Facebooks Abhängigkeit von Zynga (Farmville und Co.)

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Facebook wird an die Börse gehen, das wurde jetzt bekannt und uns ermöglicht es einen Einblick in die Finanzlage des Unternehmens bekommen. Gar nicht so uninteressant, denn da Facebook für seine Nutzer kostenlos ist, fehlt vielen die Vorstellungskraft, wie man trotz allem mit der Seite Geld verdienen kann. Dabei ist ein interessantes und pikantes Detail ans Tageslicht gekommen.

Dass Facebook viel durch Werbung verdient, haben wir uns alle schon länger gedacht. Die Anzeigen von Facebook sind sehr präsent. 12 Prozent der Einnahmen des Unternehmens stammen allerdings allein aus der Zusammenarbeit mit Zynga, einem Browsergame-Spieleentwickler. Zynga kennt vermutlich jeder Facebooknutzer, wenn man einmal Namen wie “FishVille”, “FarmVille” und “CityVille” fallen lässt. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie, doch Zynga ist mit seinem Spielprinzip erfolgreich.

Zyngas erfolgreiches Spielprinzip

Beginnt man das Spiel, ist es relativ einfach Erfolge zu verbuchen. Die ersten Level-Ups bekommt man meist schon in der ersten Spielstunde. Danach, wenn man bereits relativ weit gekommen ist, greift eine Methode, die diese Spiele überhaupt erst lukrativ macht. Um weitere Level-Ups zu bekommen, muss man Freunde finden. Man muss also seine Kontakte dazu bekommen, selbst bei diesen Spielen mitzumachen. Aber das ist noch nicht alles, denn um Aufgaben in diesen Spielen zu erledigen, muss man Items sammeln die einem andere Spieler schenken. Das geht nur über die jeweiligen Pinnwände der Spieler. Braucht man also 40 Items einer speziellen Sorte, um mit dem Spiel überhaupt weiterzukommen und jeder Spieler kann dieses Item nur einmal am Tag verschenken, müssen die Spieler mehrere Tage lang hintereinander die Suchanfragen an ihre Pinnwände posten, um das Spiel weiterspielen zu können.

Zusätzlich werden monotone und aufwändige Spielaktionen eingebaut, zum Beispiel das Ernten und Anbauen von Pflanzen bei FarmVille, bei denen der Spieler stundenlang nur das Gleiche macht. Um diese monotonen Aufgaben zu erleichtern, werden spezielle Items angeboten, mit denen man zum Beispiel schneller ernten oder anbauen kann. Diese muss man allerdings mit richtigem Geld bezahlen.

Wieso machen die Spieler das aber? Durch das Sammeln der Kontakte auf Facebook entsteht im Spiel eine Rangliste derer, die besonders erfolgreich spielen. Hier wird das nur allzu menschliche Verlangen ausgenutzt, sich mit anderen zu vergleichen und besser zu sein und damit schließt sich der Kreis. Diese Spiele haben einen nicht zu leugnenden Suchtfaktor und es kommen regelmäßig Neue dazu.

Ich wage es sogar zu behaupten, dass Facebook ohne diese Spiele nie hätte so wachsen können, denn viele meiner Kontakte sind fast ausschließlich auf Facebook um diese Games zu spielen.

Wenn man einen Einblick in das Spielprinzip von Zynga bekommen hat, versteht man, dass Facebook hier in einer Anhängigkeit zu Zynga steht, die sich nicht nur dadurch bemerkbar macht, dass allein 12 Prozent der Einnahmen von Facebook durch Zynga generiert werden, sondern auch, weil viele Nutzer Facebook als Spieleplattform nutzen. Ohne Zynga würden nicht nur die Einnahmen wegfallen sondern auch sehr viele User, die täglich mehrere Stunden Facebook und die Spiele intensiv nutzen, sich mit anderen Spielern vernetzen und eine gewaltige Menge an Pinnwandeinträgen generieren. Das macht sich natürlich auch gut für Facebooks Statistik.

Zynga hat ein Druckmittel, Facebook aber auch

Dass Zynga Druck auf Facebook ausüben kann, merkte man bereits 2010, als FarmVille anfing zu wachsen und auch andere Medien über den Erfolg der Social Games berichteten. Facebook wollte eine virtuelle Währung einführen, mit der man in allen Spielen hätte bezahlen können. Man unterbreitete Zynga den Vorschlag und diese fanden die Idee nicht gut, denn Zynga benutzt in jedem Spiel eine andere, eigene virtuelle Währung, die nicht auf andere Spiele übertragbar ist. Facebook forderte auch, dass Zynga-Spiele ausschließlich auf Facebook integriert werden und im ersten Anlauf damit damit. Als Folge dessen schaltete Facebook die wichtigen Spieler-Benachrichtigungen für die Zynga-Spiele ab um Zynga unter Druck zu setzen.

In diesem Konflikt zwischen Zynga und Facebook öffnete Zynga die Seite Farmville.com, auf der man, auch ohne Facebook besuchen zu müssen, Farmville spielen kann. Man braucht sich nur mit seinem Facebookprofil zu verbinden und kann direkt spielen. Man kündigte zudem an, Facebook den Rücken zu kehren und eine eigene Spieleplattform zu gründen. Facebook war klar, dass die Spieler Zynga folgen würden. Kurz darauf lenkte Facebook ein und man einigte sich. Im Mai 2010 wurde eine über fünf Jahre gehende Übereinkunft getroffen, in der Facebook an allen Einnahmen Zyngas, die über die virtuelle Währung generiert werden, mit 30% beteiligt wird. Facebook garantiert Zynga eine feste monatliche Anzahl an aktiven Spielern und Zynga verwendet dafür Facebook Payment für seine Spiele und darf diese nur exklusiv auf Facebook einsetzen. Zusätzlich muss für die Veröffentlichung eines jeden neuen Spiels eine Erlaubnis von Facebook eingeholt werden.

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Solange beide mitspielen, sind Erfolge garantiert

Facebook ist Abhängig von Zynga und Zynga abhängig von Facebook. Denn beide gewinnen durch ihre Kooperation mehr und mehr Nutzer und generieren unglaubliche Gewinnsummen, aber diese Kooperation kann nur erfolgreich sein, solange es beiden Firmen gut geht und man sich einig ist. Zynga hat seine Pläne einer eigenen Spieleplattform noch nicht verworfen. Im Juni letzten Jahres äußerte man sich dazu, dass man immer noch die Pläne dazu hätte und man die Plattform mit Facebook verknüpfen wolle. Es könnte allerdings auch ein erster Schritt weg von Facebook sein, wenn die Vereinbarungen im März 2015 auslaufen.

– Quellen: TheVerge, Zynga
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[…] Network aufbauen. Langfristig scheint man sich von Facebook also abnabeln zu wollen. Facebook, die allein 12 Prozent ihrer Gesamteinnahmen durch Zynga generieren werden sich etwas einfallen lassen müssen, um ihr Netzwerk weiterhin attraktiv genug zu […]

[…] was Datenschutz betrifft. Einen Großteil der Nutzer interessiert das nicht, solang sie ihre virtuellen Farmen und Aquarien pflegen können. Jetzt möchte Facebook noch mehr von euch haben. Einige Nutzer bekommen nach dem Einloggen […]

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