Google’s Vision vom sozialen Netz

Google-Social Google's Vision vom sozialen Netz Google Netzwelt Technologie

Wie viele von Euch eventuell (oder wahrscheinlich nicht) mitbekommen haben, hat irgend so ein Irrer das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Google seine Pläne für ein soziales Netz noch lange nicht aufgegeben hat. Nun ja, dieser Irre, das war ich. Leider hat die Medienlandschaft nur einen kleinen Teil meiner umfangreichen Recherchen veröffentlicht, was zu einer Verzerrung von Tatsachen führen könnte. Slashgear war eine der wenigen Seiten, die das Thema kritisch beleuchtet und sich auch tatsächlich mit meinem Fund beschäftigt haben (so irgendwie halt.)

Ich möchte mit diesem Artikel einen besseren Überblick über Googles Pläne geben und die Gründe, warum Google’s Social Net die Grundfesten der bestehenden Bastionen sozialer Netzkultur erschüttern könnte. Hierbei handelt es sich um die Interpretation all der Hinweise, die ich im Code von Google-Produkten gefunden habe. Dies alles ist höchst spekulativ und sicher nicht zuverlässiger, als die Zukunft mit Hühnerknochen vorauszusagen.

Zuallererst werde ich die Probleme gegenwärtiger sozialer Netze beleuchten, damit die Problematik des Begriffs „Social Media“ an sich verdeutlicht wird.

Information wird zum Wegwerfprodukt.

Alle sozialen Netze haben wie die Wirtschaft ein Problem: Sie rechnen mit und setzen auf unbegrenztes Wachstum. Die meisten Unternehmen mögen auf ein gewisses Maß an konstantem Wachstum angewiesen sein, um gegenüber der Konkurrenz bestehen zu können. Doch leider hat dieses System einen Haken: Es gibt die Critical Mass. Ein Punkt, an dem weiteres Wachstum aufgrund von strukturellen Gegebenheiten und dynamischen Faktoren nicht mehr möglich ist. Ist dieser Punkt erreicht, kann die Eigenmasse nicht mehr aufrecht erhalten werden – das System kollabiert. Die Blase platzt.

Doch es ist einfach zu behaupten, es sei so, ohne die Gründe dafür zu nennen.

Die Ursachen sind im Prinzip sehr simpel:
Die Methoden, die verwendet wurden bzw. sich manifestiert haben (aufgrund von Schwarmintellenz [ja das hab ich bewusst so geschrieben] und Gruppendynamik), um neue Nutzer zu generieren, waren zu sehr darauf ausgerichtet, dass, wie bei der Bildung eines Hagelkorns, das Wachstum von einem zentralen Objekt, einem Keim, ausgehen muss.

User werben User. Klingt doch eigentlich ganz gut, oder nicht?

Für die ersten Jahre im Leben einer sozialen Plattform mag das funktionieren, doch sehen wir uns mal genauer an, was bei diesem Modell passiert:

Die User werden konstant dazu gedrängt/angehalten, ihre „sozialen“ Kreise permanent zu vergrößern (vgl. “Personen, die du vielleicht kennen könntest” auf Facebook). Das führt dazu, dass die “Timeline”/ der „public consumption“-Stream jedes einzelnen Users immer mehr Information in immer kürzerer Zeit bereitstellt.

Dies führt wiederum dazu, dass immer weniger Zeit darauf verwendet wird, originalen Content zu schaffen und miteinander zu interagieren. Hat man früher auf die interessanten Tweets anderer geantwortet oder einen Post auf Facebook kommentiert, greift man immer mehr auf „Likes“/“Favs“ oder „Reshares“/“Retweets“ zurück.

Die Lebensdauer von Content ist rapide gesunken in den letzten Jahren, was dazu führte, dass auch weniger Aufwand betrieben wird, um Content zu schaffen. Wer macht sich denn noch die Mühe, etwas Cleveres zu schreiben, wenn es vermutlich zwischen all den Celebrity-Gossip-Glücksnuss-Farmville-Follow-Friday-Posts verschwindet und kaum Beachtung findet?

