Antivirus-Software für Android, iOS, Blackberry und Co.: Das Geschäft mit der Angst [Kommentar]

androidmalware Antivirus-Software für Android, iOS, Blackberry und Co.: Das Geschäft mit der Angst [Kommentar] Google Android

Regelmäßig lesen wir von der großen Bedrohung der Viren und Malware für unsere Smartphones und Tablets. Android gilt hierbei immer als besonders verseucht: “Google Android: Malware-Anteil steigt um 472 % seit Juli an“. Uns werden große Zahlen präsentiert, die uns glauben lassen sollen, dass wir nirgendwo mehr sicher sind. Aber stimmt das so?

Viele Zahlen, die uns präsentiert werden kommen von Herstellern von Antivirus-Software oder werden in ihrem Auftrag ermittelt. Diese haben immerhin ein berechtigtes Interesse daran, euch etwas zu verkaufen. Es ist das Geschäft mit der Angst des unbedarften Internetnutzers vor fiesen Gesellen, die sich genau am Smartphone von Lieschen Müller zu schaffen machen wollen.

Wenn euch ein Konditor erzählt, dass ihr unbedingt Kuchen zum Überleben braucht, würdet ihr sicher nur müde lächeln, aufgrund des offensichtlichen Versuchs euch etwas anzudrehen und dann weitergehen und nicht mehr daran denken. Aber nichts anderes machen die Antivirus-Software- Hersteller. Mit Angst lässt sich immer gut Geld machen. Mit Angst lassen sich auch auf politischer Ebene viele Dinge durchsetzen. Angst ist die beste Methode Geld mit etwas zu verdienen, dessen Nutzen man gar nicht so richtig begründen kann.

Doch ist es wirklich SO schlimm? Ist man als Android-Nutzer wirklich unter Beschuss? Wohl eher kaum. Und als iOS-Nutzer? Vermutlich noch weniger.

Chris DiBona, Open Source Program Manager bei Google hat nun Tacheles geredet:

No major cell phone has a ‘virus’ problem in the traditional sense that windows and some mac machines have seen. There have been some little things, but they haven’t gotten very far due to the user sandboxing models and the nature of the underlying kernels.
No Linux desktop has a real virus problem.
Yes, virus companies are playing on your fears to try to sell you bs protection software for Android, RIM and IOS. They are charlatans and scammers. IF you work for a company selling virus protection for android, rim or IOS you should be ashamed of yourself.

Das komplette Statement gibt es hier: Chris DiBona auf Google Plus.

Aber wie kommt es, dass gerade Android so in der Kritik steht?  Android ist ein offenes System und Apps durchlaufen keine großen Review-Prozesse wie es bei iOS der Fall ist. Zudem würde das auch keine 100% Sicherheit geben, denn man muss Apps für Android ja auch nicht unbedingt aus dem Market laden, sondern kann die Installationsdateien von überall herbekommen und auf seinem Smartphone installieren. Aber auf diese Freiheit möchte ich dennoch nicht verzichten wollen.

Fakt ist: Es ist Software und Software wird nie 100% sicher sein können, aber deswegen muss man nicht gleich in Panik verfallen. Selbst bei Windows, und Windows ist ja in den Augen der meisten DAS Virusnest, habe ich vielleicht einmal im Jahr eine Meldung über eine infizierte Datei.

Das Wichtigste ist beim Umgang doch immer, dass man selbst die Augen aufmacht. Schaut, von wo man seine Apps bekommt, welche Firmen dahinter stecken und sich auch die Bewertungen ansieht. Damit wird man in den meisten Fällen gut fahren.

Lasst euch also nicht in Panik versetzen. Virenprogramme für mobile Geräte können in den meisten Fällen nur eins sehr gut: den Akku leersaugen. Aber einen wirklichen Nutzen haben sie nicht.

