Der neue Messaging-Dienst von Facebook

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Die Katze ist aus dem Sack: Es wird sich nicht um einen reinen E-Mail-Dienst handeln, was Facebook da als “Projekt Titan” am laufen hatte, sondern um einen universellen Messaging-Dienst, der E-Mail, SMS und Chat zusammenfasst.

Jeder Teilnehmer hat bei Facebook eine so genannte “Social Inbox” in der der Konversationen nach Personen getrennt angezeigt werden – so jeder Person kann man alles übersehen, was man sich jemals gegenseitig geschrieben hat; natürlich sofern es über Facebook lief. Dabei sollen E-Mail, SMS und Chat zusammengefasst werden.

Der neue Dienst ist nicht auf Facebook selbst beschränkt, sondern soll zu einem späteren Zeipunkt auf freie Protokolle wie IMAP oder Jabber unterstützen. Allerdings startet “Messages” ohne IMAP – für die ersten Nutzer wird es also auf unbestimmte Zeit nicht möglich sein, per E-Mail-Programm auf die Social Inbox zuzugreifen.

Nachrichten innerhalb des Systems werden bevozugt: Wer eine Mail an irgendwen@facebook.com schickt, landet zunächst in einem separaten Ordner, kann aber vom Empfänger als “wichtige Person” markiert und “hereingeholt” werden. Ob und in welchen Umfang Facebook soziale Graphen von Nichtmitgliedern, die Mitgliedern eine Nachricht schicken, anlegen wird, ist nicht bekannt.

Übrigens hat Microsoft sich an der Entwicklung beteiligt und dafür gesorgt, dass der neue Dienst Office-Dateien korrekt anzeigen kann. Mit ein bisschen Glück wird Ballmer es also schaffen, die Pest der Nullerjahre – per E-Mail versendete Worddateien anstatt einer einfachen Mail – auch ins kommende Jahrzehnt zu retten.

Bedenklich stimmt der bisher großzügige Umgang von Facebook mit unseren Daten und – wenn ich die Antwort auf die Presseanfragen richtig  verstehe – die fehlende Möglichkeiten, Nachrichten im Facebook-System zu löschen, da dies – so Zuckerberg – “keinen Sinn ergebe”. Trotzdem setzt der Run auf den Dienst ein: Einladungen zur geschlossenen Beta werden bereits auf Ebay versteigert – wenn auch für einen guten Zweck.

Ich bin mir sicher, dass auf mittlere Sicht dieses System weder die E-Mail noch die SMS verdrängen wird, schon alleine, weil es sich um getrennte Systeme handelt, die jeweils einem bestimmten Zweck dienen – so wie sich Auto, Bahn und Flugzeug ergänzen. Für Google bedeutet der Dienst dennoch eine Bedrohung. Wie ein böses Omen ist dann auch ausgerechnet gestern Google Mail vorübergehend ausgefallen.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=bdzuFG6q63k[/youtube]

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