Der inflationäre Gebrauch von Information hat dazu geführt, dass Information wertlos wurde. Information wird schnell vergessen, und was bleibt, sind Fragmente von „Ich hab schon wieder Fußpilz“-Tweets und ungelesene re-shared-te Artikel ohne jeglichen Kommentar oder Response. Ich vermute mal, dass 99% aller in klassischen sozialen Medien geshared’ten Artikel sowieso nie gelesen wurden – von der Headline mal abgesehen.

Fazit: Die einzigen, die das noch “so richtig gut” finden, sind diejenigen, die nichts mitzuteilen haben und für die die sozialen Netzwerke sowieso immer ein Popularitätswettbewerb waren, um die meisten Follower/likes/whatever zu haben.

Das Web hat Alzheimer. Es vergisst und degeneriert.

Ich kann mich noch dunkel erinnern, wie viele Experten prophezeit haben, dass soziale Netze Blogs überflüssig machen. Denken wir mal in Ruhe darüber nach, wie schwachsinnig diese Aussage ist.

Einige von euch werden jetzt sagen: Ja, um dem Problem der Informationsflut Herr zu werden, sollte man einfach weniger „Freunde“ (lustiger Ausdruck für Personen, die ich zu 90% noch nie in meinem Leben getroffen habe) auf Facebook adden oder den Follower-Kreis kleiner halten.  … So, und würden das nun alle tun, wären die ganzen sozialen Netze aber schnell weg vom Fenster.
Wir erinnern uns: Unternehmen sind zu einem gewissen Grad auf Wachstum angewiesen, um Erfolg zu demonstrieren. Keiner will auf einer praktisch toten Website werben.

Doch warum erleben wir eigentlich einen Rückgang in der Nutzungsfrequenz von bspw. Facebook?

Die Antwort ist einfach: Die User sind erschöpft und frustriert, weil sie einfach nicht mehr Schritt halten können. Einige sehr clevere Menschen haben zwar Tools entwickelt, um die Flut an Information in Schach zu halten, jedoch behandelt man nur die Symptome, nicht die Krankheit. Weiterhin ist den meisten Usern (“Normalos”) gar nicht bewusst, wie sie effizient die Unmenge an Informationen filtern können. Die Ohnmacht zu filtern, was an Content wertvoll ist, macht jede Information wertlos.

Eine andere Methode sozialer Netze, die User „bei Laune“/beschäftigt zu halten, ist die zwanghafte Angewohnheit, ständig das Layout zu verändern oder Features hinzuzufügen, welche die Stammuser jedoch gar nicht verwenden, nicht wollen und auch nicht vermisst haben, als sie beschlossen, der Plattform beizutreten. Dies frustriert die User zumeist und führt dazu, dass sie sich selbst immer weniger mit dem Auslöser ihrer Frustration konfrontieren wollen. Resultat: Das Wachstum verlangsamt sich zusehends, die Nutzungsfrequenz nimmt ab.

Oh: Und praktisch den Erstgeborenen der User in Form von allerlei privaten Daten zu verkaufen, ist auch nicht gerade hilfreich.

Ist Social 1.0 am Ende? Was kommt danach?

Nun, Social 1.0 wird immer existieren, da besteht kein Zweifel, aber die Goldgräberstimmung ist verflogen (oder sie wird bald verflogen sein). Doch wie schafft man eine soziale Plattform, welche erfolgreich sein kann, ohne diesen kritischen Punkt zu erreichen?

Sehen wir’s ein: Die klassischen sozialen Netze sind inzwischen alles andere als sozial. Im Prinzip haben wir gelegentlichen Gedankenaustausch mit Leuten, die wir kaum kennen und auch kaum mehr kennen lernen werden. Intensiverer Informationsaustausch, wirkliches Interagieren, “Sozialisieren” mit anderen… dies alles existiert nicht oder kaum mehr.
Um dieses fundamentale Problem zu lösen, müssen wir den Gedanken des sozialen Netzes neu erfinden.

