Chargie C Basic – Der Retter des Smartphone-Akkus – Testbericht

Eine gute Akkulaufzeit ist für viele eine wichtiger Punkt bei der Auswahl eines Smartphones. Das gemeine dabei: Anders als die meisten anderen Features wird diese zunehmend schlechter. Diesen Effekt möchte die Firma Lighty Electronics mit dem Chargie verhindern.

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Das Gehäuse des Chargie besteht aus einem 3D-gedrucktem Kunststoff

Der Begriff Batterie Degradation ist noch nicht sehr bekannt. Die Auswirkungen allerdings kennt jeder. Das drei Jahre alte Smartphone läuft noch super, der Akku jedoch hält nur noch bis zum Nachmittag. Dieses Problem ist jedem schon begegnet und jeder, der vor hat ein Elektroauto zu fahren, wird irgendwann wieder darüber stolpern. Batterie Degradation beschreibt den Kapazitätsverlust eines Akkus, der mit dessen Alterung einher geht. Dieser Prozess kann nicht vollständig verhindert, durch gewisse Maßnahmen jedoch verlangsamt werden. Aktuelle Studien zum Thema Batteriealterung, die gerade im Hinblick auf die Elektromobilität immer wichtiger werden, zeigen dass ein SoC (State of Charge; eng. Ladezustand) zwischen 20-30% und 80% die Langlebigkeit des Akkus verbessern. Dieses Fenster wird auch von beinahe allen Autoherstellern für die Alltagsnutzung ihrer Elektroautos empfohlen. Bei den meisten Elektroautos kann im Energiemonitor ganz einfach das Ladeziel eingestellt werden und so der Akku geschont werden.

Bei mobilen Endgeräten wurden diese Mechanismen bisher nur vereinzelt eingesetzt. Das “optimierte Laden” das Apple mittlerweile auf dem iPhone, Apple Watch, Mac und sogar den AirPods eingeführt hat, ist wohl das bekannteste Beispiel. Der große Nachteil: Apple bietet keine Einstellungsmöglichkeiten, sondern versucht ein Muster beim Auflade-Verhalten zu erkennen. Dieses Problem soll der Chargie C Basic auf Hardware-Ebene lösen. Der Chargie ist etwas kleiner als eine tic tac-Dose und aus 3D-gedrucktem Kunststoff. Auf den ersten Blick hat das Gerät einen “selbst gebaut” Charakter, zeigte sich allerdings im Verlauf des Tests als überaus robust und stabil. Der Hersteller verspricht, noch in diesem Jahr auf Druckguss-Gehäuse umzusteigen. Der Chargie besitzt zwei USB-C Anschlüsse und wird zwischen Netzteil und Smartphone oder Tablet gesteckt.

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Der Chargie wird zwischen Netzteil und Smartphone geschaltet

Einrichtung und App

Die Einrichtung des Chargie ist einfach. Die App aus dem Play Store oder aus dem App Store herunterladen, das USB-C Kabel vom Netzteil an die weiße Seite des Geräts einstecken und die rote Seite mit dem Smartphone oder Tablet verbinden. Die App sucht anschließend selbständig nach dem eingesteckten Chargie und stellt eine Verbindung über Bluetooth her. Zur Identifikation des Chargies wird offenbar keine Datenverbindung über Kabel benötigt, da es auch mit dem USB-C Anschluss am Magic Keyboard für das iPad Pro, der keine Datenverbindung unterstützt, funktioniert hat. Es scheint so, als würde die App durch ein kurzes Unterbrechen des Ladevorgangs den korrekten Chargie erkennen. Sobald der Chargie angebundenen ist, wird der derzeitige Ladestand, das Ladeziel und die Ladeleistung angezeigt. Das erinnert von der Aufmachung her sehr an aktuelle Elektroautos. Mit einem Schieberegler kann das Ladeziel eingestellt werden. Ist dieses erreicht, wird der Ladevorgang beendet.

Alltagsnutzung

Ich habe den Chargie in verschiedenen Situationen getestet. Beim Laden über die Nacht, beim Nachladen über den Tag und beim Laden während der Nutzung. Alle drei Szenarien wurden sowohl mit diversen Smartphones als auch mit einem Tablet durchgespielt.

