Der neue Audi A3 (2012): MMI Navigation plus, Audi connect und das MMX-Board mit Tegra-2-Chip

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Das Zeitalter des Infotainment

In der vergangenen Woche hatte ich die Chance den neuen Audi A3 zu testen und live mitzuerleben, wie das Credo von Audi – Vorsprung durch Technik – in der Praxis zum Ausdruck kommt. Es gibt bestimmte Dinge, die spielen bei einem Auto heutzutage noch eine genauso wichtige Rolle, wie bereits vor 50 Jahren – dazu gehören unter anderem das Design, die Leistung, die Verarbeitung und das Fahrverhalten. Neben diese Klassiker tritt nunmehr das Thema Infotainment, ein Portmanteau gebildet aus Information und Entertainment. In Zeiten, in denen wir de facto 24/7 vom Internet und den damit verbundenen multimedialen Inhalten und Diensten umgeben sind, möchten wir natürlich auch im Auto nicht auf diese Annehmlichkeiten verzichten. Mit der MMI Navigation plus, Audi connect und dem Modularen Infotainmentbaukasten (MIB) zeigt Audi im neuen A3 eindrucksvoll, wie die Zukunft des Infotainments aussieht.

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MMI Navigation plus mit MMX-Board: Hardware-Upgrade leicht gemacht

Noch vor ein paar Jahren war es ein echtes Highlight, wenn ein Auto ein Radio besaß, das sich mit einem MP3-Player koppeln ließ. Wer hätte damals gedacht, dass irgendwann ein aufrüstbarer Zentralrechner das Herzstück eines vernetzten Infotainment-Systems bilden wird? Im neuen Audi A3 nennt sich dieses Infotainment-System MMI Navigation plus, für die Vernetzung sorgt Audi connect. Der dazugehörige Zentralrechner setzt erstmalig auf die Technologien des Modularen Infotainmentbaukastens (MIB) von Audi und beinhaltet das sogenannte MMX-Board (Multi-Media eXtension).

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Das MMX-Board zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass es als Steckmodul konzipiert ist. Soll heißen: wenn euch der aktuelle T 20-Grafikprozessor aus der Tegra-2-Serie von Nvidia irgendwann zu langsam wird, könnt ihr diesen einfach gegen eine neuere Version austauschen und das ohne gleich ein neues Auto oder einen neuen Zentralrechner kaufen zu müssen. Für die aktuellen 3D-Darstellungen des MMI-Systems mag der Tegra-2-Chip noch ausreichend sein, aber jeder, der die Entwicklungen im Smartphone- und Tablet-Markt mitverfolgt, weiß, wie schnell Hardware veraltet. Dennoch steht außer Frage, dass Audi mit dem MMX-Board vielmehr zeigt, was technisch bereits machbar ist, als dass man tatsächlich davon ausgeht, dass der Großteil der Käufer auch tatsächlich von dieser Option Gebrauch macht.

 

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Neben dem Zentralrechner (dieser verfügt nebenbei bemerkt über 10 GB Flash-Speicher für Musik, ein DVD-Laufwerk, zwei SDXC-Kartenleser und ein UMTS-Modul) gehören ein hochauflösender 7-Zoll-Monitor mit einem Gehäuse aus Magnesium und das Bedienterminal mit MMI touch zur MMI Navigation plus. Für mich persönlich besonders wichtig: das nur elf Millimeter dicke 7-Zoll-Display verschwindet komplett in der Instrumententafel, wenn man den Motor ausschaltet.

