Moto Z und Moto Mods: Das erweiterbare Smartphone im Langzeittest

Das Moto Z wurde zusammen mit dem Moto Z Play groß auf der IFA von Lenovo beworben, denn die Messe markierte den Deutschlandstart Konzepts eines modularen Smartphonesystems der Chinesen. Ich trage es und drei Moto Mods nun seit zwei Monaten im Alltag mit mir herum und fasse euch meine Beobachtungen hier zusammen.

Lenovo Moto Z

Was mir schon zur IFA aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass man so mit Abstand das System Moto Mods als Spielerei abtun kann. Wenn man dann aber so alles vor sich zu liegen hat, spielt man damit nicht nur, sondern begreift auch, wie ein eher komplexes Problem stark vereinfacht wurde und durchaus einen Mehrwert bieten kann. Natürlich würde ich davon absehen das Moto Z oder Moto Z Play als „modular“ zu bezeichnen, denn darunter stelle ich mir viel tief greifendere Konzepte vor, die wohl leider alle ad acta gelegt wurden. Das Moto Z ist ein vollständiges Smartphone auch ohne einen einzigen Moto Mod. Die Moto Mods können einzelne Hardwarefunktionen hinzufügen, die das Gerät sonst nicht beherrscht (Projektor), bestehende Funktionen erweitern (mehr Akku) oder ersetzen (Kamera).

Wie bei vielen Geräten der Oberklasse, hat man auch beim Moto Z die Wahl, ob man zwei Nano-SIM-Karten ins Gerät einlegen möchte (Dual-SIM), oder neben einer Nano-SIM noch den Speicher mit einer microSD erweitern möchte. Beides gleichzeitig geht nicht, dafür muss man zum Moto Z Play greifen. Das hat zwar von Hause aus einen dickeren Akku und ist über 200 Euro günstiger, aber kommt eben auch nur mit dem Snapdragon 625 statt dem Snapdragon 820, 3 statt 4 GB RAM, hat eine andere Kamera ohne OIS und einen geringer aufgelösten Bildschirm (FullHD statt QuadHD).

Lenovo Moto Z - Knöpfe, Front mit Blitz & Speaker, SIM-Schacht

Von der Performance her ist das Moto Z mit dem Nubia Z11 vergleichbar. Es ist etwas schwächer als die Galaxy-S7-Familie von Samsung oder das LG G5. Im Alltag kommt das Moto Z erwartungsgemäß mit allem klar. Größere Speichervarianten gibt es diesmal auch nicht im Moto Maker. Braucht man mehr als 32 GB, muss man einen microSD einlegen. Der Fingerabdruckleser ist superflink. Er ist mit dem des Moto G4 Plus identisch.

Moto Z - Fingerabdruckleser

Moto Aktionen funktionieren auch wie eh und je mit seinen nützlichen Funktionen. Bewegungen und Gesten aktivieren die Aktivitätsanzeige, Taschenlampe, Kamera oder beendet Gespräche. All das lässt sich in der App „Moto“ vereinbaren, die Moto Sprache, Moto Infos und Moto Action in sich vereint. Ob man jetzt lieber „OK, Google“, oder „Hör mal, Moto Z“ sagen will – es wird immer Google ausgelöst. Das war es dann auch schon mit den Anpassungen von Motorola. Möchte man pures Android von Google, kann aber mit deren Geräten nichts anfangen, ist man mit den Motos, so auch dem Moto Z, gut beraten.

