Der Audi R8 e-tron piloted driving fährt selbst – und das elektrisch

Am Mittwoch geht in Shanghai nach nur drei Tagen die erste CES Asia zu Ende. Der Audi R8 e-tron piloted driving war dabei nicht nur eines der Messe-Highlights, sondern auch ein Blick in die Zukunft des Autofahrens.

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Der Audi R8 e-tron piloted driving

Verglichen mit der CES in Las Vegas ist die CES Asia in Shanghai geradezu winzig. Die zum Teil hallenfüllenden Messeauftritte von Samsung, Sony und Co. sucht man hier vergebens. Stattdessen verteilen sich viele kleine Stände auf zwei Hallen, die thematisch eindeutig definiert sind: Consumer Electronics in der ersten Halle, Automotive in der zweiten. Fernseher, Smartphones, Gadgets – und Autos. Ja, das gehört inzwischen alles irgendwie zusammen – oder um es mit den Worten von Audi-Chef Rupert Stadler zu sagen: „Ein Audi ist in jeder Hinsicht das größte Mobile Device, das es gibt“.

Auf der CES Asia muss man nicht Schlange stehen, um das neueste Smartphone-Highlight zu begutachten, sondern das neueste Auto. Das hat Audi mit dem R8 e-tron piloted driving im Gepäck, der bei der Audi-Keynote am Sonntag ohne Fahrer auf die Bühne gerollt kam. Dank einiger Modifikationen an der Außenhaut und den Rädern erzielt der Audi R8 piloted driving e-tron einen cw-Wert von 0,28. Die von Audi in Eigenregie gefertigte Hochvolt-Batterie des Elektro-Flitzers basiert auf einer neuen Lithium-Ionen-Technologie, wodurch ihre Kapazität auf 92 kWh gestiegen ist. Die Energiedichte liegt nun bei 154 Wh/kg, so dass der R8 e-tron piloted driving eine elektrische Reichweite von 450 Kilometer vorweisen kann. In nur 3,9 Sekunden beschleunigen die beiden E-Maschinen an der Hinterachse (zweimal 170 kW und zweimal 460 Nm Drehmoment) den R8 von 0 auf 100 km/h.

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“Elektrischer Hochleistungssportwagen als mobiles Hightech-Labor”

Das waren jetzt in Kurzform die nackten Zahlen. Aber was heißt das denn nun genau? Zunächst sollte klar sein, dass der R8 e-tron piloted driving ein Auto ist, das in erster Linie zeigen soll, was technisch heute schon möglich ist. Audi selbst bezeichnet ihn als “elektrischen Hochleistungssportwagen”, den das Unternehmen als “mobiles Hightech-Labor” nutzt. Von der Serienreife sind wir also noch weit entfernt. Wahrscheinlich wird es den R8 e-tron piloted driving in seiner jetzigen Form wohl nie zu kaufen geben. Aber darum geht es auch gar nicht.

Der Audi R8 e-tron piloted driving ist ein Blick in die Zukunft des Autofahrens, denn er kombiniert zwei Technologien, die nach und nach in den Straßenverkehr Einzug halten werden: die Elektromobilität und das autonome Fahren.

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Wer auf Elektromobilität setzt, muss auf nichts verzichten

Die Bevölkerung Shanghais ist unter einer Smog-Glocke gefangen. Selbst als zur Eröffnung der CES Asia am Montag die Sonne schien, vermochte diese nicht den allgegenwärtigen Dunstschleier über der Stadt zu durchbrechen. Dadurch wird einem unmissverständlich klargemacht, dass der Verbrennungsmotor in seiner jetzigen Form keine Zukunft mehr hat.

Die Elektromobilität hat das Potential, dieses Problem zu lösen – allerdings müssen die Autohersteller ihrer Kundschaft dazu zunächst zeigen, dass Elektromobilität Spaß macht und man auf nichts verzichten muss. Das gelingt nicht mit unspektakulären Kleinwagen, die etwaige Käufer schon durch ihr Design in die Flucht schlagen – noch bevor sie erfahren, dass das Fahrzeug mit einer Ladung nur 150 Kilometer weit kommt, dafür aber doppelt so viel wie die Alternative mit Benzinmotor kostet.