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Audi hat sich bei seinem Infotainment-System gegen einen Touchscreen entschieden, weshalb dem Bedienterminal in der Mittelkonsole eine zentrale Bedeutung zukommt. Dieses besteht aus Kipptasten, der Menu- und Back-Taste, sowie dem Dreh-/Drück-Steller („touch wheel“) mit integriertem MMI touch. Meiner Ansicht nach wäre die Bedienung via Touchscreen wesentlich einfacher und intuitiver, dafür aber im Straßenverkehr gefährlicher. Um mit dem MMI-Bedienterminal wirklich mühelos durch die Menüs des MMI-Systems navigieren zu können, muss man sich schon etwas Zeit nehmen und dessen einzelne Funktionen studieren. Sobald man sich aber daran gewöhnt hat, ist die Bedienung kinderleicht.

Die Funktionsweise von MMI touch habt ihr bereits im Video kennengelernt: man schreibt mit dem Finger Buchstaben und Zahlen auf die Oberfläche des „touch wheel“ und kann so beispielsweise Orte oder Adressen eingeben – ein echter Eyecatcher, auch wenn die herkömmliche  Auswahl der Buchstaben über den Dreh-/Drück-Steller mit unter schneller gelingt. Wer seine Händer am Steuer lassen will, kann alternativ auf eine intelligente Sprachsteuerung zurückgreifen.

Audi phone box

Wer viel fährt, der muss auch im Auto stets mobil erreichbar sein. Um die optimale des Mobiltelefons im neuen Audi A3 zu gewährleisten, bietet Audi die so genannte Audi phone box an. Bei dieser handelt es sich um ein dediziertes Fach in der Mittelkonsole, in der das Telefon aufbewahrt wird. Über eine integrierte Planar-Antenne, die via Nahfeld-Kopplung mit dem Handy kommuniziert, werden dessen Signale an die Fahrzeugantenne geleitet. Das Resultat: keine SAR-Strahlung im Fahrzeuginnenraum und somit auch keine Interferenzen. Um ein Mobiltelefon mit der MMI Navigation plus zu koppeln, kann man entweder auf Bluetooth oder den integrierten USB-Anschluss zurückgreifen, der gleichzeitig eine Lademöglichkeit darstellt. Die Bedienung erfolgt auch hier über das MMI-Bedienterminal. Künftig soll eine weitere Option hinzukommen: das kontaktlose Aufladen via Induktion. Sicherlich eine spannende Sache, da man sich so das zusätzliche Kabel sparen kann.

In der Praxis erwies sich die Audi phone box dahingehend als praktisch, dass in meinem Fall das iPhone sicher und unsichtbar verstaut war und ganz wichtig: es wurde mit Strom versorgt. Theoretisch kann man sein Smartphone aber auch einfach in der Hosentasche aufbewahren und via Bluetooth mit dem MMI-System koppeln. Wirklich interessant wird die Audi phone box tatsächlich erst dann, wenn kontaktloses Laden möglich sein wird.

 

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Audi connect

Eingangs wurde bereits erwähnt, dass der Zentralrechner der MMI Navigation plus über ein UMTS-Modul verfügt (in naher Zukunft über ein LTE-Modul). Genau dieses ist auch nötig, wenn ihr Audi connect in Anspruch nehmen möchtet. Wichtig: ihr braucht dazu eine datenfähige SIM-Karte oder alternativ ein Smartphone, das das SIM Access-Profil unterstützt. Die einfachste Lösung erscheint mir persönlich in diesem Fall eine Multi-SIM-Karte im Rahmen eines bereits vorhanden Mobilfunkvertrags mit Datentarif zu beantragen.

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Audi connect bietet dem Fahrer eine ganze Reihe interessanter Features, von denen ich hier nur einige herausgreifen möchte. Etwa den WLAN-Hotspot, den das MMI-System erzeugen kann und über den beispielsweise Beifahrer während der Fahrt mit dem Notebook ins Internet gehen können. Im Prinzip also eine Tethering-Funktion.

Wem die herkömmliche Navigation zu langweilig ist, der kann sich die Routen mit Bildern von Google Earth unterlegen lassen, in unübersichtlichen Städten kommt dem orientierungslosen Fahrer die 360°-Panorama-Ansicht von Google Maps Street View zur Hilfe. Natürlich fehlt auch eine Point-of-Interest-Suche bei Google nicht, die sich komfortabel via Spracheingabe bedienen lässt. Aktuelle Flug- und Zug- oder Veranstaltungsinformationen? Auch kein Problem!

