
Jack Wolfskin hat sich in seinem guten Namen angegriffen gefühlt. Wahrscheinlich hat der Hersteller von Funktionskleidung deshalb Abmahnungen an Hobby-Handarbeiter verschickt. Mit weitreichenden Folgen für beide Seiten.
Ohne Vorwarnung haben letzte Woche Bastler des Handarbeits-Portals Dawanda Abmahnungen von dem Outdoor-Goliath bekommen. Der simple Grund: Die Bastler haben Produkte mit Katzenpfoten verkauft. Dies betrachtet der Konzern bereits als eine Verletzung von seinen Markenrechten, da er selbst eine Pfote als Markenzeichen hat. Der Konzern versucht daher, die Abgemahnten dazu zu bringen, Vertragsstrafen von bis zu 10.000 Euro zu akzeptieren, wenn diese erneut eine Verletzung der Markenrechte begehen.
Bereits im Jahr 2002 hat Jack Wolfskin bewirkt, dass die Berliner Tageszeitung taz seine taz-Tatze nicht mehr ohne weiteres auf Kleidungsstücke drucken darf. Zwar verwendet die taz ihre Pfote bereits seit 1979 (Jack Wolfskin entstand erst 1981), doch war die Tatze damals nicht eingetragen worden. Dies nutze Jack Wolfskin und zeigte schließlich seine ganze Härte.
Das es jedoch noch ein Stück härter geht, beweist der Konzern nun durch seine Abmahnungen nicht nur an Kleinunternehmer, sondern auch an Hobbybastler. Das besonders skurrile daran ist, dass diese das Markenrecht gar nicht verletzten wollten. Neben Katzenpfoten (Jack Wolfskins Markenzeichen ist übrigens eine Wolfstatze) bieten die Verdächtigen nämlich auch Herzchen, Sterne und andere einfache Muster an.
Das sieht der Outdoor-Riese etwas anders. Laut Spiegel Online sollen die Betroffen für entstandene Schäden aufkommen und schriftlich darüber Auskunft geben, wie groß ihr Umsatz mit den entsprechenden Artikeln war und wie sich der Werbeaufwand für diese gestaltet. Darüber hinaus fordert Jack Wolfskin Auskunft über Hersteller, Lieferanten und Abnehmer der Waren. Die Abgemahnten sollen nun binnen drei Wochen die für die Abmahnung angefallenen Gebühren (zwischen 850 und 1.000 Euro) tragen und eine Unterlassungserklärung unterschreiben.
Finanziell ist dies schon eine harte Nuss für einen Hobbybastler, doch auch die künstlerische Freiheit ist betroffen. Im Dawanda-Forum wird lebhaft diskutiert, ob Pfote gleich Pfote ist. Dawanda selbst hat viele Angebote von Hobbybastlern aus dem Angebot entfernt. Solche Angelegenheiten können viele Probleme mit sich ziehen. Das haben auch die Apple-Anwälte in Australien bewiesen. Eine Supermarktkette wollte sich ein neues Logo geben, doch dies hat zu sehr Ähnlichkeit mit dem berühmten Apfel.
Ich kann verstehen, dass eigene Motive geschützt werden müssen, aber wie weit soll das gehen? Wenn ich heute ein Logo mit einem modernen Segelboot schützen lasse, darf dann morgen einer von euch überhaupt noch ein Segelboot aus Holz für ein Motiv verwenden? Ich meine, dass Jack Wolfskin das nicht nötig hat. Es geht hier nicht um Wirtschaftskriminalität, sondern um das Verdrängen nicht-marktrelevanter Handwerker. Anstatt sich vor „Angriffen auf die eigene Marke zu Schützen, verdirbt sich das Unternehmen seinen guten Ruf in Zeiten von zunehmender unternehmerischer Verantwortung und Nachhaltigkeit selbst – eine klare Disqualifikation!



Wenn ich es könnte, dann würde ich selbst handgemachte Werke mit Pfoten herstellen. Dann sollen sie mich mal abmahnen. Ich würde mich über eine gerichtliche Auseinandersetzung freuen. Keinesfalls darf ein Unternehmen einen derart umfangreichen Anspruch auf die alleinige Verwendung dieses Symbols haben. Jack Wolfskin hat es versäumt, sein Symbol ausreichend gegenüber naturgegebenen Formen zu differenzieren. Für Markensymbole soll das gleiche gelten wie für Markennamen! Markennamen lassen sich nicht schützen, wenn es sich um einen Gattungsbegriff handelt. Im vorliegenden Fall ist es ebenso, dass die Pfote als solches ein Gattungssymbol für Katzen, Hunde, Wölfe und andere Tiere mit diesem “Fußabdruck” ist.
