Telekom-CEO will Google & Co. zur Kasse bitten. Muss die Netzneutralität dran glauben?

Telekom

Der Telekom sind über die Jahre nicht nur die Kunden davon gelaufen, auch die Entwicklung des Aktienkurses ist nicht gerade erfreulich. Nun will man weiter expandieren und ist auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen auf die Idee gestoßen, eventuell eine Nutzungsgebühr für Anbieter, die viel Traffic verursachen, zu erheben.

Nach Angaben von Telekom-Chef Obermann sei ein „gut gemachtes Netzangebot am Ende auch kostenpflichtig“. Sollten Netzsicherheit oder eine sehr gute Übertragungsqualität beispielsweise für Musik- oder Videodateien geboten werden, so müsse dies auch unterschiedlich viel kosten. Aus diesem Grund wurden entsprechende Diskussionen mit Google bereits eingeleitet. Die Telekom bezieht damit auch zum ersten Mal Position, wenn es um die heikle und seit längerem kontrovers diskutierte Frage der Netzneutralität geht. Also der Frage, ob Internetprovider alle Datenpakete gleichberechtigt übermitteln sollen.

Weder Apple noch Google mussten bisher an den Provider für die Datenübertragung etwas bezahlen. Da hingegen müsste das Telekommunikationsunternehmen finanzielle Anstrengungen unternehmen, um ihr Netz kontinuierlich auszubauen. Obermann wünscht sich hier nun einen Ausgleich. Fraglich ist, ob sich die nun getätigten Aussagen Obermanns negativ auf das Verhältnis zwischen der Bundesregierung und dem ehemaligen Staatskonzern auswirken könnte. Die schwarz-gelbe Koalition bezieht nämlich in ihrem Koalitionsvertrag Position für die Netzneutralität und ist damit auch für die Gleichberechtigung von Inhalten bei der Netz-Durchleitung und zwar unabhängig von der Art oder dem jeweiligen Anbieter der Web-Inhalte. Sollten nun Dienstleister im Netz eine Nutzungsgebühr entrichten, ist die Befürchtung schließlich zu groß, dass sie in Puncto Erreichbarkeit ihrer Seite und Produktpalette bevorteilt werden könnten. Der Chefredakteur von der c`t hegt in einem Podcast zudem die Bedenken, dass auch die Verbraucher künftig mehr zu berappen haben könnten, indem sie für einzelne Dienste wie beispielsweise Videos streamen extra zahlen müssten

Gerüchte, die besagen, dass Google schon mit den Anbietern über privilegierte Zugänge verhandele, sind  nicht neu. Zur Verhandlungsmasse soll dabei offenbar neben einem schnelleren Seitenzugriff auf die Google Suchseite auch eine Beschleunigung der verschiedenen Google-Dienste gehören. Die Netzneutralität könnte so über einen Umweg unterlaufen werden. Die rosa Riese ist der Kampf um Verbesserungen im Millisekunden sicher nicht unrecht. Ob sich die Telekom am Ende durchsetzen wird, ist noch unklar

Die Telekom argumentiert, dass für eine Leistung auch entsprechendes Geld gezahlt werden solle. Vergessen wird dabei allerdings, dass der Suchmaschinendienst Google ebenfalls einiges getan hat, um die Infrastruktur zu fördern. Neben Investitionen in amerikanische Netze hat das Unternehmen nämlich auch hierzulande Geld in die Erhaltung einer optimale Anbindung bei jedem Provider  gesteckt. Obermann versucht offenbar gerade neue Geldquellen für sein Unternehmen ausfindig zu machen. Gegenüber dem “Manager Magazin” bestätigt er nämlich Expansionspläne. Der Telekommunikationsriese wolle demnach in weitere Länder vordringen und sich dort den Internet- und Mobilfunk-Markt erschließen.

[Bild: Telekom]


2 Kommentare

  1. [...] einfach so was reinschreiben und damit zumindest potenziell ein gewaltiges Publikum erreichen kann. Geht es nach der Telekom, ist bald Schluss mit der Gleichheit im Netz. Dienste, die viel Traffic produzieren oder eine besonders gute Anbindung benötigen, müssen extra [...]

  2. Die Telekom hat versagt auf ganzer Linie!! Da werden irgendwelche Expansionsideen auch nichts mehr nützen!

    Ohne diese Dienstanbieter gäbe es das Internet nicht in solcher Qualität und vor Allem in einem nicht unerheblichen Markt! Ich bin für Netzabgaben der Telekom an die anderen Provider schliesslich haben die ja vorgemacht wie man ohne Monopol auch wachsen konnte!!

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