Eine Technikstudie, wie der R8 e-tron piloted driving, zieht die Blicke auf sich und führt dazu, dass sich mehr Leute mit dem Thema beschäftigen. Und das ist wichtig, denn nur wer eine neue Technologie versteht, ist bereit dazu, für sie auch mehr Geld zu bezahlen. Von 0 auf 100 in 3,9 Sekunden – und trotzdem bis zu 450 Kilometer Reichweite. Das sind Zahlen, die die Menschen aufhorchen lassen.

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Und dann wären da ja auch noch der Audi Q7 e-tron sowie der Audi A3 Sportback e-tron, zwei Modelle, die man im Gegensatz zum R8 e-tron piloted driving auch tatsächlich kaufen kann. Im Klartext heißt das: egal, ob SUV, Sportwagen oder Kompaktklasse – wer elektrisch mobil sein möchte, hat schon heute die freie Wahl.

Natürlich handelt es sich bei diesen Modellen nicht um reine Stromer, sondern um Plug-in-Hybride – sprich es ist immer noch ein klassischer Verbrennungsmotor mit an Bord. Genau das gibt den Käufern aber die Gelegenheit, sich von den Vorteilen der eMobility zu überzeugen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie nach 200 Kilometern am Straßenrand stehen, weil der Akku leer ist. Das hören Verfechter vom rein elektrischen Antrieb zwar nicht gerne, aber das sind eben die realen Sorgen vieler Autofahrer.

Wer sich mit einem Plug-in-Hybrid langsam an das Thema Elektromobilität herantastet, wird in ein paar Jahren auch nicht zögern, auf ein rein elektrisch angetriebendes Auto umzusatteln – sofern bis dahin Reichweite und Preis stimmen.

Ein autonom fahrender Sportwagen ist kein Widerspruch in sich

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Der zweite wichtige Aspekt, denn der Audi R8 e-tron piloted driving beleuchtet, ist das autonome Fahren. Was braucht man zum autonomen Fahren? Im Falle von Audis neuer Technikstudie “einen neuartigen Laserscanner, mehrere Videokameras, Ultraschallsensoren und Radarsensoren an Front und Heck”. Aus den Daten, die all diese Komponenten liefern, errechnet ein kompakter Zentralrechner dann ein vollständiges Bild der Fahrzeugumgebung. Dadurch kann der Sportwagen in bestimmten Situationen autonom – oder in den Worten von Audi “pilotiert” – fahren.

In den vergangenen Tagen habe ich nun schon mehrfach gelesen, dass es doch eigentlich Spaß machen soll, einen Sportwagen zu fahren. Selbst zu fahren. Man kaufe doch keinen Sportwagen, um sich dann herumfahren zu lassen. Diese Argumentation ist – mit Verlaub – Quatsch. Sinn und Zweck des pilotieren Fahrens ist es ja eben nicht, das Steuer komplett aus der Hand zu geben, sondern nur dann, wenn man will.

Zum Beispiel im Stau. Ich habe noch mit keinem Porsche-Fahrer geredet, bei dem im Stau auf der A8 Sportwagen-Feeling aufkommt, oder der im Feierabendverkehr in der Innenstadt die Kurvenlage seines Wagens austestet. In solchen Situationen ist es immer praktisch, wenn man das Lenken, Bremsen und Beschleunigen dem Auto überlassen kann – egal, ob SUV, Limousine oder Kleinwagen. Und genau das wird in Zukunft der Fall sein. Freilich wird sich das pilotierte Fahren zunächst auf die Autobahn beschränken – und auch dazu müssen erst noch europäische sowie nationale Gesetze angepasst werden. Aber es wird kommen. Und es wird den Straßenverkehr insgesamt sicherer machen.

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, dem lege ich auch das nachfolgende Video von meinem Kollegen Jan Gleitsmann an Herz:

Veröffentlicht von

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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