iPhone 5: kein LTE bei o2 und Vodafone, dafür exklusiv bei der Telekom (in Großstädten) – warum?

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Ich muss zugeben, dass ich selbst auch etwas ernüchtert bin. Noch gestern habe ich mich darüber gefreut, mit dem neuen iPhone 5 endlich LTE in Deutschland nutzen zu können – mit dem neuen iPad war und ist das hierzulande ja nicht möglich. Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich ein großer Fan und Befürworter von LTE bin, aber leider zeigt das neue iPhone, dass das in Deutschland alles eben nicht so einfach ist. Bevor ihr euch darüber echauffiert, dass mal wieder o2 nicht im Boot ist und selbst Vodafone die LTE-Frequenz des neuen iPhone nicht unterstützt, sollten wir uns zunächst anschauen, warum das so ist.

Zunächst sollte man wissen, dass LTE (Long Term Evolution) von Land zu Land unterschiedliche Frequenzen nutzt – teilweise gibt es sogar regionale Unterschiede. Das erklärt, warum es über 30 unterschiedliche LTE-Bands weltweit gibt. In Deutschland sind die Netzbetreiber o2, Vodafone und die Deutsche Telekom gerade dabei, entsprechende LTE-Netze auf den Frequenzen 800, 1800 und 2600 MHz auszubauen. Dumm nur, dass das iPhone 5 nur die Frequenzen 850, 1800 und 2100 MHz unterstützt. Damit bleibt in Deutschland noch genau eine Frequenz (1800 MHz) und nur ein Netzbetreiber, der LTE für das iPhone 5 offerieren kann: die Deutsche Telekom. Das ist aber noch nicht alles: in ländlichen Regionen läuft LTE ausschließlich über die 800 MHz Frequenz. Soll heißen: nur wer in einer Großstadt wohnt und bei der Telekom ist, wird LTE nutzen können. Die LTE-Netzabdeckung für das iPhone 5 ist also selbst bei der Telekom, vorsichtig ausgedrückt, ein Witz, wie auch ein Blick auf die Verfügbarkeitsgrafik der Telekom verdeutlicht:

Der Schuldige? Den gibt es nicht. Die Netzbetreiber haben kaum oder keinen Einfluss darauf, welche Hardware Apple in seinen Geräten verbaut. Es ist also völlig sinnfrei, sich über o2 oder Vodafone zu beschweren. Und auch Apple hat mit der LTE-Frequenz der Deutschen Telekom die ökonomischste Entscheidung getroffen: Das LTE-Netz von o2 liegt vom Ausbau her noch Jahre hinter Vodafone und der Telekom und kommt somit nicht in Frage. Ob nun Vodafone oder die Telekom – eine Partei hätte sich immer benachteiligt gefühlt.

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Es gibt also keinen Grund, sich aufzuregen. Deutschland ist LTE-technisch (auch wenn manche Statistiken eine andere Sprache sprechen) noch ein Entwicklungsland und die Preise sind so hoch, dass nur wenige bereit sind, sie zu bezahlen. Die unterschiedlichen Frequenzen verkomplizieren die Lage zusätzlich. Im Endeffekt müssen nun die Netzbetreiber daran arbeiten, die LTE-Netze zügig und vor allem großflächig auszubauen, während den Smartphone-Herstellern die Aufgabe zukommt, LTE-Smartphones auf den Markt zu bringen, die möglichst viele LTE-Bands abdecken.

Frank Feil

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

54 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Anonymous

  2. „und die Preise sind so hoch, dass nur wenige bereit sind, sie zu bezahlen“

    Telekom-Kunden können das Complete-Datenvolumen kostenlos im LTE-Netz verwenden. Ist dann auf 21,6 Mbit/s gedrosselt. Für ’nen 10er extra bekommt man LTE mit bis zu 100 Mbit/s. Das Datenvolumen wird verdoppelt und man kann es in allen Netzen (EDGE, 3G, HSPA, LTE) verwenden.

    Finde ich persönlich jetzt nicht zu teuer.