Google’s sozialer Weg.

Ich habe vor zwei Wochen bei meinen regelmäßigen Checks der Google Produkte einige interessante Entdeckungen gemacht. Google hat eine spezielle Vorgehensweise, um neuen Code zu testen: Sie mischen den neuen Code unter den alten und aktivieren die zu testenden Features mittels der Userkonfiguration. Via json wird die Konfiguration an die Webapplikation übermittelt und so die bestehenden Codefragmente aktiviert.

Hat man nun Glück und führt eine gewisse Abfolge von Interaktionen durch, werden diese inaktiven javascript-Elemente zur Laufzeit geladen und somit wird es möglich, diese abzufangen und zu analysieren. Soweit zur technischen Seite, die ich hier nicht weiter ausführen werde, da ich nur einen Überblick über Googles soziales Projekt geben will, damit man besser verstehen kann, was es ist, oder viel wichtiger: was es nicht ist.

Vorab ist zu sagen: Google wird keinen Facebook-Killer starten, es ist auch kein zweites Twitter oder etwas ähnliches. Nicht mal daran denken, diese Plattformen zu vergleichen! Ich mein’s ernst. Ich weiß, das tun alle gern, aber das ist hier vollkommen sinnfrei, und ich werde auch erläutern warum.

Google Social dreht sich um den User und sein reales Leben, seine echten, existierenden sozialen Kontakte und Bekanntenkreise, mit der Möglichkeit, diese qualitativ zu erweitern. Um dies zu verstehen, müssen wir die Komponenten von Google Social (das ist kein offizieller Name, es macht es aber einfacher, wenn man dem Kind einen Namen gibt) analysieren.

Es gibt 3 Arten der social Services, die von Google angeboten werden:

  • neutrale social Services (Ablegen von privaten Daten in der Cloud – non-public, aber shareable)
  • aktive social Services (soziale Interaktion, Informations- und Datenaustausch)
  • passive social Services (indirekte soziale Interaktion, passives Profitieren)

Die neutralen Services

Die neutralen social Services umfassen folgende Google-Produkte:

  • Picasa
  • Google Docs
  • YouTube (indirekt)

Diese Produkte stellen die Infrastruktur für shareable und private Media bereit, wobei eine direkte Schnittstelle in Chrome OS integriert ist. Dank der Filehandler, welche auf der diesjährigen Google IO vorgestellt wurden, ist es möglich, eine Kamera an ein Chromebook anzuschließen und die geschossenen Bilder und aufgenommenen Videos mit Picasa zu synchronisieren.

Falls Ihr die Google-News verfolgt habt, wird Euch sicher aufgefallen sein, dass Google bei den Quota für kostenlosen Speicherplatz einige interessante Ausnahmen eingeführt hat. So wurde beispielsweise beschlossen, dass Videos bis zu einer Länge von 15 Minuten und Bilder bis zu einer gewissen Größe nicht in den verbrauchten Speicherplatz mit eingerechnet werden. Dies soll nun mehr Anreiz bieten, die direkte Integration bevorzugt zu verwenden.

Google Docs erhält (wie auch Google Mail und Calendar) HTML5 offline Support, auch eine Strategie, um die Verwendung von Chromebooks voranzutreiben.

Die aktiven Services

Die aktiven Services umfassen Chat, Mail, Call, Text, Discuss und Share.

