Instagram und die Sache mit den verkauften Daten [Kommentar]

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Es wird mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben: Instagram. Es geht um einen Bericht, bei dem verkündet wurde, dass Instagram ab sofort die Fotos der User verkaufen darf. Einseitige Berichterstattung bringt zwar viel Aufmerksamkeit, die ganze Wahrheit würde die Geschichte allerdings ein bisschen herunter kochen.

Damit Instagram die Fotos seiner Nutzer im Internet darstellen darf, braucht es die Erlaubnis des Nutzers. Hierbei handelt es sich um eine nicht-exklusive Verwendung des hochgeladenen Bildmaterials. Diese hat sich Instagram mit den Änderungen der AGB zusichern lassen. Das heißt, dass Instagram diese Erlaubnis braucht, damit der Dienst funktioniert – damit ihr alle Funktionen benutzen könnt, die ihr schätzen gelernt habt.

Natürlich würde diese AGB-Änderung auch Spielraum dafür lassen, dass Fotos verkauft werden könnten, aber über den Wert eines Instagram-Bilds kann man streiten.

Wie @chaotin auf Twitter so schön bemerkte, sind 600×600 Pixel große JPG-Bilder mit einem Mobiltelefon aufgenommen nicht unbedingt die erste Wahl für Printmedien. Im Gegenteil – damit können sie nichts anfangen. Interessant wird es hier erst, wenn Bilder gemacht werden, die von öffentlichem Interesse sind. Die würden aber so oder so in die Öffentlichkeit geraten – egal welche AGB verabschiedet wird. Es ist also unwahrscheinlich, dass es demnächst Fotobände mit euren Instagram-Bildern geben wird.

Ein weiteres Video, dass solch ein wenig erklärt, wozu die Änderungen wirklich nötig sind, ist folgendes:

Schauen wir mal rüber zu anderen Diensten – denn ein Vergleich muss erlaubt sein – dann sehen wir, dass diese Klausel bei fast jedem sozialen Netzwerk üblich ist. Wenn ihr Bilder bei Twitter hochladet, erlaubte Twitter ebenfalls eine nicht-exklusive Nutzung dieses Bildes. Gleiches gilt für Facebook (denen Instagram gehört) und auch Pinterest. Von Bildrechten bei Tumblr reden wir besser erst gar nicht.

Wer nun völlig entsetzt ist, dass Daten, die man selbst ins Netz gestellt hat, kommerziell genutzt werden, muss bis heute unter einem Stein gelebt haben. Die kommerzielle Nutzung von Daten findet überall statt. Und wenn ich sage überall, dann meine ich ÜBERALL! Beispiele gefällig?

Twitter verwendet eure Tweets, um  Statistiken zu erstellen, mit denen sie Werbekunden locken. Google verwendet eigentlich sämtliche Daten für inhaltsbezogene Werbung. Habt ihr euch schon mal gefragt, wieso ihr in Google Mail Werbung bekommt, die zu dem Inhalt eurer E-Mails passt? Weil Google eure E-Mails analysiert und danach Werbung schaltet. Und eure Browser Plugins, die ständig mitlaufen? Die eurer Werbung blocken? Ihr denkt nicht, dass sie nicht auch Statistiken erstellen, auf welchen Seiten ihr seid? Facebook verwendet sogar euer Profilbild, um Werbung zu machen.
Wer also voller Panik seinen Instagram-Account löscht, und das auf Twitter postet, der hat nichts dazugelernt. Konsequenterweise müsstet ihr sämtliche Accounts löschen, bei denen ihr Daten über euch selbst angegeben hat – im müsstet eure E-Mail-Accounts löschen und am besten noch euren Internetanschluss abmelden.

Ob man es nun richtig oder falsch findet, dass das Internet so funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Instagram jetzt aber den schwarzen Peter zuzuschieben ist falsch. Vielleicht sollten die, deren Empörung am größten ist, das nächste Mal einfach die Nutzungsbedingungen der Netzwerke durchlesen, bevor sie auf „akzeptieren“ klicken.

– Video via katzenjens –

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann es zum Teil nachvollziehen warum man solchen Diensten den Rücken kehrt, ich habe mich auch heute bei Instagram abgemeldet, man könnte jetzt meinen ich sei ein Mitläufer aber es hat andere Gründe wegen meiner Abmeldung.

    Klar ist das viele Netzwerke die Daten verkaufen, spricht auch nichts dagegen, immerhin kosten Server, Entwickler, Miete der Büros etc. auch massig Geld. Nur ich finde, man sollte erst einmal einen anderen Weg gehen, zum Beispiel durch InApp-Werbung.

