man sich dann abends zufällig auf einer Party läuft man dann nicht einfach an einander vorbei…
Also ich denke man darf das alles nicht so streng sehen, auch wenn es Menschen gibt, die sich in irreale Welten flüchten. Allerdings halte ich in diesem Zusammenhang Second Life und co für viel gefährlicher.
Hi Julius,
Ein guter Artikel, der zum Nachdenken anregt. Ich Muß noch ein wenig darüber grübeln möchte aber jetzt schon hervorheben, daß Twitter und co. nur Werkzeuge sind und die können zum Vorteil oder Nachteil gereichen.
vlg Christoph
Sehr interessanter Artikel, musste dazu gleich mal einen Artikel in meinem Blog schreiben
Ich hab auch schon sehr oft darüber nachgedacht, ob es denn wirklich sehr gut ist, viel im Internet mit Bekannten bzw. Freunden zu kommunizieren oder ob man Gefahr läuft, nur noch im Web zu kommunizieren…
Ich muss gestehen, dass mein Gedanke ein anderer ist. Bei mir ist es normal die Leute offline zu sehen! Aber es bauen sich auch viele Bekanntschaften auf, die keine Freundschaft als Basis haben, sondern den jeweiligen Service, den man nutzt und plötzlich hat man viele Kontakte, die man nie live gesehen hat und kommuniziert mit diesen. Das ist eine Sache, die ich beängstigend finde.
Also beängstigend kann ich nicht ganz nachvollziehen. Verstehe aber, das man die Entwicklung als beunruhigend empfindet. Ich bin definitiv zu alt und inde der Hinsicht kein digital native – höchstens ein digital immigrant. Von euren Antworten, leite ich mal ab, dass es euch genauso geht.
Denn schaut man sich einmal die Kinder/Jugendlichen heutzutage an, und untersucht deren Umgang mit “Web 2.0″, dann stellt man fest, dass diese es als reines Medium begreifen. Für Sie besteht kein Unterschied darin, ob man jemanden Face-2-Face kennen lernt oder über das Internet. Es hat einfach die selbe Qualität. Lediglich das Medium ist ein anderes.
Ich gehöre ja schon so ziemlich in die Generation (20Jahre) , die mit dem Computer aufgewachsen ist und ziemlich am Anfang das Internet mit genutzt hatte. Aber ich finde es ist stark zur normalität geworden, das Web2.0 zu nutzen, neue Kontakte zu knüpfen, damals (vor 2-6Jahren) war es die SMS und heute ist es die Email oder der Chat. Eigentlich für den Geldbeutel ganz gut
Aber trotzdem sollte man aufpassen, nicht nurnoch durch das Web mit Freunden in Kontakt zu bleiben, wenn man sie jeden Tag sehen könnte. Es ist aber auf jeden Fall einfacher geworden, neue und alte leute kennenzulernen und wiederzusehen. Also beängstigend ist das nicht, wie Björn es schon sagte.
Beängstigend finde ich folgenden Gedanken, der mich (und auch Julius) schon seit einiger Zeit verfolgt:
Der Computer bestimmt unseren Alltag.
Ich will gar nicht zu weit abschweifen vom Thema Twitter und Online-Freundschaft ohne Basis, aber ich denke, dass dieses Statement eng damit zusammen hängt. Einst bei McDonalds hatten Julius und ich festgestellt, wie sehr sich einfach in unserer Generation der Alltag vom Kindes- über das Jugend- bis hin zum Erwachsenen-Alter wandelt – via Computer.
Bedenkt man, dass man früher einen geregelten Tagesablauf mit Hausaufgaben, evtl. eine Fernseh-Serie am Nachmittag, Freunde treffen, Abendbrot, eine zweite Serie und ins Bett (o.ä.) hatte, stellen viele wohl fest, dass man heute erstmal am Computer hängt und schaut, was so neues los ist bei Twitter, studiVZ, ICQ, Facebook, Flickr uuuund und und… Dann bleibt man hier mal hängen, da mal hängen, vergisst vielleicht das Abendbrot und fällt teilweise vom PC ins Bett. Man hat also nicht mal eienn Tagesabschluss, der meiner Meinung nach imens wichtig für jeden ist.
Geht es euch nicht auch so?
Computer, insbesondere das Internet sind eine Errungenschaft, die unsere Gesellschaft stark verändern. Mindestens so dramatisch wie die Erfindung des Buchdrucks.
Dazu habe ich mal gelesen, dass sich Menschen im 17. Jahrhundert über Bücher folgendermaßen ausgelassen haben: “Bücher, pah! Die machen das ganze Familienleben kaputt. Früher haben wir Abends gemeinsam zusammen gesessen und uns unterhalten. Jetzt sitzt jeder für sich in der Ecke und liest alleine ein Buch. Die ganze Gesellschaft geht den Bach runter!”
Ich bin sehr froh über die rege Resonanz. Als ich den Gedanken zu diesem Beitrag hatte, war ich mir unschlüssig über die Reaktion.
Wie Axel schon sagte, der Computer bestimmt unser Leben mit. Vor allen Dingen uns als Blogger, kommt in jedem Schritt der Computer in die Quere. Mir als Mediengestalter genau so oft, jede Sekunde! Somit fängt man an darüber Kommunikation zu schaffen, zu Freunden zuhause und so weiter und sofort. Leider wird diese Kommunikation und auch der Informationsdrang im Internet mit der Zeit sehr stark. Leider ist Mein Job stark an den Computer gebunden und auch mein Hobby Blogging ist sehr stark an den Computer gebunden. Durch stereopoly komme ich ja erst an all diese fancy Communities. @Axel: Ich steig aus! Scherz
Wichtig ist der Gedanke, dass der Computer nur ein Tool ist und kein Zentrum. Ein Gedanke mit dem ich das erste mal einen Computer angeschaltet und mit dem ich gleich diesen Computer ausschalten werde. Das Internet simuliert nur die eigentliche Kommunikation, sie trägt den rohen Kern, die Message an sich, aber nicht das Lächeln deiner Freundin, wenn sie dir “gute Nacht” sagt! Es lassen sich nicht mehr mehr als 9 emotionslose Buchstaben transportieren. Ein Grund, Instant Messaging STARK einzuschränken!
Aber weg von alle dem. Ich muss sagen, dass mich Web 2.0 derzeit eh sehr stark anödet. Es dreht sich nur noch ums Taggen, Kommentieren, Bloggen und Favoriten! Es gibt keine Alternativen mehr! Und damit verbringen Menschen ihren gesamten Tag? Ich kann mir besseres vorstellen!
Mein Liebling im Web 2.0: Flickr! Die Seite zwingt dich nahezu nach draußen zu gehen und aktiv zu werden!
Das war nun auch nur ein kleiner Ausschweifer. Das Thema ist ein anderes!