– via The Verge
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Mirko
10 Jahre zuvor

Am tollsten find’ ich ja immer Virensucher, die nicht mal root verlangen. Die *können* noch nicht mal auf die anderen Apps zugreifen und sie nach Viren durchsuchen. Bestenfalls finden sie in der Liste der installierten Apps bekannte Trojaner.
Wobei, das Risiko einen Trojaner aus dem Market zu installieren, weil man ihn für ‘ne nützliche App hält, ist deutlich größer als das, einen echten Virus einzufangen. Da hilft so ‘ne Blacklist vielleicht sogar wirklich… Andererseits installieren die Leute ja auch Facebook – viel mehr als das abgreift, bekommen Trojaner vermutlich auch nicht raus… 😉

Naja, und die großen Steigerungen sind auch kein Wunder: 5 befallene Geräte sind schon 400% mehr als eins…

Schlurchi
10 Jahre zuvor

Ja, kann dem Artikel nur voll und ganz zustimmen. Die Antivirensoftware-Hersteller müssen natürlich umdenken, da Desktop-PCs und Laptops in naher Zukunft für viele Leute in den HIntergrund treten werden und Smartphones und Tablets deren “Hauptcomputer” sein werden. Das bedeutet insbesondere einen Gewinnrückgang für die AV-Hersteller, somit ist der Schritt, im mobilen Sektor die gleiche Angst zu schüren, wo im PC-Bereich bisher, zumindest nachvollziehbar. (Auf den PCs besteht natürlich eine relle Gefahr, aber so extrem, wie die AV-Hersteller es einen glauben machen wollen, ist es da auch nicht)

Zwar ist nichts 100%ig sicher, aber sicher ist auf jeden Fall, dass sich im Android-Unterbau echte Viren nicht so einfach verbreiten können, was aber nicht heißt, dass irgendwann mal ein solches echtes Virus auftaucht.
Momentan ist, wenn man das Wort Virus oder Schadsoftware in Verbindung mit Smartphones, und da Android ganz speziell, da der Android App-Markt offen ist, immer von einer App die rede, die vorgibt, etwas zu tun, im Hintergrund dann aber Daten irgendwohin schickt.
Da ist es der User selbst, der unwissenderweise das Virus startet und es sich gar nicht erst verbreiten muss.

Gefährdet sind da ganz besonders die Styler und Poser, die immer den neuesten Schnickes installiert haben müssen, und wo das Smartphone halt immer anders als die anderen aussehen muss. Solche Leute installieren sich einfach alles, solange es nur cool aussieht. Das ist der Fehler.
Bevor man sich bestimmte Apps installiert, die nicht von großen, namhaften Unternehmen kommen, sollte man erst mal durch die verschiedenen Foren gehen und da ein paar Meinungen einholen. Wenn es sich da um eine böse App handelt, wird es irgendwer schon mitbekommen haben.

Der beste Virenschutz ist immer noch der gute, alte, gesunde Menschenverstand.
-) Nicht jeden Dreck installieren
-) Nicht ohne VPN von öffentlichen hotspots aus surfen
-) Verschiedene, sichere Passwörter benutzen
Dann hat man sich zumindest nichts vorzuwerfen, wenn doch mal etwas passieren sollte.

[…] ist immer ein heißes Eisen. Letzte Woche habe ich euch von dem Geschäftsfeld rund um die Antivirensoftwareindustrie berichtet und inwiefern diese euch gern mal Angst macht, damit ihr ihre Produkte kauft. Neben denen hat […]

Simon Oberthür
9 Jahre zuvor

Hier mal ein wissenschaftliches Papier zum Thema Android & Viren. Kurz gefasst, es ist doch was dran.
https://www.csc.ncsu.edu/faculty/jiang/pubs/OAKLAND12.pdf

[…] Hier direkt weiterlesen: Antivirus-Software für Android, iOS, Blackberry und Co.: Das Geschäft mit der Angst [Kom… […]

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