Elektromobilität: BMW i3 (94Ah) im Test – (etwas) mehr Reichweite

Seit einigen Monaten liefert BMW die optisch leicht überarbeitete Version des Elektroautos i3 aus. Ein größerer Akku (94 Ah, 33 kWh) verspricht bei dem neuen Modell eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Ich habe den BMW i3 zwei Wochen lang in meinen Alltag integriert und die Reichweite genauer unter die Lupe genommen.

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Bei Elektromobilität muss man umdenken. Daran führt kein Weg vorbei. Die angestammten Fahrgewohnheiten ändern sich – und man nimmt das Thema Mobilität mit einem Mal ganz anders war. Man tankt weder Diesel noch Benzin, sondern Strom. Das ändert alles. Während ich mit einem Verbrenner 800 Kilometer fahren und dann innerhalb von zwei Minuten den Tank wieder auffüllen kann, muss ich bei einem Elektroauto die Reichweite stets im Blick behalten. Auf längeren Strecke muss ich Zwischenstopps so planen, dass ich die nächste Ladesäule auch bei unvorhergesehenen Ereignissen (größere Umfahrungen) erreiche. An dieser muss ich dann allerdings nicht zwei Minuten, sondern mindestens eine halbe Stunde Pause einlegen.

Deutschland hat ein Infrastrukturproblem

All das setzt aber eine tadellose Ladeinfrastruktur voraus, die es in Deutschland (derzeit) nicht gibt:

  • gerade im ländlichen Raum gibt es so gut wie überhaupt keine öffentlichen Ladesäulen.
  • in Großstädten sind die Ladesäulen häufig von Car-Sharing-Anbietern (car2go, DriveNow, etc.) belegt.
  • alternativ findet man häufig auch „normale“ Autos auf den in der Regel sehr zentral gelegenen Parkplätzen für Elektroautos. Das ist zwar verboten, aber das hilft einem auch nicht weiter, wenn der Akku leer ist.
  • ebenfalls sehr beliebt ist folgende Meldung auf dem Display von Ladestationen: „Säule defekt. Bitte kontaktieren Sie den Betreiber!“
  • eines meiner persönlichen Highlights war eine Ladestation in einem Dorf, die man telefonisch von der Gemeinde aktivieren lassen musste. Dumm nur, dass es Sonntag war und dementsprechend auch niemand erreichbar war.
  • die Krönung des Ganzen sind allerdings die jeweiligen Netzbetreiber, die in so gut wie jeder Stadt ihr eigenes Süppchen kochen. Dazu muss man wissen, dass man an Ladesäulen im Regelfall weder mit einer Kreditkarte noch anderweitig bargeldlos bezahlen kann. Man kann überhaupt nicht vor Ort bezahlen. Man muss sich vorher beim jeweiligen Netzbetreiber angemeldet haben und eine entsprechende Ladekarte besitzen. Pro Stadt quasi eine Ladekarte.
  • um das Problem zu lösen, haben einige Autohersteller Kooperationen mit den Netzbetreibern geschlossen. Bei BMW heißt das ChargeNow. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, aber wie man der Karte unten entnehmen kann, beschränkt sich die Abdeckung hier auch in erster Linie auf größere Städte. Ich wohne beispielsweise in der Nähe von Mühlacker, wo es im Umkreis von 35 Kilometern (je nach Richtung sogar mehr) nicht ein einzige ChargeNow-Ladestation gibt.

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Damit dürfte klar sein, dass das Aufladen eines Elektroautos im öffentlichen Raum keine ganz so einfache Angelegenheit ist. Umso wichtiger ist es deshalb, dass ein E-Auto schon von Haus aus eine hohe Reichweite besitzt – und das bringt uns direkt zum neuen BMW i3.

Der Unterschied zwischen theoretischer und tatsächlicher Reichweite

Vor etwas über einem Jahr hatte ich die ältere Version des BMW i3 zum ersten Mal in meiner Garage stehen – und an meinem damaligen Urteil hat sich nichts geändert: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der i3 eines der am hochwertigsten verarbeiteten Elektroautos auf dem Markt ist. Da kann sich selbst Tesla eine Scheibe abschneiden. Über das Design des i3 kann man sich freilich streiten, aber was Komfort, Infotainment und Assistenzsysteme betrifft, ist der Elektroflitzer aus München eine runde Sache. Wer dazu mehr erfahren möchte, findet hier meinen ausführlichen Testbericht.

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Wenden wir uns nun also dem Thema Reichweite zu, denn darum geht es ja schließlich bei der 94 aH-Variante des BMW i3. Vorneweg kann ich gleich sagen, dass die ab und an genannte Reichweite von 300 Kilometern ein reiner Fantasiewert ist, den man allenfalls dann erreicht, wenn man im Hochsommer mit ausgeschalteter Klimaanlage eine leicht abschüssige Straße hinunterrollt. Selbst BMW macht daraus kein Geheimnis, wenngleich ich der Meinung bin, dass man im Sinne des Kunden die 300 Kilometer überhaupt nicht erst ins Spiel hätte bringen sollen:

BMW i3 (94 Ah) mit reinem Elektroantrieb BMW eDrive:
Stromverbrauch in kWh/100 km (kombiniert): 13,1 – 12,6
CO2-Emissionen in g/km (kombiniert): 0
Reichweite rein elektrisch in km: 300
Alltagsreichweite in km: bis zu 200

Man muss sich die Formulierungen ganz genau anschauen: Die rein elektrische Reichweite ist mit 300 Kilometern angegeben. Die Alltagsreichweite hingegen wird auf „bis zu 200 Kilometer“ beziffert. Letztendlich sagt das nichts anderes aus, als dass der neue BMW i3 mit 94 aH in der grauen Theorie zwar 300 Kilometer schaffen kann, es tatsächlich aber auf weniger als 200 Kilometer bringt – deshalb der Zusatz „bis zu“.

