Hewlett Packard verabschiedet sich vom kompletten Hardware-Geschäft – aber nicht von webOS

 

hplogo Hewlett Packard verabschiedet sich vom kompletten Hardware-Geschäft - aber nicht von webOS HP Inc. Smartphones Software Tablets webOS Gestern überschlugen sich die Nachrichten, als Hewlett Packard kurzfristig bekannt gab, die Produktion von webOS-Geräten einzustellen und sich von seinem PC-Geschäft zu trennen. Gleichzeitig wird die Software-Firma „Autonomy“ für über 10 Milliarden Dollar übernommen. Was ist da los? Der Reihe nach:

1. Das Geschäft mit webOS-Geräten wird eingestellt. HP wird keine weiteren Tablets oder Smartphones auf den Markt bringen. Das Palm/HP Pre 3, das Mini-Smartphone Veer und das HP Touchpad sind damit tot. Das ist eine wirklich krasse Nachricht, waren wir doch erst vor wenigen Wochen auf dem einen oder anderen Presseveranstaltung von HP, wo es um genau diese Geräte ging.

2. HP will sich nicht von webOS trennen. Was genau sie damit machen wollen, weiß ich auch nicht. Die Vision bei der Übernahme von Palm war ja, webOS als Betriebssystem in alle möglichen Geräte einzubauen, zum Beispiel auch in Drucker, die dann elegant per Touchscreen bedient werden könnten und mehr oder weniger zu autonomen Rechnern im Netz werden. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Sache hat nur einen kleinen Haken, nämlich:

3. Es sieht danach aus, als plane Hewlett Packard, sich vom kompletten PC-Hardware-Geschäft zu trennen. Der größte Computer-Hersteller der Welt wäre dann keiner mehr. Die PC-Sparte soll allerdings nicht zerschlagen, sondern in eine eigene Firma ausgegliedert werden, die selbstständig weitermacht oder Übernahmekandidat wird. Nur wenn HP keine Geräte mehr herstellt, wozu dann noch webOS?

Natürlich ließe sich das mobile Betriebssystem an andere Hersteller lizenzieren. Diese haben eventuell sogar Interesse an Alternativen zu Android, um sich nicht gänzlich Google als OS-Anbieter auszuliefern. Die Frage ist nur, ob man in diesem Falle nicht mit Windows Phone besser fährt. Sicher: webOS ist und bleibt das ergononomischste und durchdachteste Mobil-Betriebssystem, aber mit dreieinhalb Apps und ohne brauchbares Ökosystem ist es für die meisten Smartphone-Kunden einfach nicht besonders sexy.

Zieht Hewlett Packard sich damit nicht selbst den Boden unter den Füßen weg? Jein. HP bietet auch Beratung, Dienstleistungen und Software im Geschäftskundenbereich an. Dieser Bereich scheint sehr viel profitabler zu sein als das zähe Hardware-Geschäft. Die Übernahme des Analyse-Software-Herstellers „Autonomy“ passt da bestens ins Bild und webOS – sorry – eigentlich überhaupt nicht. Eigentlich tritt HP damit nur in die Fußstapfen von IBM, die schon lange in erster Linie Beratung und Software anbieten und ihr Hardware-Geschäft vor einigen Jahren an Lenovo verkauften. Die Fans der alten ultrarobusten Sushischachteln namens „Thinkpad“ sind da heute noch traurig drüber. Bei HP will mir allerdings gerade kein vergleichbares Stück Kult-Hardware einfallen…

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