Elektromobilität im Alltag: Wissenswertes und Probleme

Beim Thema E-Mobility muss man umdenken – das wisst ihr ja bereits. Wie man an einer öffentlichen Ladesäule Strom tankt und was das kostet, könnt ihr hier nachlesen. Bleibt noch die Frage: Kann man mit einem Elektroauto wie dem BMW i3 Fahrspaß und Effizienz kombinieren, oder schließt das eine das andere aus?

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Wenn ich mich mit Freunden und Bekannten über das Thema Elektromobilität unterhalte, bekomme ich im Regelfall folgende Dinge zu hören: Elektroautos sind zu teuer, haben eine zu geringe Reichweite und überhaupt ist das alles nur etwas für Menschen, die zu viel Geld haben und ihr ökologisches Gewissen beruhigen wollen.

Ganz falsch ist das nicht, denn selbst günstige Elektroautos sind kein Schnäppchen und verglichen mit den 800 Kilometern Reichweite eines Diesel-Fahrzeugs wirken 150 Kilometer natürlich lächerlich gering. Sobald man dann in den Gesprächen aber näher ins Detail geht, merkt man recht schnell, dass die meisten Leute sich mit dem Thema E-Mobility einfach noch nicht beschäftigt haben und schlichtweg die Phrasen nachplappert, die sie irgendwann einmal irgendwo gelesen oder gehört haben.

Kilowattstunden statt Liter

Um überhaupt in der Lage zu sein, über Elektroautos zu sprechen, sollte man zumindest mit den grundlegenden Größen vertraut sein. Jedes Kind weiß, dass ein Benziner einen Tank hat. In den Tank passen 50 Liter und das Auto verbraucht im Durchschnitt 8 Liter auf 100 Kilometer. Das sind die Größen, die jedem von uns vertraut sind. Wenn man sie kennt, kann man problemlos ausrechnen, wann man das nächste Mal tanken muss und wie viel das kosten wird.

Nicht anders verhält es sich mit dem Elektroauto, nur dass der Tank hier Akku heißt und die Kapazität nicht in Litern sondern in Kilowattstunden (kWh) angegeben wird. Dementsprechend verbraucht man auch keine Liter auf 100 Kilometer sondern Kilowattstunden. Der BMW i3 hat beispielsweise eine Akkukapazität von 18,8 kWh und einen durchschnittlichen Verbrauch von 15 kWh/100 km. Wenn man nun noch einen durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde zugrunde legt, ergeben sich Stromkosten in Höhe von 4,50 Euro je 100 Kilometer. Abhängig von der Fahrweise kann man es aber auch auf bis zu 5 Euro beziehungsweise weniger als 4 Euro schaffen. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, könnt ihr hier nachlesen.

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Und sonst so? Wenn man beim Elektroauto den Fuß ständig auf dem Gaspedal hat, steigt der Verbrauch und man muss früher zur Tankstelle an die Ladesäule. Ganz wie beim Benziner oder Diesel.

Einen entscheidenden Unterschied gibt es dann aber doch: die Rekuperation. Vereinfacht gesagt, sorgt die Rekuperation dafür, dass das Elektroauto Energie zurückgewinnt, wenn ihr vom Gas geht und das Auto rollt – bergab, an einer Ampel, wenn die Autos vor euch plötzlich langsamer werden, und, und, und. Eigentlich immer, wenn ihr bei einem Benziner oder Diesel bremsen würdet. Beim Elektroauto bremst hingegen die Rekuperation das Auto – und gewinnt dabei Energie zurück. Vergleichen könnt ihr das in etwa mit dem Dynamo eines Fahrrads. Wer vorausschauend fährt, schafft es unter Umständen sogar komplett ohne das Bremspedal auszukommen – aus diesem Grund muss man bei einem Elektrofahrzeug auch so gut wie nie die Bremsbeläge wechseln.

Zugegeben, das war jetzt alles ziemlich vereinfacht dargestrellt. Wer ganz genau wissen will, wie das mit der Rekuperation funktioniert, der wird hier fündig.

Fahren mit Strom im Blut

In meinem letzten Artikel habe ich geschrieben, dass bei einem Elektroauto die Angst am Anfang mitfährt – und das ist auch kein Wunder: eine deutlich geringere Reichweite, lange Ladezeiten, eine verglichen mit der Tankstellendichte schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur, andere Maßeinheiten, und, und, und.

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Ich habe aber auch geschrieben, dass man bei E-Mobility umdenken muss. Und das geht erstaunlich schnell. Plötzlich stellt man dann fest, dass einem eine Restreichweite von 20 Kilometern keine Schweißperlen mehr auf die Stirn treibt. Man fährt vorausschauender und lernt, die Rekuperation optimal zu nutzen. Außerdem wird einem bewusst, dass man im Alltag eben doch selten mehr als 140 Kilometer an einem Tag fährt und man mit der „geringen“ Reichweite ganz gut leben kann. Man entwickelt eine Routine, ganz wie beim Benziner oder Diesel – und bei einem längeren Trip informiert man sich eben vorab per Smartphone-App über die Lademöglichkeiten auf der Route. Das ist alles kein Problem.