Die verbaute Kamera macht mit ihren 13 Megapixeln recht gute Bilder. Das liegt vor allem am sehr schnellen Laserautofokus und der optischen Bildstabilisierung (OIS). Videos können mit bis zu 4K-Auflösung aufgenommen werden. Die Kamerasoftware ist die gleiche wie im Moto G4 – einfach zu bedienen durch Setzen des Fokuspunktes auf dem Touchscreen und Einstellen der Belichtung. HDR, Profi- Nacht- und Burstmodi dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Moto Z - Kamera

Die Frontkamera (5 MP) ist sehr weitwinkelig und hat einen eigenen Blitz. Hier ein paar ausgewählte Fotos:

Spezifikationen

  • Betriebssystem: Android 6.0.1 „Marshmallow“ – Update auf Android 7.0 „Nougat“ ist vorhanden
  • System-Architektur/Prozessor: Motorola Mobile Computing System (1,8-GHz-Qualcomm Snapdragon 820 Quad-Core CPU & Adreno 530 GPU, je ein Prozessor für natürliche Sprache und kontextuelles Computing)
  • Speicher: 4 GB LPDDR4 RAM & 32 GB (erweiterbar, microSD-Karten bis zu 2 TB
  • Gewicht: 136 g
  • Display: 5,5” AMOLED, 1440p-Quad-HD (2560 x 1440), 535 ppi, Corning Gorilla Glass
  • Akku: 2.600 mAh (bis zu 30 Stunden gemischte Nutzung, TurboPower zum schnellen laden (s.u.)
  • Features: wasserabweisende Nanobeschichtung, Moto-Mods-Verbindung, USB-C, Adapter USB-C auf Klinke
  • Funk: 4G LTE (Cat. 6), WLAN 802.11 a/b/g/n/ac 2,4 GHz + 5 GHz mit MIMO, Bluetooth 4.1 LE + NFC
  • Rückseitige Kamera: 13 Megapixel, ƒ/1.8 Blende, optische Bildstabilisierung (OIS), Laser-Autofokus, farbausgleichender Dual-LED-Blitz (CCT), 4K-Video (30 fps)
  • Frontkamera: 5 Megapixel, ƒ/2.2 Blende, Weitwinkelobjektiv, Blitz, 1,4 um-Pixelgröße für bessere Fotos bei schwachem Licht
  • Lieferumfang: Moto Z, Turbo Power 15 Netzteil, Style Cap, Klarsicht-Bumper, SIM-Tool, Guide

Tubro Power 15 - Netzteil Moto Z

TurboPower ist und das habe ich auch schon beim Moto G4 & Moto G4 Plus angemerkt, einfach der Hammer. Dem Moto Z liegt eine neue Variante des „TurboPower 15“-Netzteils bei. Dieses beherrscht nur noch einen Lademodus (Output): 5 V, 3 A. Es ist damit nur für Geräte geeignet, die TurboPower auch unterstützen. Das Modell beim Moto G4 Plus beherrschte drei Modi (8 W, 14,4 W, 17,28 W) und war damit universell einsetzbar. Standalone hält das Moto Z locker einen Tag durch. Damit meine ich über 24 Stunden.

Android 7.0 „Nougat“

Das Update auf das aktuelle Betriebssystem von Google wird ausgeliefert und hat auch mein Testgerät erreicht. Bisher sind keine Auffälligkeiten aufgetreten. Es verhält sich wie unter Marshmallow. Einzig mit der neuen vollflächigen Einblendung von Benachrichtigungen werde ich nicht warm, aber das liegt eben an Nougat und nicht an Motorola. Ich empfinde das als sehr unübersichtlich und überfüllt. Es ist visuell unruhig, mit zu viel Text übereinander.

Lenovo Moto Z mit Android 7.0 Nougat

Moto Mods

Im Laufe der letzten 8 Wochen hatte ich Gelegenheit das Incipio offGRID Power Pack, den JBL SoundBoost | Speaker und das Hasselblad True Zoom am Gerät ausprobieren zu können. Moto Mods werden magnetisch auf der Rückseite festgehalten und sind dann über Kontakte für Strom und Datenaustausch mit dem Moto Z verbunden. Das hält alles schon Okay beim normalen Benutzen, aber erwartet nicht, dass ein Moto Mod auf der Rückseite haften bleibt, wenn euch das Moto Z mal aus den Händen gleitet. Zum Beispiel passiert weder dem Power Pack noch dem Moto Z (dank dem mitgelieferten Bumper) dabei groß etwas. Man muss es eben wieder zusammenstecken. Für euch getestet. Drei Mal.

