Open Graph: Zuckerberg will das Internet zu einem großen Facebook machen

facebook f8

Auf Facebooks f8 Konferenz eröffnete sich ein Szenario, mit dem ich in der Tragweite nicht gerechnet hätte. Erste Anzeichen hatten sich in den Letzten Tagen allerdings bereits abgezeichnet. Denn Facebook bereitet sich vor, sein soziales Netzwerk auf das ganze Web auszuweiten.

Viele Blogs und Websites besitzen Plug-Ins, die auf ihre Facebook-Fanseite (wir auch), verlinken. Seit gestern ist plötzlich der Button „Gefällt mir“ im Facebook Plug-In dazugekommen. Das war nur der Anfang. In Zukunft kommen Auto-Login-Fähigkeiten und auch eine soziale Suchleiste hinzu, wie es sie schon von Meebo gibt. Damit ist es möglich den Facebook-Chat zu nutzen, ohne auf der Facebook-Website zu sein.

Zuckerberg fasste diese Entwicklung mir einem Satz zusammen:

“We Are Building A Web Where The Default Is Social.”

Facebook bewerkstelligt dies, indem sie in erster Linie ihre Schnittstellen für Entwickler so weit geöffnet haben, dass diese nicht nur die Verbindungen zwischen Facebook-Mitgliedern sehen können, sondern auch deren Interessen (Dinge, Orte, Marken, etc.), die sie auf Facebook und anderen Websites angegeben haben. Zuckerberg nennt diese Entwicklung den „Open Graph“.

Mit dem Open Graph wird Facebook-Connect abgelöst. Damit konnte man sich auf Partner-Websites einloggen, ohne sich wiederum auf der jeweiligen Seite neu registrieren zu müssen. Mithilfe dieser Vernetzung war es Facebook außerdem möglich, die Interessen und Vernetzungen seiner Mitglieder (den sogenannten Social Graph) außerhalb Facebooks  zu verfolgen. Klingt praktisch, ist es auch. Alternative Dienste wie OAuth und OpenID machen ziemlich das gleiche. Nun will Zuckerberg mit seinem Open Graph allerdings einen Schritt weiter gehen: Wenn ich durchs Web surfe und auf einer Website den Link „Like“ anklicke, geht diese Information an den Open Graph. Diese gesammelten Informationen von mir und meinen Freunden landen zum Beispiel bei Yelp (so etwas wie Qype). Die Daten werden nun ausgewertet, sodass ich beim nächsten Yelp-Besuch eine Liste an Empfehlungen erhalte, die an meine Interessen und die meiner Freunde angepasst sind. Facebook will damit die sozialen Beziehungen und Interessen von Menschen für bestimmte Dinge miteinander webweit vernetzen. Sogar einzelne Bücher, die Freunde mögen, könnten so beispielsweise in Zukunft auf Amazon mit einem „Like“-Button versehen werden – und man könnte auf Amazon sehen, welche von den Facebook-Freunden das Buch bereits gelesen haben.

Bret Taylor, Facebooks Produkt Chef, fasste es so zusammen:

“You can represent any real-world object on the Internet using this open graph protocol. […]The web has been connected by hyperlinks, between static pages of content. We think that connections between people is more important.”

Facebook beabsichtigt die Aktivitäten der Freunde auf allen vernetzten Seiten transparent zu machen. Durch sogenannte Activity Streams wird angezeigt werden, was Deine Freunde auf der Seite gemacht haben, die du gerade besuchst. Auf solchen externen Seite wird zudem zu sehen sein, welcher deiner Freunde bereits Fan geworden ist. Für Websites könnte Facebook daher wohl in Zukunft ein Dreh- und Angelpunkt werden. Denn persönliche Empfehlungen sind die beste Werbung, die eine Seite haben kann. Je mehr Fans eine Seite hat, desto erfolgreicher könnte sie daher wohl sein. Je mehr deiner Freunde ein bestimmtes Restaurant besucht haben, desto größer ist die Chance, dass man es selbst mal ausprobiert.

Alles schön und gut, für eine große Vernetzung und Individualisierung der eigenen Webwelt, nach den eigenen Interessen ist gesorgt. Doch was ist mit dem Aspekt der Privatsphäre, die ohnehin ein großes Problem bei Facebook ist? Wie es erscheint, wird man durch die Mitgliedschaft bei Facebook automatisch ein Teil des neuen Systems, in dem nicht nur die Privatsphäre auf Facebook ein Problem darstellt, sondern im ganzen Web. Hier hätte ich gerne als User die Möglichkeit, nicht gleich ein Teil des ganzen zu sein. Stattdessen möchte ich mich selbst entscheiden, ob ich daran teilnehmen möchte oder nicht. Daher, Mr. Zuckerberg, wäre es gut alle Mitglieder von Facebook über diese Neuerungen zu Informieren. Außerdem sollte es einen Opt-In Button geben, damit sie für sich selbst entscheiden können, ob sie an diesem irren Projekt teilnehmen möchten oder nicht.

[via TechCrunch, und Venturebeat ]