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Der BMW i3 mit 94 aH hält länger durch, ist aber kein Reichweiten-Wunder

Nachdem das geklärt wäre, kommen wir nun zu den Erkenntnissen meines Tests. Zwei Wochen war der BMW i3 mein Begleiter im Alltag. In diesem Zeitraum habe ich unterschiedliche Szenarien durchgespielt und mehrere hundert Kilometer zurücklegt – innerorts, auf der Landstraße und auf der Autobahn.

Folgendes lässt sich festhalten:

  • 200 Kilometer (unter umständen sogar ein paar Kilometer mehr) schafft derjenige, der bereit ist, sich voll und ganz auf eine effiziente Fahrweise zu konzentrieren. Soll heißen: kein unnötiges Beschleunigen, die Rekuperation voll ausnutzen, vorausschauendes Fahren und die Klimaanlage nicht auf der höchsten Stufe laufen lassen. Außerdem sollte man die Autobahn und Geschwindigkeiten von über 100 km/h meiden.
  • 180 Kilometer erreicht man, wenn man es mit der effizienten Fahrweise nicht ganz so genau nimmt.
  • 160 Kilometer weit bin ich in meinem „Härtetest“ gekommen. Dabei habe ich an den Ampeln immer schön Gas gegeben, mit der Bremse statt der Rekuperation gearbeitet und auf der Autobahn auch mal auf 150 km/h beschleunigt (dann riegelt der i3 automatisch ab). Natürlich liefen auch das Radio und die Heizung.

Dennoch ist nicht auszuschließen, dass der ein oder andere von euch vielleicht mal nur 150 Kilometer weit kommt – oder aber auch 220 Kilometer schafft. Das liegt ganz einfach daran, dass die Reichweite von vielen Faktoren beeinflusst wird – allein das Einschalten der Klimaanlage kostet euch unter Umständen schon 10 Kilometer. Weiterhin spielen das Höhenprofil der Strecke sowie die Witterungsbedingungen eine Rolle.

Der Erzfeind eines Elektroautos ist beispielsweise der Winter. Durch die niedrigen Temperaturen reduziert sich die Speicherkapazität der Batterie. Zugleich ist es draußen kalt und dunkel, weshalb man nicht ohne Heizung und Licht auskommt. Die Reichweite des i3 (und auch aller anderen Elektroautos) sinkt drastisch. Das ist zwar kein Drama, aber man muss es wissen, wenn man beispielsweise als Pendler jeden Tag eine größere Strecke zurücklegen muss.

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Fazit zum BMW i3: Erstklassiges Elektroauto für den Alltag

Der BMW i3 kostet in meiner Wunschkonfiguration (ohne Range Extender) knapp 46.000 Euro. Das ist viel Geld für einen Kleinwagen – und machen wir uns nichts vor: die 4000 Euro Elektroprämie vom Staat ändern daran auch nicht viel. Wer allerdings bereit dazu ist, das Geld auf den Tisch zu legen, bekommt mit dem BMW i3 ein wirklich ausgezeichnetes Elektroauto. Der i3 steht den anderen Modellen von BMW in puncto Qualität und Komfort in nichts nach – nur dass er eben rein elektrisch angetrieben wird.

Eingangs habe ich dargelegt, dass man sich in Deutschland nicht so wirklich auf die öffentliche Ladeinfrastruktur verlassen kann. Eben aus diesem Grund war es mir auch wichtig, dass ich immer genug Reichweite habe, um ohne aufzuladen wieder in meine Garage zu kommen – und genau das stellt der i3 mit dem größeren Akku sicher. Während es die 60-aH-Batterie im i3 in meinem Test im vergangenen Jahr nur auf 120 bis 140 Kilometer gebracht hat, schafft die 94-aH-Version 180 bis 200 Kilometer. Das sind genau die 40 bis 60 Kilometer mehr, die gewährleisten, dass ich ohne Sorgenfalten auf der Stirn von mir aus nach Stuttgart fahren kann – auch im Winter. Der BMW i3 ist für mich nun alltagstauglich.

Veröffentlicht von

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Dann doch lieber einen Renault Zoe oder den kommenden opel ampera e bzw hyundai inoic electric. Die sind alle auf jeden Fall günstiger und mit mehr Reichweite versehen. Nichts gegen den i3, aber BMW muss sich 2017 mächtig ins Zeug legen!

  3. Pingback: Nissan Leaf im Test: Geräumiges Elektroauto mit Schwächen - STEREOPOLY

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