Interessant wäre doch die Frage, ob Jack Wolfskin nun die entstandene Marktlücke auch wieder füllt. Schließlich würden nun Kinderbekleidungshersteller den Kleinen keine Motive mehr mit Pfotenabdrücken auf Bekleidungsstücken anbieten.
Hier sollten übrige Bekleidungsunternehmen mit Handarbeiterinnen und Handarbeitern gemeinsam vor Gericht ziehen. Das Markenrecht wird hier eindeutig zu weit ausgelegt!
Ich frage mich, wie es dann mit Büchern aussieht. In Biologie-Büchern usw. sollte doch die “Tatze” auch vorkommen und ich glaube nicht, das man sich einen Abdruck in dieser Form sichern lassen kann. Ansonsten sicher ich mir morgen alle Blätter die es an Bäumen gibt und verklage dann jeden, der ein Haselnuss Blatt verwendet
Wäre sicherlich ne neue Geschäftsidee, wenn auch nicht sehr legitim.
Bei Büchern gibt es eine andere Betrachtung der vermeintlichen Marke. Beispielsweise bietet das Bio-Buch keine Waren oder Dienstleistungen an, die direkt in Verbindung mit der Marke stehen. Hier bestünde keine Verwechslungsgefahr, da es durchaus auch in der Natur der Sache liegt, dass Tatzen in einem Bio-Buch vorkommen. Außerdem bezieht sich der Markenschutz nur auf die eingetragenen Waren und Dienstleistungen. Ansonsten wäre ein Grundrechtsverstoß (gem. Art. 5 Abs. 3 GG) denkbar. Forschung und Lehre sind frei. Wenn das Markenrecht dort hineinreichen würde, dann gäbs ne Verfassungsbeschwerde.
Bei den abgemahnten Handarbeiter/-innen handelt es sich um Textilwaren die in Handarbeit hergestellt und veräußert wurden. Das liegt genau im eingetragenen Schutzbereich von Jack Wolfskin. Allerdings sehe ich das ganze sehr kritisch. Dass Kinder Tierpfoten toll finden, kann man nunmal nicht ändern. Warum sollen sie mit Jack Wolskin Sachen rumlaufen müssen? Erstmal sind die Sachen relativ teuer und es gibt bestimmt noch schönere *hehe* Für mich bleibt die Tierpfote ein Gattungssymbol und soll zur Verzierung von Textilien verwendet werden dürfen.
Man kann alles übertreiben und das ist hier geschehen.
Wenn auch noch Manche denken, mich betrifft es ja nicht, kann sich das sehr schnell ändern.
Deshalb hoffe ich, es wird mal richtig geklärt, so kann es einfach nicht gehen.
Jack Wolfskin hat sich mit der Aktion sicher auch keine neuen Kunden gemacht. Ich boykottiere diese Marke ab jetzt. Die Jacke, die ich von denen habe, geht bei der nächsten Altkleidersammlung raus. Wenn die Gerichte und/oder der Gesetzgeber nichts ändert, dann müssen die Verbraucher eben das Unternehmen in die Schranken weisen.
Jack Wolfskin lenkt ein:
http://www.jack-wolfskin.com/Portaldata/1/Resources/company/Jack_Wolfskin_reagiert_auf_Kritik_beim_Vorgehen_zum_Markenschutz.pdf
Coole und beispielgebende Reaktion von Jack Wolfskin!
“Jack Wolfskin – Dies ist erst der Anfang”
Die Bären-Community hat Ärger mit JW:
http://skorpionstich.wordpress.com/2009/10/22/jack-wolfskin-dies-ist-erst-der-anfang/
Klar, dass das Thema mit dem Markenrecht noch lange nicht vom Tisch ist. Wer Tatzen auf Textil abbildet wird immer noch verfolgt. Nur geschieht dies nichtmehr direkt per Abmahnung. Jack Wolfskin muss sich gegen die Verwässerung seiner Marke wehren sonst reicht ihr Markenschutz nichtmehr lange. Eine Gesetzesänderung muss her, damit die Marke nicht weiterhin so einen breiten Schutz hat und Unternehmen nicht gezwungen werden Leute abzumahnen (Verwässerungsgefahr). Solange das Gesetz die Konsequenz eines Verfalls des Markenschutzes beinhaltet, wird sich grundsätzlich nicht viel ändern.