Als MySpace mit der Internet-Soap »Candy Girls« vergangenes Jahr an den Start ging, machte auch keiner »Hui«. Ganz im Gegenteil: Das Ding ging im Netz unter wie die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt. Warum sollte es nun dem Portal studiVZ gelingen, ein solches Format durchzusetzen? Diese Frage beschäftigt mich seit geraumer Zeit und ich war von Tag 1 an dabei. Ich habe die Pietshow gesehen. Jede einzelne Folge. Von Folge 1 bis zur Aktuellsten, Folge 7. Sie war der letzte Tropfen, der meinem Fass den Boden stahl. Was dabei rauskommt ist dieser Artikel.
Nach einer Folge, in der ich hauptsächlich Musik hören durfte, während man die Hauptdarsteller sieht, wie sie Spaß dabei haben, einen Porno zu synchronisieren, kann ich einfach nicht mehr still halten: Sorry, Grundy UFA, da habt ihr mal übertriebenen Scheiß produziert.
Als ich die ersten Informationen zu der Pietshow bekam, fand ich die Idee interessant und freute mich auf einen Vorreiter des modernen Fernsehens: zielgruppenorientiert und eingebunden in eine millionenstarke Community für bestmögliche Interaktivität. Fernsehen 2.0 sozusagen. Auch Manuel Meimberg, Regisseur der Pietshow, schloss es nicht aus, dass »Nutzer-Kommentare mal die Handlung beeinflussen könnten.« Produzent Jan Marquardt meinte, die Show solle »auf der Plattform und mit der Plattform erzählen«. Ich denke nicht, dass er damit meint, dass Dialoge Werbung für GZSZ und StudiVZ (»5,6 Millionen Mitglieder!« – »Echt? Wow!«) oder RTL und MTV enthalten. Gemeint war das Zusammenwirken der Folgen mit eingestreutem Bonusmaterial und Neugierde weckenden Texten auf den Profilseiten der Charaktere.
Um auch dem Letzten unter euch die Hoffnung auf Realität zu nehmen: Alle 15 Folgen wurden an einem Stück abgedreht und die Charakter-Profile wurden von Online-Redakteuren angelegt.
Jede Folge erwirkt bei mir ein »Was soll das?« und darauf zielt man scheinbar ab. Ich soll mitfiebern, mitdenken. Die Pietshow ist sozusagen einseitig interaktiv. Aber damit schießt die Grundy UFA nicht übers Ziel hinaus sondern am Ziel vorbei. Spätestens nach der dritten Folge war auch mir klar, dass diese offenen Fragen offen bleiben. Und selbst wenn sie am Staffel-Ende -wenn ich diesen Begriff überhaupt verwenden sollte, denn hiermit setze ich die Pietshow auf die Ebene intelligenter TV-Produktionen- erklärt werden, bleibt diese Art von Dramaturgie schlicht peinlich.
Man will Studenten erreichen, so tun als wäre man einer von ihnen, das Gefühl erzielen, ich könnte schon in der nächsten Folge auftauchen. Entschuldigt mein forsches Auftreten, aber meiner Meinung nach bedarf es hierzu einem professionellerem, durchdachterem Konzept als das der Pietshow. Wahrscheinlich war Marcus Riecke (ehemals CEO bei studiVZ) genau dieser Meinung. Er verließ »auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung« noch vor Start der Pietshow das Unternehmen. Zugegeben: Das ist weit hergeholt, nicht ernst gemeint, und entspricht wohl auch kaum der Realitität. Aber wäre ich Markus Riecke, hätte ich dasselbe aus oben aufgeführtem Grund getan! Und ihr?
Die große PIETSHOW-UMFRAGE



















Erst mal Gratulation zu diesem gelungenen Artikel!
Finde die sprachliche Gestaltung, sowie die inhaltliche Struktur einfach genial.
Zur Pietshow:
Kannte dieses “Projekt” noch nicht, werde jetzt aber mal versuchen mir selbst ein Bild davon zu machen und meine Stimme abzugeben.
Wieviel Zuschauer hat denn die Pietshow? Wahrscheinlich so wenige, dass sie siowieso abgesetzt wird, wenn Du nicht mehr schaust.
Das ist auch ein interessanter Fakt für sich. Beim Start der Pietshow kam die Gruppe auf über 60.000 Mitglieder (zumindest soweit habe ich es mitbekommen) und zwischenzeitlich waren das nur noch ca. 23.000. Jetzt sinds solide 33.000. Gehen wir also davon aus, das von den Millionen Mitgliedern vielleicht aktiv 80.000 Menschen diese Sendung verfolgen, liegen wir nicht verkehrt, oder?
PS: @Bochi Danke für das Lob
Endlich mal einer, der es sagt, wie es ist.. Durch die penetranten Links auf der Startseite fühle ich mich auch jedes Mal genötigt, mal wieder in die Gruppe reinzuschauen, jedes Mal in der Hoffnung, die neue Folge wird irgendwie “besser”..
Danke.
Wie du auch sagst, klang die Idee im Vorhinein ziemlich gut. Mich persönlich hätte es sehr interessiert, zu sehen, wie ein normaler Student nach Berlin wechselt und sich da zurechtfindet, denn privat plane ich einen ähnlichen Wechsel. Aber was im Endeffekt bei der Pietshow rausgekommen ist, unterbietet das meilenweit..