  3. Pingback: iPhone 5

  4. Also ich kann es nicht ganz nachvollziehen, für wen sind dann die anderen Frequenzen? Für die USA sind sie schon mal nicht, denn sie überschneiden sich nur bei der jeweils gegenläufigen Technologie, aber ansonsten kann man hier auch nicht mit Roaming argumentieren. Wenn doch die drei Frequenzen von allen deutschen Betreibern aufgebaut werden, wieso unterstützt man nicht just jene drei? Oder dann zumindest eine sinnvolle Auswahl, um bspw. auch sinnvoll roamen zu können? Im Zeitalter der Globalisierung aber auch umgekehrt ein Armutszeugnis, dass man sich hier nicht auf gemeinsame LTE-Frequenzen einigen konnte. Long Term Evolution als Ausführung der Abkürzung liest sich dann schon fast als Hohn.

    • „Dass Apple wenig Rücksicht auf die Frequenzsituation in Deutschland nimmt, hat möglicherweise nicht nur technische Gründe. Eine nennenswerte Zahl von LTE-Nutzern gibt es derzeit nur in den USA, in Südkorea und in Japan. Deutschland steht mit dem LTE-Funk erst ganz am Anfang. Das mag sich schnell ändern. Die Apple-Ingenieure arbeiten längst schon an der nächsten iPhone-Version.“ um es mit der „Welt“ zu sagen.

  5. Pingback: Meine 2 Cent zum iPhone 5 | fehrnetzt

  6. Viel Interessantes ist doch mal wieder zu sehen wie die Telekom etwas ausnutzt wenn man ihr den kleinen Finger reicht.
    Ich erinnere mich daran das es vor Kurzem hieß: Alle iPhone´s die bei der Telekom per Vertrag gekauft werden haben KEINEN Netlock mehr. Nun sieht die Telekom: Ahhh, wir sind die einzigen die LTE haben (wenn auch mal richtig lächerlich abgedeckt und viel zu teuer) dann können wir auch den Netlock wieder einführen. Schließlich kann niemand zu anderen Anbietern wechseln (Vodafone, O2) da diese nicht mehr dabei sind und uns somit keine Kunden entlaufen können.
    Das ist wieder typisch für die Telekom: Man reicht ihr den kleinen Finger und sie nimmt die ganze Hand. Ein Grund mehr der Telekom den Rücken zuzudrehen und aus Protest auf LTE zu verzichten!!!

  7. „Der Schuldige? Den gibt es nicht“ — Natürlich gibt es den, wenn man denn bereit ist Apple dafür zu kritisieren. Der deutsche Makrt ist jetzt nicht sooo unbedeutend, und HTC hat schon vor einem halben Jahr geschafft LTE-Geräte für alle drei hier verwendeten Frequenzbänder herauszubringen.

    • Ich kopiere einfach mal die Antwort, die ich bei Google+ auf eine ähnliche Aussage gegeben habe: „Eigentlich ist das recht einfach zu erklären: es gibt noch keinen Chip, der jede LTE-Frequenz unterstützt, ergo muss Apple hier einen Trade-off eingehen und selbst entscheiden, welche Frequenzen unterstützt werden. o2 wäre auf Grund der geringen Verbreitung völlig sinnlos. Vodafone, hmm, ja, vielleicht. Im Endeffekt ist es eine rein ökonomische Entscheidung von Apple, eben nicht noch mehr Varianten auf den Markt zu bringen. Der deutsche Markt ist derzeit was LTE angeht für Smartphone-Hersteller noch recht uninteressant. Mit der Telekom kann Apple jetzt testen, wie LTE angenommen wird hierzulande und beim kommenden iPhone dann entsprechend reagieren und mehr LTE-Bands unterstützen. “

      P.S.: Meines Wissens nach gibt es kein HTC-Smartphone, das sämtliche LTE-Bands in Deutschland abdeckt, sondern nur, wie auch Apple es macht, Netzbetreiber-spezifische.

      • „P.S.: Meines Wissens nach gibt es kein HTC-Smartphone, das sämtliche LTE-Bands in Deutschland abdeckt“

        One XL. Schon mal gehört?

        • Tatsache. Ich denke, wer wirklich wert auf LTE legt, wird schon das für ihn passende Gerät finden. Bei Apple war das eben eine strategische Entscheidung, bei der wohl auch hinter der Bühne einiges noch mit der Telekom gelaufen ist. Damit muss man jetzt eben leben. Für mich im o2-Netz, wäre es hier ohnehin egal gewesen.

  8. Pingback: LT was? « blog.softwing.de – das Blog

  9. Aber warum wurde dann in der Keynote als sie die LTE unterstützenden Partner angezeigt haben Telekom und vodafone angezeigt ??

  10. Pingback: iPhone 5 und LTE | Oliver Julian

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