Moto Z - Kontakte

Um es gleich vorwegzunehmen: Das Power Pack war quasi dauerhaft auf der Rückseite des Moto Z installiert, denn es ist superpraktisch. Es ist einfach genau das, was man mit Akkuhüllen sonst auch tut – die Lebensdauer des integrierten Akkus verlängern. Im Effizienzmodus lädt das Power Pack den internen Akku immer auf 80 % seiner Gesamtkapazität. Damit hält der Akku des Moto Mod länger, als wenn dieser versucht, den Telefonakku bei 100% zu halten.

Moto Z Moto Mods

Mit seinen zusätzlichen 2.220 mAh kann man die Laufzeit mit einer Ladung fast verdoppeln und ich konnte auf das Mitführen eines externen Akkupacks komplett verzichten. Gepaart mit dem schnellen Aufladen durch TurboPower, rennt man hier eigentlich nie in Probleme. Mit dem offGRID Power Pack von Incipio hält das Moto Z im Extremfall (ohne zwischenzeitliches Laden) 40 bis 44 Stunden durch. Dabei überbrückte es zwei Schlafphasen und ging bei 15% in den Stromsparmodus.

Moto Mods Incipio offGRID Power Pack Black

Was total Banane ist, ist die Ladestandsanzeige auf der Innenseite des Mods. Klar, ist der gerade mal nicht am Moto Z, kann man so schnell sehen, wie es um die Ladung steht. Da man es zum Laden aber sowieso anstecken muss (er kann nicht separat geladen werden), ist deren Nützlichkeit doch stark eingeschränkt. Man sieht die Ladung des Moto Mods immer neben der des Telefons in den Schnelleinstellungen. Das offGRID gibt es sowohl in schwarz als auch in weiß (80 Euro) und optional auch mit Qi/PMA-Ladespule für kabelloses Laden.

Moto Z und Moto Mod Incipio offGRID PowerPack Moto Mod Incipio offGRID PowerPack

Der aufsteckbare Lautsprecher von JBL, der „SoundBoost„, übernimmt die Funktion von Bluetoothlautsprechern, funktioniert aber eben auch ausschließlich mit Smartphones, die die Moto-Mods-Plattform anbieten. Er hat eine eigene Stromversorgung und so belastet Audio nicht den Akku des Telefons. Die 1.000 mAh halten ca. 10 Stunden.

Moto Mods JBL SoundBoost Moto Mods JBL SoundBoost

Klingen tut das natürlich um Längen besser als der in die Hörmuschel integrierte, nach vorn gerichtete Lautsprecher des Telefons. Ob einem diese Bindung über 90 Euro wert ist, muss man selbst entscheiden, an der Soundqualität ist bei der Größe nichts auszusetzen.

Moto Mods JBL SoundBoost Black

Das wohl kontroverseste Mod kommt dann auch am Ende. Das Hasselblad True Zoom ersetzt die interne Kamera das Moto Z und bringt ein 10-fach-Zoomobjektiv mit. Ganz im Geiste anderer Linsenkameras zum Aufstecken, wird das Mod durch die ganz normale Kamera-App bedient. Auch hier gilt: Dieses Modul funktioniert einzig aufgesteckt auf das Moto Z oder Moto Z Play. Linsenkameras, wie die von Sony, verbinden sich meist via WLAN mit dem Smartphone. Der Vorteil ist hier die lagfreie, weil feste Verbindung und die Vertrautheit der leicht angepassten Foto-App, die das Teilen von Fotos erleichtert.

Moto Mods Hasselblad True Zoom

Für 300 Euro bekommt man aber auch die ein oder andere kompakte Digitalkamera, die man, unabhängig von einem Telefon, benutzen kann. Der einzige Vorteil des True Zoom ist dann schlussendlich, dass die damit geschossenen Fotos, sofort digital im Moto Z zur Weiterverarbeitung und zum Teilen vorliegen. Das True Zoom kommt mit zwei Mikrofonen, einem Fokushilfslicht für dunkle Umgebungen und einem Xenonblitz.