Google Circles (nicht zu verwechseln mit ehemals “Social Circles”, dem Dashboard für die social Search) ist kein soziales Netzwerk, sondern ein Tool, um bestehende Kontakte und die Bekanntenkreise im realen Leben zu managen. Es setzt auf die Kontakte in Google Mail auf und bietet die Möglichkeit, Gruppen, so genannte Circles, zu erstellen, mit denen gezielt Informationen und Daten geteilt werden können. Alle Daten, Posts in Buzz und Activities sind nur für autorisierte Circles oder Einzelpersonen zugänglich. Somit kann man praktisch physisch getrennte, soziale Netzwerke erstellen, welche unabhängig voneinander koexistieren. Ist es gewünscht, so kann man auch User mehreren Circles zuteilen, wenn man zum Beispiel Arbeitskollegen hat, mit denen man auch privat befreundet ist. Google Circles ist zusammen mit Google Me (on the web) das ultimative Privacy-Tool (zu Google Me komme ich später).

Die Infrastruktur für die aktiven Services umfassen:

  • Google Buzz
  • Google Talk
  • Google Reader (2. Grades)
  • Picasaweb (2. Grades)
  • Latitude (2. Grades)
  • Blogger (2. Grades)
  • Google Docs (Diskussion & Zusammenarbeit)
  • Google Mail (mit People Widget)
  • Google Voice (vermutlich)
  • YouTube (2. Grades)

Soziale Interaktion mittels Google Mail. E-Mail. Klingelt da was?  Ich wette, Ihr erinnert Euch an dieses tausendfach totgesagte Medium. Aber sehen wir uns mal das People-Widget näher an:

people_03_individual1 Google's Vision vom sozialen Netz Google Netzwelt Technologie

Quelle: Google

Wie Ihr sehen könnt, bietet das People Widget eine Vielzahl von Interaktionsmöglichkeiten:
Anruf, SMS (vermutlich via Google Voice…), Chat via Google Talk, Überblick über den E-Mail-Verkehr, und auch der letzte Buzzpost (welcher public oder für den man autorisiert ist) wird angezeigt.

Ich denke, es erschließt sich langsam das Bild, was Google Social eigentlich wirklich ist (Ich möchte hier anmerken, dass Google den Rollout vom People-Widget bewusst verzögert, aber nicht gestoppt hat. Ich tippe auf Kompatibiliätsprobleme während der gegenwärtigen Integration der neuen Sources. Wer sich jetzt für Buzz anmeldet, der sei gewarnt, dass im Moment heftigst an Buzz, Google Mail und Profiles geschraubt wird und jede Menge technischer Störungen auftreten können).

Google Buzz wird der zentrale Hub für alle Aktivitäten:

Checkins, Shares in Reader, etc. Eine Vielzahl an Google Produkten wird bzw. ist auch bereits hier eingebunden.
Um das volle Potential zu erkennen, sollte man sich folgende Grafik näher ansehen:

GoogleBuzzActivities-1 Google's Vision vom sozialen Netz Google Netzwelt Technologie

Quelle: Stilbruch.at

Google Buzz war immer seiner Zeit voraus und wurde immer missverstanden, da es nie als Konkurrenz für Facebook oder Twitter gedacht war.

Vorteile von Google Buzz als zentralen Sammelpunkt für die Activities sind folgende:

