Smart Home: Withings Body Cardio Waage ausprobiert

Das Aufnehmen und Abspeichern von Gesundheitsdaten jenseits der analogen Patientenakte wird von den Medien nach wie als besonders kritisch eingestuft. Handelt es sich dabei doch um das Persönlichste, was man von sich preisgeben kann. Zu den Geräten, die Gesundheitsdaten erfassen gehört auch das Testgerät des heutigen Artikels – die smarte Waage Withings Body Cardio.

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Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und auch die wird wieder ein paar Gramm zu viel auf den Hüften hinterlassen. Und eh man sich versieht denkt man sich wieder gute Vorsätze für 2017 aus. Bei vielen wird das wieder in Richtung Sport und Gewichtsabnahme gehen. Dieses Ziel will man dann aber etwas interessanter gestalten.

Also was tun? Der gadget-verliebte Mensch schaut sich nach Technologie um, die diesen Prozess fördern kann. Die Withings Body Cardio ist nicht einfach nur eine Waage, die euer Gewicht messen kann. Der Hersteller hat diverse Sensoren und Zusatzfunktionen in dem Gerät versteckt, zu denen das Errechnen des Body-Mass-Index und die Messung von Körperfett, Körperwasser, Muskel- & Skelettmasse, Herzfrequenz, Luftqualität (CO2 Gehalt) und der Temperatur gehört. Als besonders Features setzt Withings mit der Messung der Pulswellengeschwindigkeit noch einen drauf. Alle diese Daten nimmt die drahtlose und smarte Waage von Withings auf und schickt sie an euren Withings Account.

Gewicht
Vier Gewichtssensoren
Körperpositionserkennung zum Patent angemeldet
Hochpräzises Wiegen

Körperfettanteil
Bioelektrische Impedanzanalyse
Athleten-Modus und Normalmodus
Einheiten: Körperfett in %, gesamter Wasseranteil in %, Muskelmasse in kg, Knochenmasse in kg

Herzfrequenz
Technologie der Herzfrequenzmessung zum Patent angemeldet
Einheit: BPM (Herzschläge pro Minute)

Pulswellengeschwindigkeit
Messtechnologie zum Patent angemeldet
Einheit: m/s
Normalgewicht

Automatische Benutzererkennung
Bis zu acht verschiedene Benutzer

Doch kommen wir zuerst zu dem Gerät an sich. An der Verarbeitung und den Materialien kann man überhaupt nicht meckern. Withings hat sich hier für Aluminium und Glas entschieden und auch vom Design her keinen streitbaren Fehler gemacht. Das mir vorliegende Testgerät ist das Modell in schwarz. Das Teil ist natürlich schon allein mit der großen Glasoberfläche ein Staub und Fettmagnet. Eigentlich müsste man das Gerät nach jedem Wiegen putzen, wenn man wirklich pedantisch ist.

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Die Einrichtung der Withings Body Cardio Waage ist ein wirkliches Kinderspiel. Ihr drückt den Button neben dem microUSB Anschluss zum Laden des Gerätes für ca. 3s. Danach geht es direkt in die App.

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Die App leitet euch dabei ordentlich an. Am Ende des Einrichtungsprozesses möchte die App von euch noch wissen, was euer Zielgewicht ist und wieviel ihr pro Woche denn genau abnehmen möchtet. Danach könnt ihr das Gerät im Prinzip wie jede andere Waage auch verwenden.

Sollte sich mal jemand anderes auf die Body Cardio stellen, dann ist das selbstverständlich auch kein Problem. Das Gerät kann zwischen acht verschiedenen Personen unterscheiden. Somit sollte selbst eine Großfamilie mit dieser Waage klar kommen.

Health Mate - Schrittzähler & Lebens-Coach
Health Mate
Entwickler: Withings
Preis: Kostenlos

Die Health Mate App (inkl. Apple Watch Kompanion) visualisiert nicht nur eure Körperdaten in nett aufbereiteten Dashboards oder Grafiken (die manchmal etwas unordentlich sind), sie möchte euch auch motivieren. Ihr habt die Möglichkeit verschiedene Abzeichen zu verdienen, indem ihr bestimmte Ziele erreicht, wie bspw. die 10.000 Schritte an einem Tag zu schaffen.

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Ein vierblättriges Kleeblatt innerhalb des Programms zeigt außerdem vier Bereiche an, die für euch besonders wichtig sind: Gewicht, Aktivität, Herz und Schlag. Wer möchte, kann diese Daten auch auf sozialen Netzwerken teilen, oder Freunde dazu einladen die Daten gegenseitig einzusehen. Dadurch entsteht ein kleiner Wettbewerb, wer mehr Schritte zurückgelegt hat. Nett ist die Sicherungsmöglichkeit der Daten über PIN oder Touch ID.

Das Programm kann auch mit diversen Plattformen, wie MyFitnessPal, Apple Health etc. reden. Ihr könnt also beispielsweise direkt aus dem Programm von Withings in die MyFitnessPal App springen und eure Kalorien pflegen.

