Sony Music: Gesperrte Videos auf YouTube machen uns unser Geschäft kaputt [Kommentar]


Sony Music nervt anscheinend etwas, das uns schon lange nervt: Gesperrte Musikvideos auf YouTube. Sony geht sogar noch einen Schritt weiter und bestätigt das, was Kritiker schon lang als Argument hervorbringen: Gesperrte Videos schaden dem Musikgeschäft. Man spricht von Millionenverlusten durch GEMA-Sperren auf YouTube.

Aber wer ist eigentlich Schuld? Die GEMA bestreitet, an den Sperren Schuld zu sein. Google soll sie angeblich als Druckmittel einsetzen, um die Nutzer gegen die GEMA aufzuhetzen, um in einer besseren Verhandlungsposition zu sein. Google hingegen sagt, dass Lieder dank eines digitalen Fingerabdrucks zugeordnet werden können und allein der Rechteinhaber entscheidet, was danach mit dem Video passiert.  Was genau zwischen YouTube und der GEMA derzeit verhandelt wird, wissen nur die beiden und ihre Aussagen sind meist sehr gegensätzlich.

Dass YouTube Videos nicht nach Beschwerde des Rechteinhabers sperrt, sondern durch mangelhafte Filter, ist unbestritten. Mehrere YouTuber beschwerten sich bereits, dass Videos gesperrt wurden, auch wenn sie selbstkomponierte oder lizenzfreie Musik enthielten. Der letzte bekannte Fall der Aufsehen erregte, war das ACTA-Video von Bruno Kramm, das mit einem GEMA-Verweis gesperrt wurde, obwohl sämtliche Vertonungen von ihm selbst angefertigt und unter eine Creative Commons Lizenz gestellt wurden.

Er selbst sieht als Musiker und Produzent in der GEMA eine Kulturbremse, deren Handlungen nicht nur die Kreativität behindern, sondern die komplette Branche des digitalen Musikhandels durch ihre veralteten Ansichten und Modelle, nachhaltig beschädigt haben.

Dass der Streit zwischen der GEMA und YouTube aber nicht nur Musikern schadet sondern auch den Labels, bestätigt mit Sony Music eins der größten Major-Label mit einem Marktanteil von 25 Prozent. Edgar Berger CEO von Sony Music (außerhalb der USA) sieht Deutschland als digitales Entwicklungsland. Zusammen mit Universal Chef Frank Briegmann sprach er sich schon im letzten Sommer für eine Einigung der GEMA und YouTube aus und befürwortete auch ein steigendes Angebot für On-Demand-Streaming-Angebote in Deutschland.

Nach der aktuellen Vergütungstabelle der GEMA sind solche Musikportale in Deutschland aber nicht profitabel. Für Lieder aus dem GEMA Repertoire bei einer Länge bis 5 Minuten werden pro Aufruf 1,2 Cent fällig. Nicht unbedingt viel, mag man meinen, aber dieser Betrag lässt sich nicht mit Werbung gegenfinanzieren. Schaut man sich Aufrufe beliebter und bekannter Musikvideos auf Youtube an, kann man sich nur ansatzweise vorstellen, wie viel Google tatsächlich zahlen müsste. YouTube würde zu einem Verlustgeschäft werden und Musikvideos für deutsche Nutzer komplett aus dem Netz verschwinden.

Am Ende leidet die Musikbranche und damit jeder einzelne Künstler darunter noch mehr als durch Raubkopien oder Filesharing, denn wenn man sich mit den Interessen der GEMA weiter einen Markt kaputt verhandelt und Künstlern die Möglichkeit nimmt, das Internet als Werbeplattform nutzen zu können, wird Deutschland Entwicklungsland der digitalen Musik bleiben. Nicht nur das, der Markt wird den illegalen Angeboten komplett überlassen.

Das ist weder im Interesse der Musiker, der Labels oder der Nutzer. Das ist nicht mal im Interesse der GEMA. Doch bei der GEMA denkt man leider nicht weiter und nicht an die Konsequenzen. Dem Auftrag, die Interessen der Künstler zu vertreten, kommt man allerdings so nicht nach.

– via Kraftfuttermischwerk | Foto: Some rights reserved by Pete Prodoehl –

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Also ich hab wenig Probleme damit..ProTube leistet hier sehr gute Arbeit. Bisher hatte ich nur ein Viedo, was sowohl in Dtl als auch in den USA gesperrt war.

    • Das ändert aber nichts an dem Problem, dass die Videos gesperrt bleiben. Nur weil man etwas umgehen kann, ist das Problem ja nicht behoben.

    • Das Problem ist aber, wenn man kein iDevice hat… ich hol mir doch nicht eins, nur um mir die gesperrten Videos auf Youtube ansehen zu können…!

      • es existieren plugins für firefox für diese fälle; ebenso bedeutet das einrichten eines proxy servers nur geringen aufwand 😉

  2. Kevin hat recht. Wenn Sony der Ansicht ist, GEMA macht ihnen das Geschäft kaputt, müssen die sich ja nicht drauf einlassen. Prinzipiell ist diese ganze Geschichte nur eine Frage der Lobby, ist ja nicht so als bräuchte man eine Rechtsgrundlage, um so was zu machen – man schaue sich mal den Fall Kim Schmitz an. Sollen wir vielleicht noch sämtliche ISPs dafür verklagen, dass sie nicht deep package inspection machen und alle bösen Verbindungen unterbinden?

  3. Pingback: Die Tage von Google+ sind IMHO nicht gezählt, die von Progonosen über das Sterben von Social Networks aber schon!

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