  • Man kann in Buzz einzelne Aktivitäten-Typen, einzelne Konversationen per User “muten”, also stumm schalten.
  • Alle externen Services sind Opt-In, man verwendet nur, was man verwenden möchte und wird nicht wie bei Facebook “zwangsbeglückt”.
  • Die ausgehenden Activity-Streams sind für alle Circles getrennt verwaltet, das heißt, es kann zu keinem „Trara“ kommen, falls man mal was nicht jugendfreies postet.
  • Privatsphäre ist echte Privatsphäre, keine Facebook Privatsphäre. Außerdem kann man bei einzelnen Posts/Aktivitäten nicht nur die Sichtbarkeit regulieren, sondern auch per User/Circle die Erlaubnis zu kommentieren erteilen/verweigern, ohne User komplett blockieren zu müssen. Des Weiteren ist es auch möglich, bei einzelnen Posts die re-shares zu deaktivieren.
  • Man kann Google Buzz und Google Social für private und berufliche Zwecke nutzen und sicher sein, dass Beruf und Privatleben voneinander getrennt bleiben.
  • Man wird nicht von Null weg starten. Jeder der Kontakte, die Google Mail verwenden, können nach einem Opt-In bequem neue Diskussionen in Buzz anstoßen, bei (für sie sichtbaren) Buzz posts mit diskutieren und interagieren.
  • Die +1 Recommendation-Engine wird in Google Buzz integriert. Jeder Buzz und auch Kommentare können mittels +1 als wertvolle Information empfohlen werden, welche es den Kontakten ermöglicht, leichter nützlichen Inhalt (auch via Promotion in der Google-Suche) auszumachen (aber nicht mit „Likes“ verwechseln, dazu komme ich später noch).
  • Dank Google’s Initative „Data Liberation Front“ kann man alle Daten auch exportieren, denn die Daten gehören dem Nutzer, nicht Facebook … ääääh, Google.

Diese sind zum Beispiel:

  • Google Latitude
  • Google Places
  • Google Profiles
  • Google PlusOne (+1)

Google Latitude macht es möglich, passive Kontext-Information für (speziell ausgewählte) Follower in Form einer Geo-Location bereitzustellen. Bevor alle privacy Fetischisten hyperventilieren: Hierbei handelt es sich um einen Opt-In Service. Außerdem kann man die Genauigkeit der Lokalisierung für jeden einzelnen Latitude Freund oder auch Global regeln (exakt, city-level, do not show oder set manually). Natürlich kann man auch, wie ich, eine Latitude Badge auf seinem Blog oder wo auch immer einbauen, aber man bekommt alle 2 Wochen eine Erinnerungsmail, welches darauf hinweist, dass das Badge noch aktiv ist und man sich bewusst sein soll, dass andere die Location öffentlich einsehen können. Die Location Data ist sicher, solang man nicht bewusst und explizit jedes Mal “öffentlich im Web teilen” anhakt, wenn man irgendwo einen Check-In macht. Nutzen? Erstmal kann man so sehen, wenn ein Kumpel in der Stadt ist und ihn auf ein Bier einladen, oder auch einfach nur Mama indirekt Bescheid geben, dass man nicht von balkonischen Rebelloseparatisten entführt wurde, wenn man mal im Urlaub ist.

Google Places (ehemals Google Hotpot) ist ein Bewertungs- und Empfehlungsservice für allerlei Firlefanz, der im Google Places Verzeichnis eingetragen ist. Man kann so Freunden indirekt Restaurant, Bar, Nachtclub oder sonst irgendwelche Tipps für Places geben, die man auf seinen Abenteuern entdeckt hat (oder ihnen indirekt davon abraten, je nach Bewertung). Places wird auch um den +1-Service erweitert werden, sodass ein befreundeter Jemand und/oder Follower, der in Google nach “Dönerbuden in Maxmusterhausen” sucht, sieht, dass Shekih’s Dönerpalast die beste Dönerbude in Maxmusterhausen und Umgebung ist. Dabei wird die Reihung der Suchergebnisse jedoch nicht stark verzerrt, also braucht man sich nicht sorgen, dass man ständig Suchergebnisse präsentiert bekommt, die einen gar nicht interessieren.

