Fahndung über Facebook bald Alltag: Große Reichweite Fluch und Segen [Meinung]

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In Niedersachsen gehört die Fahndung der Polizei über Facebook schon zum Alltag – und das mit Erfolg. Hat man sich bei schweren Vergehen bislang an die Bewohner per Tageszeitung gewandt, erkannte man schnell die Vorteile des Millionen-Netzwerks. Lokale Tageszeitungen werden meist von den älteren Menschen gelesen, auf Facebook ist vor allem aber die jüngere Bevölkerungsschicht vertreten.

Wird eine Fahndung über die Tageszeitung veröffentlicht, dauert es bis zum nächsten Tag bis die Leute davon erfahren. Bei Facebook bekommt die Polizei manchmal schon 10 Minuten nach der Veröffentlichung Feedback. Laut der Polizei Hannover sind die Rückmeldungen über Facebook oft sehr hilfreich und so konnten acht Fahndungsfälle bei denen es unter anderem auch um vermisste Kinder ging, bereits über Facebook aufgeklärt werden.

Neben den offensichtlichen Vorteilen der hohen Vernetzung und der Schnelligkeit des Internet, gibt es auch Kritik an diesem Modell. Ist zum Beispiel eine zur Fahndung ausgeschriebe Person unschuldig, spielt es keine Rolle, dass die Polizei die Daten wieder von ihrer Faceookseite nimmt. Das Internet als das größte Datenarchiv der Welt sammelt auch diese Informationen und macht sie zeitlich unbegrenzt für jede Person verfügbar. Menschen speichern und teilen weiter. Nicht nur auf Facebook sondern überall.

Facebook Fahndung über Facebook bald Alltag: Große Reichweite Fluch und Segen [Meinung] Technologie

Dementsprechend ist auch das Argument des niedersächsischen Innenministeriums, dass man Tageszeitungen auch nicht mehr zurückbekommen könne nicht zutreffend. Eine Tageszeitung hat eine Gültigkeit von einem Tag. Danach wird sie in den meisten Fällen entsorgt oder recycelt. Die Lebensdauer einer Meldung dieser Art ist also sehr kurz. Im Internet kann aber nicht nur jeder die Informationen sehen und lesen und das zu jeder Zeit, Nutzer können sie auch herunterladen, speichern und dublizieren, indem sie Fotos und Meldungen erneut teilen. Das macht das Internet unberechenbarer als eine Tageszeitung.  Auch dass die Fahndung auf einer Plattform stattfindet, die bekannt dafür ist, keine Daten endgültig zu löschen, könnte man als Argument in diese Diskussion werfen.

Was nun aber wichtiger ist – Fahndung oder Persönlichkeitsrechte – kommt auf die jeweilige Person an, die man fragt. Für die Polizei sind die Fahndungserfolge wichtiger und Personen nach denen man zu Unrecht fahndet, sind da dann das Opfer, das man für eine hohe Aufklärungsquote bringen muss.

Fahndungsplakat Fahndung über Facebook bald Alltag: Große Reichweite Fluch und Segen [Meinung] Technologie

Ich persönlich sehe natürlich auch die Vorteile der Fahnung über Facebook, aber nur weil etwas der leichteste Weg ist, muss es nicht unbedingt der beste Weg sein. Erst recht, dass Faceook als Plattform gewählt wurde, finde ich ungeschickt. Die Polizei gibt sensible Daten in die Hand einer kommerziellen Plattform und nimmt in Kauf, dass unschuldige Personen an einen öffentlichen Internetpranger gestellt werden und ihre Fotos vermutlich für immer im Netz bleiben. Auch ist der „Mob“ der wütenden Masse unberechenbar. Von der Unschuldsvermutung, die bis zum Urteil durch einen Richter gilt, haben die wenigsten User schon etwas gehört und gerade bei sensiblen Themen zum Beispiel Straftaten in die Kinder involviert sind, entsteht schnell eine Eigendynamik mit dem Ziel, dass User die Betrafung selbst in die Hand nehmen wollen – Stichwort Selbstjustiz.

Ich halte diese Art und Weise der Fahndung nicht nur für falsch, sondern auch für gefährlich und denke, dass nicht nur das Innenministerium in Niedersachsen durch seine Aussage bewiesen hat, dass sie die Macht des Internets unterschätzen, sondern auch sämtliche Verantwortliche, die nun überlegen, diese Fahndungsweise bundesweit einzuführen.

Was haltet ihr von der Fahndung über das Internet und vor allem über Facebook. Findet ihr es hilfreich oder seht ihr es ähnlich kritisch wie ich?

Polizei Hannover auf Facebook

– via WDR 5 / Fahndungsplakat CC by mkorsakov –

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Facebook und Facewatch: Fahndung à la “Aktenzeichen XY … ungelöst” im 21. Jahrhundert | @frankfeil

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