Apple im Clinch mit Adobe – sogar Microsoft setzt nun auf HTML5

fight Apple im Clinch mit Adobe - sogar Microsoft setzt nun auf HTML5 Technologie

Seit der Veröffentlichung des offenen Briefs von Steve Jobs über die Zukunft von Flash geht der Streit nun richtig los. Bisher hielten sich beide Seiten immer noch relativ bedeckt, doch nun kam eine direkte Antwort von Adobe CEO Shantanu Narayen in einem Exklusivinterview mit Alan Murray vom Wall Street Journal.

Beide Seiten sind von ihren Positionen selbstverständlich absolut überzeugt. Die Argumente von Steve Jobs aus seinem offenen Brief:

  • Flash sei proprietär und ist alles andere als 100 Prozent „offen“ – HTML5 sei hingegen die Alternative.
  • Laut Adobe könnten die mobilen Apple-Geräte nicht auf das ganze Web zugreifen (Full Web), das 75 Prozent der Videos in Flash angeboten wird. Allerdings werden zugleich auch die meisten Videos auch im H.264-Codec angeboten, die problemlos auf iPhones und iPads angezeigt werden können.
  • Außerdem stelle Flash ein Sicherheitsrisiko dar und laufe nicht gut auf den Geräten („not performed well“), so Jobs.
  • Darüber hinaus raube Flash den Geräten Batterielaufzeit.
  • Als weiteren Punkt nennt Jobs die Nutzung von Touch. Flash Inhalte müssen erst an Touch-Inhalte angepasst werden.
  • Überdies sei die Entwicklung von Apps auf Flash-Basis, die per Cross-Compiler umgeschrieben werden, eher suboptimal. Adobe ermöglicht zwar für viele verschiedene Systeme Apps zu schreiben, allerdings sind diese nicht an die spezifischen Fähigkeiten des iPhone OS angepasst.

Zudem wünscht er sich, dass Adobe sich von der veralteten Technik, die in der Ära der PCs entwickelt wurde, verabschiedet. Mittlerweile liegt der Fokus auf mobilen Geräten, die wenig Energie benötigen, Touch-Interfaces besitzen und über offene Webstandards verfügen. Die Zukunft liege daher auf HTML5.

Shantanu Narayen hält in dem Interview mit Alan Murray selbstverständlich dagegen:

  • Bei Flash handelt es sich um ein offenes System. Narayen findet die Unterstellung von Jobs sogar amüsant.
  • Dass Apps ausschließlich für Apple geschrieben werden sollen, davon hält er nichts. Er setzt auf einen Multiplattform-Service, sodass Entwickler gleich für mehrere Systeme programmieren können.
  • Dass Flash auf Apple Hardware abstürzt, liegt nicht an Adobe, sondern am Apple-Betriebssystem.
  • Auf den Vorwurf, dass Flash Batterielaufzeit rauben würde, konterte er, dass dies falsch sei.

Hier das Interview in voller Länge:

Dass zwei Konzerne sich dermaßen bekriegen, reicht nun auch nicht aus. Microsoft gesellt sich interessanterweise sogar zu den Befürwortern der HTML5-Technologie – also auf die Seite Apples. Dean Hachamovitch, Hauptverantworlicher für die Entwicklung des Internet Explorers, schrieb auf dem MSDN-IEBlog, dass die Zukunft in HTML5 liegen würde und die nächste Version des IE diesen neuen Standard mit H.264 für die Videowiedergabe unterstützen werde.

Hachamovitch schrieb:

H.264 is an industry standard, with broad and strong hardware support. Because of this standardization, you can easily take what you record on a typical consumer video camera, put it on the web, and have it play in a web browser on any operating system or device with H.264 support (e.g. a PC with Windows 7).

Ich wundere mich im Grunde über den Brief von Jobs. Adobe hatte sich bereits von der weiteren Entwicklung von Flash-Unterstützung für iPhones und iPads verabschiedet. Mit der Version des iPhone OS 4.0 sollen sogar Apps, die per Cross Compiler geschrieben wurden, nicht mehr akzeptiert werden. Warum also der ganze Aufriss? Zudem wundert mich, dass Microsoft, sich auch auf Apples Seite stellt – das ist durchaus selten, zumal man sie als Rivalen betrachten kann. Ich frage mich, warum nicht beide Formate nebeneinander existieren können? Google zum Beispiel setzt beides ein. YouTube unterstützt Flash und den HTML5-Videocodec H.264 und ist sogar gerade dabei, einen weiteren Open Source Codec mit einer besseren Bildqualität zu entwickeln. Auf der anderen Seite kooperiert Google eng mit Adobe, um auf Android Froyo Flash zum Laufen zu bringen.

Es ist verständlich, dass Apple Flash von seinen mobilen Geräte fernhalten möchte, nicht aber wegen der Akkulaufzeit oder einem der anderen von Jobs  genannten Gründen. Denn per Flash kann man Applikationen installieren, von denen Apple keinerlei Geld sehen würde. Doch Apples App-Store gehört mit zu den besten Einnahmequellen, die es zu schützen gilt. Dennoch ist dieser Clinch in meinen Augen albern. Allerdings denke ich, dass HTML5 Zukunft haben wird. Adobe will sich mit dem festhalten an Flash, genauso wie Apple, seine fette Cash-Cow sichern. Daher gibt es zurzeit keinen Ausweg aus der Existenz der beiden Formate.

Ich möchte nicht hoffen, dass Apple bei einer weiteren Eskalation Flash bald auch von seinen Computern ausschließt 😉

[Foto: flickr; claudiogennari]

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Tweets die Apple im Clinch mit Adobe - sogar Microsoft setzt nun auf HTML5 erwähnt -- Topsy.com
11 Jahre zuvor

[…] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von stereopoly, Andreas Floemer erwähnt. Andreas Floemer sagte: RT @stereopoly: Apple im Clinch mit Adobe – sogar Microsoft setzt nun auf HTML5 https://bit.ly/dqEmO3 […]

[…] Jobs wird sich bestimmt darüber ärgern, denn nun passiert genau das, was man mit dem Verbot von Flash unterbinden wollte: Die Umgehung des […]

[…] der Apple auf die Palme bringen könnte. Denn nach Apples Vorstellungen hat diese veraltete Technologie nichts in moderner Technik zu suchen. Adobe sieht das natürlich anders, schließlich ist Flash eine große […]

[…] in Cupertino mal wieder mächtig ärgern. Genau auf diese Plattform von Adobe sollte ja konsequent verzichtet werden. Nun ist es aber doch möglich Flash zu installieren. Eine bebilderte Anleitung dafür […]

[…] Jobs war sehr in der Kritik, als er Flash von iPhone und iPad verbannte. Ihm wurden allerlei Begründungen unterstellt, allen voran den Versuch, keine Apps […]

[…] – dokumentieren sie doch eindrucksvoll, wie viele iPhone-Besitzer die Schnauze voll von Apples Anti-Flash-Politik […]

[…] vor einigen Monaten wurden harte Grubenkämpfe zwischen Adobe und Apple ausgefochten, in denen es um die Verwendung von Flash ging. Apple bzw. Steve Jobs lehnt den Einsatz […]

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