Die Sache mit der Herzgesundheit

Die eigentliche Besondersheit ist die spezielle Funktion zur Kontrolle der Herzgesundheit und Herzaktivität. Dabei misst Body Cardio neben dem Puls auch die sogenannte Pulswellengeschwindigkeit, welche ein Kriterium zur Beurteilung des Herzens ist.

Die Pulswellengeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit, mit der die Druckwelle die Arterien eines Organismus durchläuft. Diese Geschwindigkeit ist höher als die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes.

Aufgrund der unterschiedlichen Wandstruktur der Arterien variiert die Pulswellengeschwindigkeit. In der Aorta beträgt sie aufgrund der Elastizität dieses Blutgefäßes 4 bis 6 m/s. In der Peripherie, also z. B. den Extremitäten, steigt sie aufgrund der relativ starren Gefäßwände (Anstieg des Elastizitätsmoduls) und der kleineren Lumina bei gleichzeitiger Zunahme der Wanddicke auf Werte zwischen 8 und 12 m/s an. Durch Umbauvorgänge während des Alterns wird v. a. in elastischen Arterien wie der Aorta elastisches Bindegewebe durch kollagenes Bindegewebe ersetzt, ein Vorgang, der ebenfalls eine erhöhte Pulswellengeschwindigkeit zur Folge hat. Beim Krankheitsbild der Arteriosklerose ist die Pulswellengeschwindigkeit aufgrund der Ablagerung von Substanzen an den Wänden der Blutgefäße und dem damit einhergehenden Elastizitätsverlust ebenfalls erhöht.

Ist der Wert besonders hoch, hat man eventuell Bluthochdruck oder ein aterielles Problem. Wenn ihr euch also auf die schlanke Waage stellt, wird anhand eures Alters und der Zeit, die benötigt wird um Blut vom Herzen bis in die Füße zu pumpen die Geschwindigkeit errechnet. Die Daten werden wie üblich relativ hübsch in der Withings Health Mate App aufbereitet.

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Die Messung funktioniert aber nicht direkt beim ersten Mal. Insgesamt fünf verschiedene Messungen braucht es, bis die Waage eure Herzgesundheit anhand der Pulswellengeschwindigkeit errechnen kann.

Wichtig: Es ist gut und nützlich, wenn man solche Messungen Zuhause durchführen kann. Diese sollten aber lediglich ein Anlass sein, um weiterführende Untersuchungen bei dem Arzt eures Vertrauens durchführen zu lassen. Eine eigenmächtig durchgeführte und auf diesen Messungen begründete Behandlung mit gekauften Medikamenten kann auch nach hinten losgehen!

Fazit zur Withings Body Cardio Waage

Die Withings Body Cardio Waage ist nicht nur gut verarbeitet, sondern ist auch schnell einsatzbereit. Die Einrichtung mit der App könnte nicht einfacher sein und auch die Messungen sind ziemlich genau. Über die Körperfettmessungen solcher Waagen kann man natürlich immer streiten, obwohl der Otto-Normal-Verbraucher zumindest eine guten Eindruck bekommt, inwieweit sich der Wert über die Zeit verändert. Mit einer Unterscheidung von bis zu 8 Personen können selbst größere Familien locker mit dem Gerät arbeiten und die Personenerkennung funktionierte im Test auch prima.

Selbst bei schwachem WLAN schafft es die Waage noch die Daten zu synchronisieren. Sollte jedoch mal kein WLAN Netz erreichbar sein, könnt ihr die Daten auch mittels Bluetooth direkt auf das iPhone/Android Gerät holen.

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Die Begleiter App ist nett aufbereitet, auch wenn die Timeline manchmal etwas durcheinander aussieht. Die Anbindung von Partner-Portalen ist außerdem eine feine Sache. Wenn Withings hier noch etwas nachbessert, gibt es keine Beanstandungen mehr.

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Die Withings Body Cardio ist keine gewöhnliche Waage. Jeder sollte sich vor dem Kauf die Frage stellen, ob man die Aufzeichnung von Herzfrequenz, Pulswellengeschwindigkeit, Körperfett, Lufttemperatur und und und wirklich braucht. Für technikaffine Menschen wie mich, ist das Gerät jedenfalls eine nette Spielerei mit dem nützlichen Vorteil der Körperdatenmessung. Aktuell müsst ihr aber 180€ auf den Ladentisch legen, um das gute Stück euer Eigen nennen zu dürfen. Das könnte für viele etwas zu teuer sein…

 

Vielen Dank an Withings für die Bereitstellung des Gerätes.

Olli
Folgt mir ^^

Olli

Ist beruflich im SAP Geschäft tätig, seit 2015 nach langer Pause aber wieder in der Blogosphäre unterwegs. Hat eine attestierte „Technik-Macke“ mit einer Vorliebe für Apple-Produkte.
Olli
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Veröffentlicht von

www.stereopoly.de

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