
Andre Crom ist nicht nur ein äußerst sympathischer Zeitgenosse, sondern auch ein talentierter House-Dj und Produzent. Passend zum Wochenende dachte ich, es wäre doch mal spannend hinter die Kulissen eines Plattenauflegers zu schauen und habe dazu Andre ein paar Fragen gestellt.
Neben den Berliner Top Adressen für feinste, elektronische Musik wie Watergate, Tape und Wilde Renate hat es ihn international sogar bis nach Georgien verschlagen, um sein musikalisches Können zum Besten zu geben. Auf Discogs habe ich soeben 17 eigene Veröffentlichungen nachgezählt. Hinzukommen noch einige Remixe. Bekannt geworden ist er durch seine ersten Releases auf dem Berliner Plattenlabel Sender. Seit 2008 kümmert sich Andre nun um sein eigenes Label OFF Recordings auf dem er von Zeit zu Zeit auch eigene Produktion herausbringt. Also definitiv ein Mann, der sich im Bereich der elektronischen Musik bestens auskennt und daher genau der richtige Gesprächspartner, um ihn mit meinen Fragen so richtig auszuquetschen.
Stereopoly: Erzähl unseren Lesern doch mal wie Du zum Djing gekommen bist?
Andre Crom: Aufgewachsen auf dem platten Land (Niederrhein) hatten Musik und Nachtleben schon immer eine große Faszination auf mich und waren eine Möglichkeit aus der spießigen Umwelt auszubrechen – schnell war mir klar, dass das mehr für mich sein sollte als nur ein Hobby an den Wochenenden, und so wurde ich nach Jobs bei Clubs, Magazinen und szenenahen Werbeagenturen nach und nach vom Hobby- zum Vollzeit-DJ und Produzent.
Stereopoly: Wo legst du momentan auf und wo hat es Dir in letzter Zeit am besten gefallen?
Andre Crom: Fast jedes Wochenende woanders. Meist in Deutschland, aber oft auch im europäischen Umland, vor allem im partyverrückten Italien ; -) Besonders beeindruckend in letzter Zeit war mein erster Gig im Space Club auf Ibiza – für den DJ wird da wirklich einiges geboten, mit Sicherheit die beste technische Ausstattung, die ich jemals beim Auflegen hatte. Von der Atmosphäre her kommt aber nichts an die Clubs in Berlin heran.
Stereopoly: Der gewöhnliche Clubgänger geht davon aus, dass Du nur am Wochenende mit Platten auflegen beschäftigt bist und vielleicht während der Woche mal beim Plattenladen vorbeischaust und es dir ansonsten mit Deinen Groupie-Mädels gemütlich machst. Inwiefern ist das ein Irrglaube?
Andre Crom: Ganz vielleicht war das mal in den 90ern für einige wenige Leute so, die zur richtigen Zeit das Richtige gemacht haben und „über Nacht“ zum Star wurden. Aber die bei weitem überwiegende Zahl der Leute, die heute einigermaßen erfolgreich sind, müssen sehr hart dafür arbeiten. Will man überregional spielen gilt: Ohne erfolgreiche eigene Produktionen auf angesehenen Plattenlabels geht gar nichts. Und um die zu machen, müssen die meisten jede Woche viele Stunden im Studio verbringen!
Stereopoly: Wie kann man sich denn deinen Arbeitsalltag vorstellen? Ich gehe ja mal davon aus, dass er nicht um 9 beginnt und um 17 Uhr endet…
Andre Crom: Nein, eher von 11.00 – 19.00 ; -) Aber im Ernst, es ist schon so, dass man mehr oder weniger geregelt jeden Tag arbeitet. Nur, dass es etwas später losgeht und Freizeit und Arbeit ineinander übergehen… Viele Freunde werden zu Geschäftspartnern und umgekehrt. Was eine der schönsten Seiten am Job ist: Man arbeitet fast ausschließlich mit Gleichgesinnten, die die eigenen Interessen teilen.
Stereopoly: Wie nutzt Du das Web 2.0 für dich? Du hast ja ein Myspace-Profil. Wie hast du Deine Seite gestaltet, um eine effiziente Kommunikation mit deinen „MS-Freunden“ hinzubekommen? Welchen Service bietest Du Deinen Besuchern, um sie auf Deine Seite zu locken?