    Die neuen AGB besagen indirekt ja auch das man nicht mehr der Urheber des Bildes ist, und genau das finde ich ziemlich – Entschuldigung – Scheiße.

    Aber man kann darüber denken wie man mag 😉
    Ich hatte Instagram meistens auch nur für’s Crossposting benutzt.

    • Ramses: Das ist Unsinn. NIEMAND kann dir absprechen, der Urheber eines Werkes zu sein.

      „Das dem Urheber durch die Schöpfung entstandene Urheberrecht ist ein absolutes Recht, das nicht übertragen werden kann. Die Urhebereigenschaft bleibt immer bestehen und kann von dem Urheber nicht abgelegt werden.“

  2. Gilly hat Recht. Du bist und bleibst immer der Urheber des Bildes, egal was passiert. Was sie sich einräumen ist das oben genannte Nicht-exklusive Nutzungsrecht. Das heißt, sie dürfen dein Bild AUCH auf ihren Webseiten darstellen oder zu Facebook und Tumblr posten, wenn du diese Funktion aktivierst. Ohne diesen Punkt in den AGB dürften sie das eben nicht. Es ist quasi die Grundlage des Dienstes. Twitter macht das Gleiche, Facebook auch.

  3. überall? Nein. die Foto-Plattform flickr bietet seit 2004 urheberrechts- und nutzungsgerechtes Uploading & Teilen von Fotos.

    Nur weil Twitter, Facebook und instagram als Geschäftsmodell die immer dreister werdende Ausnutzung der Rechte der Nutzer (auch wenn die hier einigen nichts wert zu sein scheinen) gewählt haben, ist das nicht die faktische Realität im Netz. Es gibt immer Alternativen – Man muss nur eben bock darauf haben, sich nicht weiter verarschen zu lassen.

    • Und auch Flickr hatte seinen Shitstorm als für Deutschland und China Zensurstrukturen aufgebaut wurden, die man als deutscher Nutzer nicht umgehen konnte.
      Statt damals offen zu kommunizieren verschwanden zahlreiche Protestbilder zu dem Vorfall und auch Nutzer, die sich beschwerten wurden gelöscht.

      Kein Dienst ist frei von Shitstormpotential. Flickr wurde oben in dem Video auch erwähnt. Gleichzeitig könnte man auch noch Ipernity in den Raum werfen – die ermöglichen seit Start des Dienstes sogar die Möglichkeit jede Art von Medien unter CC-Lizenz zu teilen.

      Nimmt man es aber genau, nutzt auch Flickr die Inhalte der Nutzer ungefragt kommerziell, denn seit geraumer Zeit werden Werbeanzeigen auf der Webseite angezeigt. Das betrifft auch Bilder, die nicht für eine kommerzielle Nutzung freigegeben wurden. Muss man auch nicht gut finden.

  4. Für mich war die Aufregung insofern gut, als ich mich mal ein bisschen umgeschaut hab, was die Konkurrenz so treibt. Und dabei bin ich auf eyeem gestossen, wie wohl einige andere auch. Schöne Sharing Möglichkeiten, Google+ ist integriert und ich kann das Format des Fotos frei wählen. Werde mich da jetzt mal ein wenig tummeln. Für mich war Instagram eh nie wegen des Community Aspekts interessant sondern als zentrale Pic Sharing Schnittstelle für soziale Netze. Und da bietet mir eyeem definitiv deutlich mehr. Aber natürlich ist es Quatsch, zu glauben, dass Instagram böse ist, nur weil sie Rechte an der Bildverwertung wollen. Wie sonst sollten sie zum Beispiel Bilder teilen können oder euer Profil im Web anzeigen. Oder sollen sie euch da bei jedem posten extra noch mal fragen?
    Be realistic. Dennoch hab ich gelernt, es tut ganz gut, mal andere Tools anzusehen, man findet da doch immer wieder Kleinodien!

  5. Moin Ricarda, das mag alles stimmen was du sagst, aber die Social Networks dieser Welt sind aus meiner Sicht die einzigen, die hier nichts dazu gelernt haben. Es war doch vollkommen klar, dass die Änderung der Nutzungsbedingungen solch einen Shitstorm auslösen werden. War doch schon immer so. Wenn die Unternehmen aus der Vergangenheit gelernt hätten, dann hätte Instagram zuerst informiert, aufgeklärt und dann die Änderung gebracht. Die Stellungnahme vom Instagram CEO kam meiner Meinung nach zu spät, er hätte sie vorher abgeben sollen und alles wäre halb so wild gewesen.