Ich bin außerdem Mitglied in der Gruppe, wie du möglicherweise auch, um die Meinungen der Zuschauer mitverfolgen zu können und es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie jede auch nur leiseste Kritik sofort niedergemacht wird.. In Gruppenforen, die extra für die Negativ-Gestimmten geöffnet wurden (“Ich finds scheiße und langweilig”) kann ja wirklich niemand seine wahre Meinung sagen, weil nicht nur extreme (Hirnwäsche-?) Fans sondern SOGAR die “Schauspieler” selbst ihren Senf dazu geben. Ja, doch sogar bei dem Link zu deinem Artikel kamen blöde Kommentare. Wo soll das alles noch hinführen?
Wenigstens konnte ich hier mal meine Meinung sagen
Vlg Julia
Danke Julia für das Statement. Mich erstaunt die Umfrage ehrlich gesagt ein bisschen und ich bin nicht der Meinung, dass das an “Meinungsmache” durch den vorangehenden Artikel liegt. Erstaunlich, Grundy UFA, oder?
So, ich möchte auch gerne etwas dazu sagen. Wer sich jetzt fragt: “Wer so den Satz beginnt, scheint sich aber berufen zu fühlen” und das tue ich auch. Denn jeder, der Konsument von Web 2.0 ist und auch jeder der Konsument all der Soaps im deutschen Privatfernsehen ist, ist berufen und qualifiziert hierüber zu urteilen.
Gleich zu Anfang möchte ich äußern, dass die Idee stimmt. Eine Soap im Web 2.0 ist ein großartiges Nischen-Produkt und manche möchten behaupten, dies hätte “tatsächlich gefehlt”. Dies spricht zwar entgegen aller Marktforschungen, die entgegnen, das “Konsumentenverhalten vor dem Computer ist komplett anders als am TV und da sich der gemeine Internetbesucher sich für lange Texte nicht am Computer binden lässt, warum sollte er dies für Fernsehen in Form kleiner Filme tun”. Hier möchte ich sagen, dass YouTube nicht umsonst so großen Erfolg hat und deswegen definitiv Potential für ein solches Medium ist.
Auch die Partner stimmen. Jemand Besseren als die Grundy UFA hätte sich das liebe StudiVZ ja kaum schnappen können. Diese sind zwischen ZDF und RTL ja in jedem Sender mit mindestens einer Telenovela oder Soap vertreten und dürften auf diesem Bereich definitiv als qualifiziert bezeichnet werden. Begonnen hat dies ja schließlich schon 1992 mit Gute Zeiten, schlechte Zeiten. 16 Jahre in denen man Zeit hatte, Qualität im eigenen Segment zu erlangen. Dahingestellt sei, ob dieses Ziel erreicht worden ist. Massentauglich und erprobt ist es allemal. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Grundy_UFA_Baleares)
Da kommen also zwei zusammen, die in Deutschland auf ihrem Segment Marktführer sind und planen “The next big thing”, eine Soap im Web 2.0 und da jeder von uns eine dieser Soaps im TV mindestens einmal gesehen hat, dürfte eigentlich klar sein, was die Schemen dieser Unterhaltungsform sind. Spannungsbögen neben noch mehr Spannungsbögen, von Tragik bis hin zu Romanzen. Aber alles in allem mehr oder minder “Ideale”, die dem Zuschauer zum Nacheifern vorgesetzt werden. Auch das haben wir verstanden.
Aber was ist hier? Trashige Videos mit scheinbar dauerbekifftem oder einfach nur unterbelichtetem Hauptprotagonisten, der blonden stupiden und der Verkrampften. Keine Spannungsbögen, scheinbar nur Freestyle in der Geschichts-Gestaltung. Keine Bögen, keine Tragik, keiner Romanze und noch weniger Essenz all dieser Soaps dort draußen. Einst hätte ich behauptet, dies sei vorteilhaft für eine Serie aber das hier ist absolut bodenlos Inhaltsbefreit und gleicht mehr einer Praktikanten-Arbeit einer Berufsschulklasse “Mediendesign Bild/Ton”, als einer Kollaboration zwischen zwei Marktführern.
War das zu erwarten? Ich glaube nicht aber ich bin beruhigt, dass mich aus dieser Sparte keine Überraschung erwartet hat.
Mir scheint, dass die Umfrage ein recht gutes Ergebnis der Realität abbilden kann. Die Pietshow ist so übel gemacht, dass sie einfach nur polarisiern MUSS. Ich persönlich finde sie absolut klasse und würde sie auch als längere Folgen im TV verfolgen. Sie ist klassisch stereotyp und mit einem gewissen Witz versehen … aber scheinbar vielen Leuten zu trashig. Aber zum Glück gibt es so viele gehobene Sendungen, dass niemand gezwungen ist, die Pietshow zu sehen.
….wenn ich kurz vor Klausuren abschalten und einbißchen runterkommen wollte, hab ich mir früher immer diese verdammt blöden Talkshows mit lauter aggressiven Protagonisten reingezogen…
heute kann ich mit der Pietshow wunderbar abschalten, lachen und phantasieren und das wie mit einem Überraschungsei innerhalb weniger Minuten! Es hebt meine Laune an! Und das ist mir das Wichtigste, wenn ich mich entertainen lasse!
Einen Fanblog mit Folgen, Outtakes, Songliste und Presseartikel gibt es hier:
http://pietshow.wordpress.com/
Also normalerweise wird ein “Fan Blog” von Fans gemacht, nicht von den Machern selbst.
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