Google Profiles ist die offizielle Visitenkarte, die man ins Netz stellen kann. Jede Information, die man dort bereitstellt, ist optional. Wichtige Informationen wie etwa Kontaktdaten können beliebig erstellt werden (bspw. ein Set Kontaktdaten für Freunde, ein Set für berufliches, ein Set für die Ex und ein Set für den Rest der Welt) und jeweils für bestimmte Circles oder public freigeschaltet werden. Es stehen mehrere Tabs zur Verfügung – wie etwa ein Buzz Tab mit den letzten Posts (wieder sind nur Posts sichtbar, für die man autorisiert ist), ein Picasa-Tab (wird zukünftig aufgeteilt in Video und Photos) und ein +1 Tab. Diese Tabs können auch beliebig aktiviert, deaktiviert, freigegeben usw. werden. Photos, Videos, Buzzes und Kommentare können mit +1 empfohlen werden. Daneben erhält die Profil-Seite die Möglichkeit, außerhalb von Google Buzz neue Posts zu erstellen und Inhalte zu teilen. Somit wird ein zweiter Hotspot geschaffen, an dem Content generiert werden kann. Theoretisch könnte man Profile also auch zu den aktiven Services zählen.

Google +1 ist wohl das am meisten getrollte und missverstandene Produkt von Google. Nein es ist kein “neuer like Button”, nicht mal annähernd. +1 ist eine soziale Empfehlungs-Engine, die es ermöglicht, den Personen im Social Circle die Suche nach brauchbarer Information zu erleichtern. Hat man eine interessante Seite oder einen interessanten Artikel oder eine Website +1’d, wird dieser in den Suchergebnissen der Follower hervorgehoben, um so die Spreu vom Weizen (optisch) zu trennen. Die anderen Suchergebnisse fallen jedoch NICHT durch das Raster, sie werden einfach nur nicht hervorgehoben. Dies ist das Paradebeispiel für einen indirekten sozialen Service, da keine direkte Reaktion auf eine Aktion erfolgt. Hinter dem Ganzen steckt das sogenannte “Good Will”-Prinzip: Ich tu dir einen Gefallen, dafür tust du mir einen Gefallen.
Befolgt man diesen Grundsatz, wird man bei künftigen Suchen Unmengen an Zeit sparen. Für Poweruser wie mich, sind die Effekte bemerkenswert. Hier eine kleine Grafik, welche Services +1 bekommen werden:

plusone-ableitems-2 Google's Vision vom sozialen Netz Google Netzwelt Technologie

Quelle: Stilbruch.at

Momentan ist das +1-Management für jeden einzelnen User etwas rudimentär, aber es wurden bereits mächtige Tools angekündigt, die +1 noch wertvoller und effizienter machen.
Wer noch immer nicht verstanden hat, was +1 ist, sollte meinen Artikel drüber lesen:
[PROTIPS] Why Google’s +1 and likes aren’t the same.

Last but not least: Google me (on the web)

Google Me ist nichts Großartiges. Es ist eine Abspaltung von Google Alerts, die aber eine wichtige Funktion bietet: Es ist ein Sicherheitsgurt für Privatsphäre. Wenn man mal wirklich Mist gebaut hat und nach außen private Daten und Nachrichten/Posts entweichen, die dann Wege gehen, die sie nicht gehen sollen, meldet Google Me on the web dies in einer Email. Google Me kann auf beliebige Begriffe angesetzt werden (wie etwa Name und E-Mailadresse) und sobald Google einen Inhalt neu indiziert in welchem die konfigurierten Begriffe vorkommen, wird Alarm geschlagen und eine Email an den User gesandt, welcher die indizierten Inhalte reviewen kann und, wenn nötig, die Entfernung aus dem Google Cache beantragen kann.
Nicht übel oder?

Vergleichen wir Äpfel mit Birnen

Nun, da ich euch erfolgreich verwirrt habe, versuche ich die grundsätzlichen Unterschiede aufzuzeigen und warum beide Modelle wohl, trotz des „social burnout syndromes“ des Netzes auf unbestimmte Zeit erfolgreich koexistieren werden.

Google Social ist eine Produktivitätsmaschine, Facebook was für’s Lotterleben

Markantester Unterschied zwischen beiden Plattformen ist wohl, wie sich der „soziale Umkreis“ erschließt. Google setzt auf die Interaktion mit bereits existierenden Kontakten, während Facebook auf das „Kennenlernen“ und finden neuer Kontakte/“Friends“ setzt. Vergleiche: Real Life mit Second Life.. ähm Virtual Life.

