Bundesregierung will Filesharern den Internetzugang sperren – Two Strikes Modell höchst fragwürdig [Kommentar]

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Innerhalb des ersten Halbjahres 2012 möchte die Bundesregierung prüfen und entscheiden, ob ein Modell wie in Frankreich auch bei uns möglich wäre, bei dem Filesharern nach zweimaliger Verwarnung der Internetzugang gesperrt wird. Das halt ich für höchst fragwürdig und nicht nur ich. Internetexperten – also solche, die wirklich Ahnung vom Internet haben und sich nicht nur so nennen, weils was her macht – warnen vor diesem Modell.

Filesharing ist kein Problem, sondern ein Symptom eines Problems. Bekämpft man das Filesharing bekämpft man nicht die Probleme, die dazu geführt haben. Wo liegt das Problem? In Deutschland gibt es einfach keine vernünftigen und zukunftsweisenden Vertriebswege für digitale Musik und Filme. Sämtliche Dienste, die in anderen Ländern erfolgreich funktionieren und auch von der zahlenden Kundschaft genutzt werden, können in Deutschland entweder gar nicht Fuß fassen oder ziehen sich zurück, weil von ihnen Abgaben verlangt werden, die ein wirtschaftliches Handeln unmöglich machen.

Aber es hat doch damals mal funktioniert

Natürlich hat es das. Man muss sich das als ein komplexes System vorstellen, in dem alles nur so lang funktioniert, wie keine Faktoren geändert werden. Auch früher gab es bereits Piraterie. Da wurden Kassetten überspielt, mit einem Doppel-deck-Kassettenrecorder. Da wurden Lieder aus dem Radio aufgenommen und sich geärgert, wenn der Sprecher reinquatschte. Trotzdem funktionierte alles. Die besseren Computer und das Internet machen den Weg des Kopierens und Verbreitens aber einfacher. Das ist der eben genannte, geänderte Faktor, der das vorher funktionierende System aus dem Gleichgewicht bringt.

Um das Gleichgewicht wieder herzustellen kann man es wie die Bundesregierung machen und den Leuten einfach das Internet wegnehmen. Aber das wäre als würde man Autos verbieten, weil es Autounfälle gibt. Weltfremd und zukunftsfeindlich. Würden wir diese Schritte unternehmen, dann wäre Deutschland irgendwann Internet-Entwicklungsland.

Es gibt einen zweiten Weg, das Gleichgewicht wieder herzustellen oder zugunsten der Musikindustrie zu verschieben. Ich frage mich tatsächlich, wieso die Regierung da nicht selbst drauf kommt. Man kann das legale Angebot attraktiver machen als das Illegale. Bessere Qualität, exklusiven Content, einfacher Kauf, faire Preise. Wäre das so schwierig?

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Hier liegt viel im Argen, darum sollte sich zuerst gekümmert werden

Deutschland hat größere Probleme als Filesharing. Deutschland hat eine aktive Abmahnindustrie gesteuert von geldgierigen Juristen, die ihre Freiheiten im Recht ausnutzen und massenweise Bürger verängstigen, einschüchtern, drohen, um Geld zu bekommen. Ob die von ihnen ermittelten Daten überhaupt richtig sind, interessiert hierbei niemanden. Hier wird richtig Kohle gescheffelt und die Leute zahlen aus Angst, egal ob sie nun schuldig sind oder nicht. Mafiöse Strukturen nicht wahr? Man bekommt einen Brief mit einer Summe, die man zu zahlen hat, wegen eines realen oder fiktiven Vorfalls, zahlt man nicht wird was Schlimmes passieren. Sie brechen dir vielleicht nicht die Finger, aber das finanzielle Genick.

Und unser Staat schaut zu, billigt sowas sogar. Liebe Regierung, deine Bürger werden tyrannisiert und dir fällt dazu nichts besseres ein, als da mitzumachen? Mit der „Two Strike“ Methode gibt man Abmahnern und allen anderen die aus der Angst der Bürger Profit schlagen, ein weiteres Instrument in die Hand, mit dem sie erpressen und bedrohen können. Und die Entscheidung darüber fällen Privatfirmen vorbei am Gericht. Darf man solche Entscheidungen Firmen an die Hand geben, die damit ihr Geld verdienen?

Wollen wir in so einem Land leben? Wollen wir eine solche Regierung haben? Ich will das nicht. Ich will ein freies Internet und ich will gute, funktionierende und legale Möglichkeiten Musik und Filme digital zu beziehen. Liebe Regierung, denkt mal drüber nach.

– via Golem, Fotos:  Some rights reserved by theogeo,  Some rights reserved by sacks08, Weiterführende Infos: Digitale Gesellschaft

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wäre das legale Angebot attraktiver (die gibts ja eigentlich schon), wären unten genannte Möglichkeiten für den Staat nicht mehr drin und es käme keine – in dem Sinne große Geldsumme mehr rein, sondern nur jene, vom attraktiven Angebot und das ist zuwenig. Sehr Traurig.

  2. Ich finde, vor allem für Filme fehlt ein vernünftiges Angebot.

    Bei Musik und Hörspielen/bücher bin ich mit dem Angebot von Amazon und den DRM-freien MP3 weitestgehend zufrieden, so sollte das auch bei Filmen sein (inkl. DD5.1 Ton), damit ich nicht an bestimmte Abspielgeräte gebunden bin.

  3. Hey, ich denke acta hat sehr viel mit dem Thema das du angesprochen hast zu tun. Könntest u dich darüber Volt mal informieren und darüber ausführlich aus deiner sicht berichten? Ich schreibe dies weil ich denke das acta das freie Internet in extrem hohen maße beeinträchtigen würde. Ich bin übrigens nicht der einzige der so denkt. Es haben schon über 1,5 Millionen Nutzer auf avaaz dagegen „unterschrieben“

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