Social Media News Charts 10000 Flies – Qualität, wo keine ist

10000
Als ich mir die „Über“ Seite der neuen Social Media Charts 10000 Flies durchlas, war ich recht optimistisch, was diesen neuen Dienst betrifft. Charts gibt es wie Sand am Meer, aber wirklich gute Charts, bei denen man auch intelligente und interessante Artikel findet, sind eher seltener. Rivva war damals mal ein gutes Tool, um interessante Artikel zu finden. Nach einem holprigen Aus und Comeback dümpelt dieser Dienst aber in Richtung Bedeutungslosigkeit. Bei 10000Flies sollte es anders sein. In ihrer Philosophie heißt es wie folgt:

Das sind zwar ab und zu auch trashige, lustige oder abseitige Themen, oft aber auch anspruchsvolle Artikel. […] Medien mit eigenen Inhalten werden womöglich öfter bei 10000 Flies zu finden sein, als solche, die vornehmlich austauschbare Agenturmeldungen weiter verbreiten. So kann 10000 Flies im Gegensatz zu reinen Klickzahlen auch ein kleiner Gradmesser für Qualität sein.

Soweit so gut also. Qualitativ hochwertig Artikel und dazu auch ein paar trashige Themen. Das klingt nach einem Mix, der mir sehr gefallen würde. Die aktuellen Charts ließen mich dann aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurückfallen. Wenn ich etwas in den Charts sehe, dann ist es auffällig viel Springer-Spresse. Welt Online, Bild – alles Seiten, die ich nicht in einem Satz mit Qualität nennen würde. Eher mit menschenunwürdiger Berichterstattung ohne Recherchehintergund.

springer

 

Auch auf den meisten weiteren Plätzen sehen wir fast ausschließlich die großen Medien. Spiegel Online hat zwar seine Berechtigung, die Qualität ist hier aber auch sehr stark vom jeweiligen Autor abhängig.

Auch die Seite „Promiflash“ ist in den Charts vorhanden. Wer Promiflash nicht kennt – mir sind sie (negativ) aufgefallen, als sie zu Dirk Bachs Tod Werbung schalteten, die dazu aufrief, dass man die Promiflash-Seite liken solle, wenn man über Bachs Tod traurig sei. Das ist auf so vielen Ebenen unethisch, falsch und geschmacklos gewesen, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen, wenn ich nur den Namen dieser Seite höre oder lese.

promi

10000Flies mag also ein Tool sein, mit dem man messen und darstellen kann, welche Artikel gerade vermehrt in sozialen Netzwerken die Runde machen. Den Begriff „Qualität“ sollte man sich nicht auf die Fahnen schrieben, solang man Quellen wie Bild als Bestandteil der Erhebung zu Rate zieht.

Die Auswahl der Quellen wurde durch das Team vorgenommen. Die Anzahl der Quellen bewegt sich in einem vierstelligen Bereich und wird ständig ergänzt. Eigene Quellen kann man ebenfalls vorschlagen, aber es werden laut der Erklärung auf der Seite nicht alle Quellen angenommen.

Danach errechnet die Seite die Charts anhand der API von Twitter, Facebook und Google Plus und ändert die Gewichtung danach, wie oft ein Artikel geteilt und bewertet wurde.

Vielleicht mausert sich 10000Flies noch und verfeinert die Auswertung der jeweiligen Quellen beziehungsweise man überdenkt seine Quellenwahl. Solang ich allerdings Boulevard-Schund darin sehen muss, kann ich diesen Dienst nicht ernst nehmen.

Wenn ihr euch ein eigenes Urteil bilden wollt, findet ihr den Link zur Seite hier: http://www.10000flies.de/

Ein Fazit, das man nach dem Durchschauen dieser Charts auf jeden Fall ziehen kann ist: Was für Mist wird eigentlich in den Netzwerken geteilt?

Was haltet ihr von dem Dienst. Ich würde mich über eure persönliche Meinung sehr freuen. Teilt ihr meine Meinung oder seid ihr der Ansicht, dass auch die Bild qualitativ hochwertige Artikel veröffentlichen kann?

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und ich dachte, insb. als Blogger sei man über die ewig gleiche dämliche Relevanzdebatte mittlerweile hinaus …
    „Was für ein Mist wird eigentlich geteilt“ – meine Güte, das was Menschen halt lesen. Ich finde es immer wieder befremdlich, wie elitär so mancher sich in den „gehobenen Netzkreisen“ bewegt, weil er meint seine Filterblase voller Tech-, Nerd- und Politik-Themen sei das Rad der Welt … Schau Dir die Magazin an Kiosken an, schau ins Fernsehen, hör Radio – darüber darf man sich aufregen, aber dabei offenbart man doch eine mächtig herablassende Art …

    Natürlich wundere ich mich auch über die Abverkäufe von Andrea Berg und denk mir: „Wer kauft das“, wer schaut das, wer hört das? Aber Hey, Leute tun das – ich muss mich nicht mit denen über Andrea unterhalten, aber ich kann damit leben, dass sie es tun. Ich reg mich auch nicht darüber auf, dass 90% des ehelichen Geschlechtsverkehrs in deutschen Wohnungen in der Missionarsstellung ablaufen, während ich Löffelchen (oder was auch immer) bevorzuge … Das gibt es, ich leb damit und Ende. Ich finde 1000 Flies genau deshalb unheimlich spannend, weil es uns aus diesem Mikrokosmos der elitären Wahrnehmung rausholt und mal zeigt, was wirklich im Netz geteilt wird – das finde ich durchaus erhellend.

    „Relevanz, Relevanz – ich hab den läng’ren …“ 😉

    • Den Begriff der Qualität habe nicht ich in den Raum geworfen, sondern der Dienst selbst. Und welche Stellungen beim Sex du bevorzugst, interessiert mir eigentlich nicht sonderlich.

      • Aber genau darum geht es ja – entweder es interessiert oder nicht, das hat aber nichts mit der „Qualität“ des Dienstes zu tun, der ist nämlich wertungsfrei. Dann bleibt am Ende eben nur Deine Kritik am Geschmack der Masse … und der ist nun nicht neu.

  2. Pingback: Der tägliche Social Media Trendchart | Reizwort

  3. Es würde ja schon viel helfen, alle kommerziellen Kanäle von Profi-Redaktionen rauszufiltern, um erstmal an die erfolgreichsten Beiträge tatsächlicher Blogs ranzukommen.

    @Thomas
    Der Mist wird ja v.a. geteilt, weil die Verlage, die ihr Altpapier verkaufen müssen, damit ihre Auflage hochtreiben. Nur weil Semi-Promi-Lebensdetails für manche Menschen, aus mir unerfindlichen Gründen, interessant sein mögen, heißt das doch nicht, dass die Verbreitung noch gefördert und der Schwachsinn weiter geschleudert werden muss.

    Rivva ist ja gerade deswegen so interessant, weil vergleichsweise wenig Mainstream drin auftaucht. Es ist nur leider zu leicht zu überfluten.

    Vielleicht war meine erste Assoziation bei dem Projektnamen auch gar nicht so verkehrt:
    „Esst mehr Scheiße! Millionen von Fliegen können sich nicht irren.“

    Ohne Filtermöglichkeiten sieht es für mich zumindest danach aus. Da troll ich mich doch lieber wieder in meinen Elfenbeinturm zurück. 🙂 Mainstream war noch nie so meins.

  4. Pingback: “10000 Flies”: Die Social-Media-Rangliste « Timo Niemeier, Online-Journalist

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