Bleibt da nicht der Fahrspaß auf der Strecke? Nein! Ich habe mit dem BMW i3 unterschiedliche Szenarien durchgespielt: einerseits die sanfte, zurückhaltende Fahrweise, bei der man starkes Beschleunigen und hohe Geschwindigkeiten vermeidet, andererseits das sportliche Fahren mit Kickdown an der Ampel und auch mal 150 km/h auf der Autobahn.

Das Ergebnis: unter normalen Bedingungen verringert sich die Reichweite bei sportlichem Fahren nur um ein paar Kilometer (im Vergleich zum Durchschnittswert). Das lässt sich dadurch erklären, dass man im Alltag eben immer auch an Ampeln beziehungsweise ein Stauende kommt oder bergab fährt – und sich das Auto dann Energie über die Rekuperation zurückholt. Das wiederum „entschädigt“ für die 10 oder 15 Kilometer, die man mit 150 km/h über die Autobahn fegt und nur Energie verbraucht. Wenn man natürlich nachts um drei Uhr auf die Autobahn geht und die Höchstgeschwindigkeit konstant voll ausreizt, gibt der Akku recht schnell den Geist auf. Wer das vorhat, sollte sich aber ohnehin fragen, ob ein Elektroauto das Richtige für ihn ist.

Elektrisch mobil – ohne Kompromisse

Was will ich euch mit all dem jetzt sagen? Dass die Elektromobilität das Nonplusultra ist? Keineswegs. Es gibt Probleme, die werden sich in absehbarer Zeit nicht lösen lassen – zum Beispiel, dass man ein Elektroauto nicht binnen zwei Minuten volltanken kann, wie einen Benziner oder Diesel. Hat man den Akku seines Elektroautos leergefahren, muss man eine Zwangspause von mindestens einer halben Stunde einlegen. Vorausgesetzt man findet eine Ladesäule mit der entsprechenden Ladeleistung. Und da wären wir auch schon beim nächsten Problem: gerade im ländlichen Raum ist die Ladeinfrastruktur miserabel – und dass man im Umkreis von 20 Kilometern keine öffentliche Ladesäule findet, ist keine Seltenheit.

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Also ist Elektromobilität doof? Nein! Elektromobilität ist super! Es macht unglaublich viel Spaß mit einem Elektroauto unterwegs zu sein. Obwohl beispielsweise der BMW i3 verglichen mit dem Tesla S ein Kleinwagen ist, kann sich die Beschleunigung sehen lassen. Auch die Tatsache, dass es bei E-Autos keine Gangschaltung gibt, trägt einiges zu ihrer Fahrdynamik bei. Alles recht futuristisch, was gerade auf mich als technisch-versierten Fahrer einen gewissen Reiz ausübt. Man muss E-Mobility einfach selbst erleben, um diese Faszination zu verstehen.

Tatsächlich ist es so, dass man – abhängig vom persönlichen Use Case – schon heute keine Kompromisse mehr eingehen muss, wenn man elektrisch mobil sein will. Das gilt beispielsweise für alle, die nur kurze Distanzen (unter 100 Kilometer pro Tag) mit ihrem Auto zurücklegen. Das gilt aber auch für Pendler, deren Arbeitgeber ihnen die Möglichkeit gibt, ihr Fahrzeug am Arbeitsplatz aufzuladen oder deren Pendelstrecke nicht allzu lang ist.

Problematisch wird es erst dann, wenn man es mit einer Ladung geradeso nach Hause zurück schafft und unterwegs eventuell schon auf die Klimaanlage verzichten muss. Das macht keinen Spaß und verdirbt einem die ganze Freude an der Elektromobilität. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass die Hersteller endlich dem Vorbild von Tesla folgen und Fahrzeuge mit höherer Reichweite in ihr Portfolio aufnehmen. Ganz egal, mit wem ich rede, es dreht sich immer nur um die absolute Reichweite. Ob Tesla das nur schafft, weil die Amerikaner gigantische Akkus verbauen, interessiert kaum jemanden. Die Mehrheit der potentiellen Käufer will ins Auto einsteigen und 300 Kilometer Reichweite auf der Anzeige stehen sehen – und nicht 140 Kilometer im Eco Pro-Modus. Das hat nichts mit Technik zu tun, sondern mit Psychologie. Nicht jeder will sich vor seinem Autokauf erst noch Gedanken darüber machen, wie viele Kilometer er täglich fährt und ob der Akku dann überhaupt reicht.

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Wann die Hersteller das umsetzen, bleibt abzuwarten. Audi und BMW planen zwar in diese Richtung, aber  vor 2018/2019 wird wohl kein Serienfahrzeug auf den Markt kommen, das mehr als 300 Kilometer rein elektrisch schafft. Das dürfte wiederum Nissan freuen, denn der neue Leaf bringt es schon jetzt auf 250 Kilometer, was ihn gerade in Anbetracht des Preises für viele zu einem recht attraktiven Elektroauto macht.

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Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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