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Und dann gibt es da noch die Audi connect Dienste für den internetaffinen Nutzer: einen RSS-Reader, eine Facebook- und eine Twitter-App. Diese wurden so konzipiert, dass sie auch während der Fahrt gefahrlos genutzt werden können, was natürlich dazu führt, dass sie in ihrem Funktionsumfang eingeschränkt sind. So lassen sich die Nachrichten aus dem RSS-Reader während der Fahrt per Vorlesefunktion wiedergeben, während für Twitter vorgefertigte Textbausteine zur Verfügung stehen, die auf Wunsch mit der aktuellen Position kombiniert werden können. In Ermanglung einer SIM-Karte war es mir während meiner Probefahrt auf Mallorca leider nicht möglich, diese Dienste zu nutzen, ich bin allerdings guter Dinge, dass ich euch einen entsprechenden Praxistest bald nachliefern kann.

Ein Blick in die Zukunft

Während meiner Zeit auf Mallorca hatte ich mehrfach die Gelegenheit mich mit Mitarbeitern der Entwicklungsabteilung von Audi zu unterhalten und habe dabei festgestellt, dass im Bereich des Infotainment in den kommenden Jahren noch so einiges zu erwarten ist. Mit dem MMX-Board haben wir schon heute den Punkt erreicht, an dem Hardware-Updates zum Kinderspiel werden, während Audi connect Apps, die wir bislang eher von Smartphones und Tablets kennen, auch während der Autofahrt nutzbar macht.

Das Thema LTE wird in Deutschland von vielen nach wie vor eher stiefmütterlich behandelt und das obwohl genau darin die Zukunft liegt. Erst die enormen Datenübertragungsraten, die der LTE-Standard möglich macht, werden es Herstellern wie Audi erlauben, Systeme wie Audi connect weiter auszubauen. Ich denke dabei etwa an Karten-Updates im Hintergrund, die Integration von VoIP-Lösungen und eine optimierte Vernetzung von Auto und Smartphone.

Gleichzeitig wird auch das Thema Apps an Bedeutung gewinnen. Ein hauseigener App Store von Audi ist nur noch eine Frage der Zeit. Freilich wirken die Facebook- und Twitter-App derzeit noch etwas spartanisch und gewöhnungsbedürftig, aber das war in den Anfangszeiten von Android und iOS nicht anders. Die Entwicklung von Apps, die im Funktionsumfang nicht zu eingeschränkt sind, sich aber gleichzeitig gefahrlos während der Fahrt bedienen lassen, stellt in meinen Augen eine große Herausforderung dar. Die Zukunft wird zeigen, wie Audi diese meistert.

Damit ist natürlich längst noch nicht alles zu diesem Thema gesagt, aber zumindest der Rahmen für die noch folgende, detailliertere Betrachtung der einzelnen Features geschaffen. Seid gespannt, was die Zukunft bringt. Ich bin es auch.

Frank Feil

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Computerisierung des Automobils schreitet unaufhörlich voran. Schön, daß gerade AUDI eine Vorreiterrolle spielt. So sind diese Autos nicht einfach nur klasse vom Design her, sondern gehören zu den Fortschrittlichsten der Welt. In Abwandlung des Armstrong-Mond-Zitats ist jetzt sicher, dies ist nur ein kleiner Schritt zur Fahrzeug-Vernetzung, aber ein großer Schritt zum selbstfahrenden Automobil und das dann auch im wahrsten Sinne des Wortes.

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  4. U-Connect von Dodge, Chrysler und Jeep ist wesentlich besser – das System von Audi wirkt wie aus einer längst vergangenen Zeit … echt schade …

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