Leider wird es mit zunehmender Zoomstufe sehr instabil und man müsste es irgendwo ruckelfrei abstellen. Ein Stativgewinde sucht man allerdings vergebens. Außerdem ist der Autofokus bei weniger guten Lichtverhältnissen nicht sehr berühmt. Der Laser-AF der eingebauten Kamera ist für nahe Motive jedenfalls um Längen besser. Man bekommt schon gute Fotos damit hin – die integrierte Kamera ist aber lichtstärker und hat auch ein Megapixel mehr. Hier ein paar Testfotos der „HB 4116“:

Was diese nüchternen Beschreibungen nicht richtig erfassen ist, wie viel Spaß es macht, mit den Mods zu hantieren. Schon während des IFA-Gesprächs konnte ich kaum meine Finger von ihnen lassen. Der magnetische Verschluss hat etwas sehr Befriedigendes. Des Weiteren gibt es – ganz in der Lenovotradition – einen aufsteckbaren Minibeamer, den Moto Insta-Share Projector ab 347,53 Euro (349 Euro EVP).

Moto Z - Insta-Share Projector Mod

Lenovo steht auch definitiv zu seinem Produkt und der Moto-Mods-Plattform. Nicht nur wurde mir während der IFA versichert, dass mindestens die nächsten zwei Moto-Z-Generationen zu Moto Mods kompatibel bleiben, Lenovo tut auch tatsächlich aktiv etwas, um Ideen für die Plattform zu sammeln. Derweil haben Incipio und Mophie neue Mods für die Plattform angekündigt. Mophies Akku wird sich auch separat laden lassen.

Fazit

Will man das? Braucht man das? Sicher gibt es für alles andere, vorhandene Lösungen, die auch besser sein können. Hat man allerdings nur ein Moto Z und möchte auch dabei bleiben, spielt es auch keine Rolle, dass der Speaker nur mit dem Moto Z funktioniert. Wechselt man oft das Gerät und den Hersteller, ist das vielleicht nicht die beste Wahl. Für mich persönlich stimmt hier einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis noch nicht. Klar, ein Zusatzakku kostet auch Geld. Der hat aber i. d. R. die 10-fache Kapazität und ein Drittel des Preises. Speaker gibt es wie Sand am Meer und in jeder Preisklasse. JBL selbst hat einen vergleichbaren Bluetoothspeaker für 25 Euro im Programm. Zu der Hasselblad True Zoom habe ich ja oben schon was gesagt. Man bezahlt hier sowohl die Entwicklungskosten als auch die Bequemlichkeit der magnetischen Halterung. Man muss aber eben auch keine extra Kabel mitführen, oder mit Bluetooth Strom verbrauchen.

Preise

Es stehen sechs verschiedene Style Shells zur Verfügung. Drei Holzsorten, schwarzes Leder, rotes „ballistisches“ Nylon und schwarzes Nylon im Fischgrätenmuster, das ihr hier auch auf den Bildern seht, sind möglich. Der Retailvariante liegt dieses bei. Die beiden Textilshells kosten je 20 Euro, die Holz- und Ledervarianten je 27 Euro.

Moto Z Style Shells

Das Moto Z kostet bei Motorola ab 698,99 Euro (EVP). Derzeit erhält man hier (Aktion) das Moto Mod JBL SoundBoost kostenlos dazu. Dessen Einzelpreis beträgt derzeit zwischen 94,43 Euro bis 99,00 Euro (EVP). Bei anderen Händlern im Netz ist das Moto Z zwischen 605 Euro und 610 Euro zu haben.

weiterführender Link: Motorola

Michael S.
Folgt mir 🙂

Michael S.

Bloggt über Technik und kritisiert andernorts Filme. Versucht das Wesentliche vom Unsinn zu trennen und ist passionierter Burgerfotograf.
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www.stattrandgedanken.de

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