    • Ich gebe den Medien und der einseitigen, angstschürenden Berichterstattung schuld. Hätten diese länger als 10 Minuten recherchiert, dann hätten sie auch was ausgewogendes hinbekommen, aber Angst verkauft sich besser. Also erzählt man Otto Normal, dass er demnächst seine privaten Instagramfotos auf Litfaßsäulen sehen wird und reibt sich die Hände bezüglich der Werbeeinnahmen und der Hysterie, die im Gange ist.

      • Die einseitige Berichterstattung ist natürlich die andere Seite, allerdings ist die inzwischen ja leider fast schon üblich. Allerdings denke ich auch, dass Facebook/Instagram genügend Leute am Start hat, die das wissen sollten.

  6. Alles wieder in Ordnung, es ist nur halb so schlimm und überall anders ist es genauso. Aus Sicht des Privatanwenders mag diese einlullende Haltung eine gewisse Berechtigung haben. Aus Sicht des professionellen Nutzers, hat sich Instagram mit der Änderung seiner Nutzungsbedingung und der dilettantischen Kommunikation einen Bärendienst erwiesen.

    Unabhängig von der Tatsache, dass das Urheberrecht ein unveräusserliches Recht ist, besteht grundsätzlich die Möglichkeit über Nutzungsrechte dieses freizügig auszuhebeln. Wer seine Rechte durchsetzen möchte, kann sich ggf. auf einen langen und kostspieligen Weg durch die verschiedenen Gerichtsbarkeiten machen. Es gilt die Plattitüde, „Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dingen“ und in der Regel eine Frage des Geldes.

    Für Unternehmen, die nun neuerdings Instagram für Markenkampagnen nutzen, hat sich durch diese Aktion die Rechtssicherheit signifikant verschlechtert, denn sie sind in der Regel auch nicht Inhaber der Urhebrrechte an verwendeten Bildmaterialien. Fühlt sich nun ein professioneller Photograph in seinen Rechten eingeschränkt oder nicht ausreichend bezahlt, wenn das Photo über Instagram veröffentlicht wird, dann wird er zunächst seinen Lizenznehmer, das Markenunternehmen verklagen.

    Ob er dabei seine Ansprüche durchzusetzen vermag ist zunächst zweitrangig, denn alleine die Möglichkeit einer kosten- und zeitintensiven Auseinandersetzung, einschließlich des potentiellen Imageschadens, lässt die Herzen im Konzern schon höher schlagen.

    Damit dürfte zumindest auf absehbare Zeit jede Instagramkampagne mit einem erheblichen Risiko verbunden sein. Da hat sich Instagram also eine potentielle Erwerbsquelle erst einmal verbaut.

    Daneben ist die Kommunikation der Änderungen ein Desaster. Das lässt darauf schliessen, dass den Verantwortlichen es erst einmal herzlich egal ist, wie etwas bei ihren Nutzern ankommt. Sollen sie sich doch erst einmal aufregen und dann rudern wir zurück. Kein Verhalten, was bei mir positive Gefühle weckt.

    Aus meiner Sicht wird hier ein grundsätzlicher Fehler im Startup-Modell sichtbar. Der Ansatz als erstes mit einem geilen Idee große Nutzerzahlen zu gewinnen und sich erst hinterher Gedanken über die Monetarisierungsstrategien zu machen, birgt die Gefahr, dass sich diese hohen Benutzerzahlen schnell in Schall und Rauch auflösen.

    • Du scheinst meinen letzten Absatz überlesen zu haben. Ich rede das Geschäftsmodell nicht schön, aber ich mache darauf aufmerksam, dass Instagram nicht der einzige Dienst ist, der diese AGB-Bestandteile hat und man daher konsequenterweise jedem Dienst den Rücken kehren muss, der diese Punkte in seinen Nutzungsbedingungen angegeben hat. Ein einseitiger Shitstorm gegen Instagram ohne die anderen zu erwähnen, wäre unreflektiert.

      Ich denke über die Einnahmequellen muss sich Instagram am wenigsten Gedanken machen. Die Entwickler und Gründer haben mit dem Verkauf an Facebook bereits bewiesen, dass sich mit dem Dienst Geld machen lässt und Facebook wird sich den Fotodienst sowieso besorgt haben, um die Filter und die Technik dahinter zu bekommen. Ob Instagram nun also das Geschäft mit den Firmen an sich vorbeiziehen lässt oder nicht kann ihnen herzlich egal sein.

      Bei Firmenkampagnen kann man die Nutzungsbedingungen in die Verträge mit den Fotografen integrieren. Das Gleiche muss ja auch auf Facebook gemacht werden, da Facebook sich ebenfalls das nicht-exklusive Nutzungsrecht auf alle Inhalte sichert.

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