Nexus 4: Neun Wochen Lieferzeit oder wie Google Kunden vergrault [Kommentar]

Man stelle sich einen Discounter vor, nennen wir ihn mal Aldoogi. Dieser Discounter hat einen Plan: er möchte sein Produkt an möglichst viele Kunden verkaufen und damit das gelingt, subventioniert er das Produkt so stark, dass man de facto von einer Wettbewerbsverzerrung sprechen kann. Ob Aldoogi dabei drauflegt oder nicht, das spielt keine Rolle, denn was zählt ist die Menge an Geräten, die am Ende unters Volks gebracht wird. Verkauft werden die Geräte ausschließlich im Store des Discounters, vor dem tagtäglich tausende Menschen Schlange stehen. Dumm nur, dass die einzige Eingangstür nur einen Meter breit ist und ab und zu die Elektronik ausfällt – die Tür sich also gar nicht erst öffnet. Manchmal schafft es trotzdem ein Kunde durch die Tür, kommt aber gar nicht erst zu den Geräten, da ihn eine Falltür wieder aus dem Store befördert.

Was die wartenden Kunden nicht wissen: in der hintersten Ecke des Stores liegen ohnehin nur fünf Exemplare des Produkts. Selbst wenn der Hürdenlauf zum Regal mit den Produkten gelingt, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass man sich mit einem “Sold out”-Schild konfrontiert sieht. Dann heißt es weitere neun Wochen warten.

Oder man kauft eben doch ein anderes Produkt von einem anderen Hersteller – verlockender Preis hin oder her. Und so verlassen schon jetzt die Ersten die Schlange vor dem Store von unserem Discounter.

Bleibt die Frage, was man aus all dem lernen kann. Nach dem ersten Ansturm hätte man vielleicht die Tür vergrößern und die Elektronik verbessern können, um so für die zweite Welle besser gewappnet zu sein. Man hat aber nicht gelernt, oder wollte nicht lernen. Alternativ hätte man den Kunden eine Lösung anbieten können, anstatt ihnen das beliebte “Sold out”-Schild vor die Nase zu setzen und sie so zu zwingen, regelmäßig wieder vorbeizuschauen und auf heißen Kohlen zu sitzen. Wer heute unseren Discounter besucht, wird allerdings keine Erklärung finden, nur das Schild.

Aldoogi kann nur hoffen, dass die “Geiz ist Geil”-Mentalität die Unzufriedenheit und Enttäuschung der Kunden überwiegt. Die Tatsache, dass der Discounter Kunden in seinem Herkunftsland bevorzugt behandelt, trägt jedenfalls nicht dazu bei.

Frank Feil

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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