Andre Crom: Myspace ist heute mit Sicherheit die wichtigste Visitenkarte für mich. Leute werden wegen meiner Veröffentlichungen auf mich aufmerksam, Fans wie auch DJ-Booker und Veranstalter. Myspace dient dann dazu, aus diesem ersten Interesse eine Begeisterung zu schaffen, die dazu führt, dass die Leute meine Musik kaufen, zu meinen Gigs kommen oder mich zu ihren Parties einladen. Das ist aber nur eine Seite, daneben kann ich damit auch Kontakt zu anderen Künstlern schaffen oder sie für mein Plattenlabel gewinnen. Neben einer schicken Gestaltung der Seite und den aktuellen Infos sind vor allem die Musikstücke und Videos von meinen letzten Gigs wichtig, um den Leuten ein gutes Bild zu vermitteln…
Stereopoly: Welche Foren, Plattformen nutzt du sonst noch so, um auf deine neuen Releases oder Dates aufmerksam zu machen?
Andre Crom: Es gibt eine ganze Reihe von Foren wie www.mnml.nl wo sich Leute über aktuelle Platten austauschen können. Dort poste ich Infos zu den aktuellen Releases meines Labels. Gut ist auch www.soundcloud.com, eine Community von Produzenten und Fans, die sich über ihre neuen Produktionen austauschen wollen, mit einigen tollen Features um Musik (legal) zu tauschen und zu promoten.
Stereopoly: Du arbeitest ja teilweise auch mit Künstlern zusammen, die nicht in Berlin wohnen. Wie ist hier eine Zusammenarbeit möglich? Im Office Alltag würde ich ja auf Google Docs zurückgreifen…Nutzt Du Soundcloud?
Andre Crom: Wie schon erwähnt, ja – oft bekommt man Soundcloud-Links, aber momentan noch weit öfter Links zu den vielen anderen Hosting-Services.
Stereopoly: An allen Ecken hört man die Musikszene stöhnen, dass die Leute deutlich weniger Musik kaufen und sie sich lieber in den dunklen Ecken des Netzes besorgen. Wie ist es eigentlich in einem Nischenmarkt wie der elektronischen Musik bestellt?
Andre Crom: Leider genauso: Die Vinylverkäufe brechen immer weiter ein, was daran liegt, dass heute alle digital auflegen. Wenn es so wäre, dass alle früheren Vinylkäufer digital kaufen würden, wäre das nicht so ein Problem. Aber auch, wenn die Digitalverkäufe langsam steigen, reicht das (bei elektronischer Musik jedenfalls) nicht aus, um die Einbrüche abzudecken.
Stereopoly: Welche Auswege, sprich neuen Vertriebskanäle konntest Du für Dich erschließen, um der Misere zu entkommen?
Andre Crom: Aktuell ist Beatport der Marktführer und zwar mit gewaltigem Abstand vor seinen Konkurrenten wie etwa whatpeopleplay und juno.co.uk. Als Alternative bleiben da eigentlich nur ein eigener Shop, etwa auf der eigenen Myspace-Seite oder das Verschenken der Musik, was zwar kein Geld, aber zumindest eine große Verbreitung sichert. Das möchte ich aber nicht tun, denn dadurch sinkt oft auch die Wertschätzung. Für gute Musik sollte auch bezahlt werden.
Stereopoly: Du bist ja häufiger unterwegs. Nutzt Du Deine Reisezeit eigentlich zum Musik machen oder wartest du bist du ins Studio kannst und liest stattdessen lieber in der B.Z. ?
Andre Crom: Zum Sammeln musikalischer Ideen gibt’s tatsächlich kaum entspannendere Situationen als eine lange Zugfahrt, wo man ohne vom Internet abgelenkt zu werden Tracks bauen kann. Auf der Rückfahrt nach einer langen Nacht reichen dann die geistigen Kapazitäten aber oft nur noch für einen Film oder ein leichtes Buch.
Stereopoly: Zum Abschluss eine Frage, die mich ja am meisten interessiert. Ist es eigentlich wahr, dass man als DJ die besseren Chancen bei den netten Mädels hat?
Andre Crom: Naja, schaden tut der Job dabei mit Sicherheit nicht ; -)
STEREOPOLY bietet Euch die Chance, eines von Andres groovigen House-Sets mal live mitzuerleben und das für Umme! Die ersten fünf Leser, die auf unseren Artikel verlinken, bekommen einen Gästelistenplatz für den 15.10, wenn Herr Crom im Berliner Suicide Circus spielt. RAVE ON!
UPDATE
Das waren wohl etwas zuviele Restriktionen auf einmal. Wer wohnt schon in Berlin, betreibt einen Blog und hat Lust am Donnerstag feiern zu gehen? Mea culpa. Aus diesem Grund vereinfachen wir einfach das Ganze. Unter jenen, die bis morgen 18 Uhr uns ihre Facebook-Freundschaft bestätigen, verlosen wir die fünf Gästelistenplätze. Viel Spaß dabei!

















Schreibe einen neuen Kommentar