Laden über Nacht

Das ist wohl die Kernkompetenz des Geräts. Abends eingesteckt werden Geräte zuverlässig auf den gewünschten Ladezustand gebracht. Da ich Apps sehr gerne schließe, die Chargie App jedoch während des Ladens im Hintergrund laufen muss, habe ich mir auf meinen beiden iOS Geräten einen Shortcut erstellt, der die App öffnet, sobald ein Kabel eingesteckt wird. Bei Android ist das sogar noch einfacher. Eine Sorge die ich bei dem Konzept hatte, war dass der sogenannte Memory-Effekt eintreten könnte, sobald das Gerät den gewünschten Ladestand erreicht hat. Das heißt, dass der Chargie sofort nachlädt, sobald das Gerät durch den Standby-Verbrauch unter das eingestellte Ziel fällt. Das konnte ich bei den getesteten Geräten allerdings nicht feststellen. Die App bietet außerdem noch die Möglichkeit den Wert einzustellen, ab dem nachgeladen werden soll. Für Smartphones mit höherem Standby-Verbrauch kann es daher sinnvoll sein, diese Grenze etwas großzügiger einzustellen.

Laden über den Tag

Hierbei wird eine Schwäche des Chargie C Basic offensichtlich. Das Gerät ist nicht in der Lage mit mehr als 8W zu laden. Mal kurz wieder auf 80% aufladen wird dann zur nachmittagsfüllenden Aufgabe, gerade bei Smartphones mit großem Akkus oder Tablets. Um das Smartphone in der Mittagspause über den Nachmittag zu retten, sollte es allerdings ausreichen.

Laden während der Benutzung

Dabei kommt der gleiche Nachteil zum Vorschein wie beim Laden über den Tag. Bei meinem Test an einem iPad 12,9” mit Magic Keyboard wurde der Akku bei paralleler Nutzung nicht geladen, sondern hat sich lediglich langsamer entladen.

Kompatibilität

Ich habe den Chargie mit Vertretern beider großen Betriebssysteme getestet. Auf der iOS- und iPadOS-Seite waren ein iPhone 11 Pro Max ein iPad Pro 12,9 ein iPad Pro 11 vertreten. Die getesteten Android Smartphones waren ein Pixel 4a und ein Huawei P20 Pro. Das iPhone und das Pixel funktionierten ohne jegliche Probleme. Bei den iPads gab es lediglich ein Anpassungsproblem der App, da diese nur im Hochformat verfügbar ist. Einzig das Huawei P20 Pro hatte Probleme beim Verbinden des Chargies. Allerdings ist die Bluetooth-Schnittstelle bei diesem Gerät ein Schwachpunkt, hier sind bereits bei anderen Bluetooth-Geräten Probleme aufgetreten.

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Die iPadOS App leist leider nur im Hochformat verfügbar

Fazit

Während des Tests stellte sich für mich heraus, dass der Chargie dann sinnvoll ist, wenn das Smartphone oder Tablet über Nacht geladen wird. Bei diesem Szenario wird auch die längste Zeit bei einem Akkustand von 100% verblieben. Auch die vergleichbar langsame Ladegeschwindigkeit ist hierbei von Vorteil, da sie den Akku zusätzlich schont. Dennoch wäre eine regelbare Ladeleistung über 8W besser. Die Nutzer:innen könnten so selbst festlegen, wann schnell und wann langsam geladen werden soll. Abseits dessen ist der Chargie ein sinnvoller Helfer im Ladealltag, der gerade für Menschen, die ihre Geräte lange nutzen möchten, durchaus von Vorteil sein könnte. Lighty Electronics die Firma hinter Chargie hab bereits eine weitere Variante für Laptops angekündigt, die möglicherweise auch für Tablets geeignet ist.

Studie zu Alterungsmechanismen von Lithium-Ionen Batterien der TU Paderborn

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Konrad
1 Monat zuvor

Der Erfinder hat sich bei der getesteten Chargie Version bewusst für eine max. Ladeleistung von 8 W entschieden, da Schnellladen auch den Akku schädigt. Wer mit Chargie schneller laden möchte, sollte zur „alten“ Chargie Gold Edition greifen (https://chargie.org/chargie-features-tech/). Diese limitiert den Ladestrom nicht.

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