Google zeigt sich auch im Look und Funktionalität eher nüchtern, zurückhaltend und erwachsen während sich auf Facebook allerlei Seltsamkeiten an der Pinnwand tummeln und die Rechte obere Banner-Ecke rein dafür da ist, um dem Wahnsinn noch ein bisschen was hinzuzufügen. Wobei gesagt sein soll: Wenn man jetzt bei Facebook einsteigt und mit Verstand Freunde, richtige Freunde zum „Freundeskreis“ hinzufügt, kann Facebook wirklich nützlich sein (von den wiederkehrenden Privacy-Eskapaden mal abgesehn).

Und Twitter?

Wer jetzt noch fragt ob man Google Social mit Twitter vergleichen kann, der hat den Artikel nicht gelesen.

Wer sind die Zielgruppen?

Die beiden Plattformen sind für völlig unterschiedliche Zielgruppen und Zwecke ausgerichtet. Obwohl Google unlängst durch ein Stellenangebot es offiziell gemacht hat, dass sie auch in die „social entertainment“/“social gaming“ Ecke vordringen wollen, wird wohl die Mehrheit der heranwachsenden Internetnutzer die alltägliche Zerstreuung noch immer bei Facebook suchen. – Mal kurz über die Verdauungsprobleme posten, die neueste Glücksnuss-Weissagung an die Facebook Wall klatschen und sich Farmville Exzessen hingeben.. nun ja, dafür wird Google Social in nächster Zeit sicher nicht zu haben sein.

Facebook hat durchaus seine Existenzberechtigung, jedoch wird der anspruchsvollere User immer mehr in Versuchung kommen, sich Alternativen zu Facebook zu suchen.  Zuckerberg hat ja unlängst seine vollste Unterstützung für Minderjährige (die am schnellsten wachsende Zielgruppe) ausgesprochen, die seiner Meinung nach unbedingt Facebook nutzen sollten (das sollte eigentlich reichen um, die künftige Zielgruppe auszumachen)

Interessant, wie sich die Zeiten gewandelt haben. Vor ein paar Jahren noch, war Myspace der Kindergeburtstag und man wandte sich voller Grauen von dem animierten Gif-Blitzgewitter ab und dem exklusiveren, erwachseneren Facebook zu. Wiederholt sich die Geschichte? Wer weiß. Aber wer im Privatleben anderer Leute rumstochern will, oder CityVille, KeksfabrikVille oder SonstwasVille spielen möchte, der wird auf Google Social nicht glücklich werden.

Google Social ist kein Soziales Netzwerk wie wir es kennen. Es bietet nur neue Wege, um mit den existierenden Kontakten in den realen sozialen Kreisen zu kommunizieren und interagieren. Google’s „social Layer“, welcher dazu gedacht ist, Kommunikation zu fördern und zu vereinfachen, Recherchen effizienter zu gestalten und im täglichen Leben eine unterstützende Funktion zu haben, wurde nicht wie Facebook gestaltet, um das Zentrum unseres Online-Lebens zu sein.

Google Social ist vielmehr eine eine Toolbox, welche dazu gedacht ist unser reales Leben zu erleichtern und das online Leben zu bereichern, nicht mehr und auch nicht weniger.

Anmerkung: Ich bin weder ein professioneller Schreiberling, noch besonders Wortgewandt, daher können jede Menge Rechtschreibfehler, unglückliche Formulierungen und/oder Ähnliches enthalten sein. Wer Fehler findet, darf Sie behalten.

Wer sich noch tiefer in diese Materie eingraben möchte, kann sich auf dem Blog unseres Gastautoren Florian Rohrweck „Stilbruch.at“ eine Übersicht verschaffen.

(Im übrigen, Gratulation, dass Ihr bis zum Ende des Artikels durchgehalten habt)

– Cover-Bild flickr/Search Engine People Blog

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