Warum ich für Feedly Geld bezahle und warum ihr das auch tun solltet [Kommentar]

Feedly Pro

Ich habe gestern $99 ausgegeben, um mir bei Feedly eine lebenslange Pro-Mitgliedschaft zu sichern. Warum ich das gemacht habe? Nicht wegen der ‘Features’, die mit Pro einher gehen, sondern um einen Service zu unterstützen, den ich täglich nutze.

Für mich persönlich ist mein RSS-Feed-Sammelsurium nicht nur die wichtigste News-Quelle, sondern auch ein endloser Quell an Unterhaltung, Wissen, Nonsens, Katzen und vielem mehr. Außerdem ist ein RSS ein Werkzeug, dass ich als Blogger täglich nutze, um meine Brötchen zu verdienen.

Die Meldung, dass Google seinen Reader dicht machen würde, war daher für mich ehrlich gesagt ein ziemlicher Schock. Alles Rumheulen und alle Unterschriften-Sammelaktionen haben nicht geholfen. Google hat den Dienst Anfang Juli eingestampft. Einfach so.

Zum Glück gibt es viele Alternativen. Für mich persönlich kommt eigentlich nur Feedly in Frage. Die App ist sowohl für iOS als auch für Android ganz ok. Der generelle Funktionsumfang, der Import der Google-Reader-Daten, die Feedly-Cloud und die frühe Ankündigung, dass Mr. Reader und die Reader-App mit Feedly zusammenarbeiten würden (API…) haben mich von Feedly überzeugt.

Feedly mit Pro-Features, die man eigentlich nicht braucht

Gestern war es also soweit. Feedly hat die Katze aus dem Sack gelassen und angefangen, Pro-Features an User zu verkaufen. Zunächst bekommen diese Feature die 5.000 User, die $99 für eine lebenslange Pro-Mitgliedschaft ausgegeben haben. Später werden diese Features für alle verfügbar sein, die bereit sind, $5 im Monat zu bezahlen.

Freundlich formuliert, sind diese ‘Features’ aber eigentlich ein Witz:

Feedly Pro Features

Suche und https sollten bei einem RSS-Reader zum Standard gehören. Evernote-Anbindung? Kann ich nichts zu sagen, nutze ich nicht. Premium-Support? Bitch Please… Support für einen Feedreader? Ich will mich nicht hinstellen und sagen “braucht kein Mensch”, aber Geld sind diese Features eigentlich nicht wirklich wert. Viele dieser Funktionen bringen Feedly-Konkurrenten gratis mit.

Und trotzdem habe ich gestern sofort meine Kreditkarte gezückt und $99 bezahlt. successful

Äh ja ok… also warum bezahlen?

Ganz einfach, Google hat uns allen den Stinkefinger gezeigt und wir konnten nichts dagegen tun, weil wir ja auch nicht dafür bezahlt haben. Also so rein gar nichts, da gab es ja schließlich nicht mal Adsense-Einblendungen wie in Google Mail oder anderen Google-Diensten. Sprich: Ich habe gar kein Recht, Google anzumaulen, dass man mir etwas weggenommen hat, wofür ich nicht bezahlt habe und womit Google kein Geld verdient hat (man hätte natürlich Google-Reader-Pro-Features einführen können, aber das ist eine andere Geschichte.)

Ja, das ist kapitalistische Kackscheiße, aber so läuft es nun mal.

Feedly ist, genau wie Google, ein Unternehmen mit einer Gewinnerzielungsabsicht. Feedly hat Mitarbeiter, Serverkosten, muss Miete zahlen usw. Diese ganze Startup-Nummer funktioniert halt auch nicht unendlich lange. Nutzerzahlen und co. sind schön und gut, aber Investoren wollen ihr Geld irgendwann zurück, bzw. wollen was sehen für ihr Geld.

Mit meiner Zahlung an Feedly gestern habe ich, genau wie 5.000 andere User, Geld in die Kasse von Feedly gespült. Insgesamt sind $495.000 in 8 Stunden zusammengekommen. Danach waren die 5.000 Early-Adopter-Pro-Mitgliedschaften weg. Was man mit dem Geld macht? Man investiert es:

The funds from this early edition are going to help us acquire the hardware needed to open feedly pro to everyone. More on this in a couple of weeks. Thank you for your patience.

This is an important milestone for us because a more sustainable feedly means more innovation for both feedly pro and feedly standard users.

Da haben wir es. Man kauft Hardware, um das Feedly-Pro-Progamm allen Usern zugänglich zu machen (bisher nur für die ersten 5000, die $99 gezahlt haben). Aber noch viel wichtiger: Man kann Geld ausgeben, um weitere Features zu starten, die Feedly und vermutlich auch Feedly-Pro noch interessanter machen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe Geld bezahlt, um einen Dienst zu unterstützen, den ich täglich benutze und der mein Leben etwas einfacher macht. Ich habe damit (hoffentlich) auch sichergestellt, dass dem Laden das Geld nicht ausgeht und ein Business-Modell unterstützt, dass nicht “Hoffentlich kauft uns eine große Bude auf” lautet. Denn wie das endet wissen wir alle: Nicht gut.

Übrigens steht dieser Post hier generell für sämtliche Dienste im Netz, die ich benutze. Wenn ich was gut finde und ich es mir leisten kann, dann bezahle ich auch gerne dafür. Das solltet ihr auch tun :-)

Abschließend noch eine Artikel-Empfehlung aus dem Jahr 2009: Ist die Zeit der RSS-Feeds wirklich vorüber?

Veröffentlicht von

Blogger, Social-Media- und Community-Manager, Katzen-Nerd, Berliner auf Mallorca.