LG Q6 im Test – Mittelklasse-Androide mit Potentialen

Mit dem G6 hat LG eigentlich gar kein so schlechtes Smartphone in die Oberklasse geschmissen. Doch so richtig erfolgreich will das Gerät irgendwie nicht sein. Bereits zu diesem Zeitpunkt des Jahres ist der Preis um 40 bis 50 Prozent gefallen. Das sagt vieles aus. Nun hat man mit dem LG Q6 einen Mittelklasse-Androiden vorgestellt, der sich am großen Bruder orientiert, aber dann doch eher die kleineren Portemonnaies ansprechen soll. Ich habe mir das Smartphone etwas näher angesehen.

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Lieferumfang

Was packt denn der Hersteller so alles in die Box? Eigentlich das übliche, aber der Vollständigkeit halber soll es an dieser Stelle erwähnt sein. Habt ihr die Pappbox geöffnet schaut euch das Q6 an. Unter dem Smartphone befindet sich dann noch ein micro USB Ladekabel (Warum kein USB-C?), ein Netzstecker, ein Headset (welches nicht besonders toll klingt) und der übliche Papierkram.

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Design und Technik des Gerätes

Das LG Q6 kann seine Verwandtschaft zu dem G6 nicht leugnen. Der Hersteller zieht hier dieselbe Designsprache durch. Die Front wird dominiert von dem 5,5 Zoll großen Full-HD+ Display im 18:9 Format, welches mit einer Auflösung von 2160 x 1080 Bildpunkten um die Ecke kommt. Die Helligkeit ist meiner Meinung nach sehr gut, Farben leuchten angenehm und sind nicht zu übersättig. Die Kontraste sind gut und auch in der Blickwinkelstabilität kann man LG keine Vorwürfe machen. Das Panel ist also schon mal sehr attraktiv anzuschauen. Dazu kommen die schmalen Ränder über und unter dem Touchscreen, die für eine sehr gute Screen to Body Ratio sorgen.

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Die über dem Screen sitzende Frontkamera ist mit einer Auflösung von 5 Megapixeln nicht die Beste am Markt, sollte aber für die normalen Selfies locker ausreichen. Rings um das Gerät verläuft ein Metallrahmen, der in meinem Fall schwarz ist und nur durch drei Antennenstreifen (2 oben, 1 unten) unterbrochen wird. An der rechten Seite sitzt angenehm zu erreichen der Power-Button.

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Links sitzt die Lautstärkewippe und der SIM-Slot, in den auch eine micro-SD Karte passt.

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Unten hat man den Kopfhöreranschluss und den micro-USB Port verbaut. Ein Mikro findet dort ebenfalls Platz. Warum LG hier kein USB-C unterbringt ist mir wirklich ein Rätsel. Man möchte Premium in die Mittelklasse bringen. Damit verbinde ich auch aktuelle Ports.

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Am oberen Rand ist nur noch ein Mikro unterbracht worden.

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Die Vorderseite und der Rahmen vermitteln dem Käufer einen sehr guten Eindruck. Was dann jedoch auf der Rückseite wartet, hat mich persönlich wenig begeistert. Hochglanz-Plastik in schwarz, die sich obendrein auch nicht besonders hochwertig anfühlt. Dazu kommt die Tatsache, dass das Material bereits nach dem ersten Anfassen durch Fingerabdrücke besudelt wird. Das macht es nicht wirklich besser. Am unteren Rand sitzt der Lautsprecher, der durch die Finger auch sehr leicht abgedeckt werden kann. Damit ist der Musikgenuss dann auch erledigt. In der oberen Hälfte hat der Hersteller die 13 Megapixel Kamera und den LED Blitz platziert. Der silberne Ring um die Linse kann den getrübten Eindruck der Rückseite leider auch nicht mehr retten.

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Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es keinen Fingerabdrucksensor gibt. Auch das ist nicht wirklich dem Preis entsprechend und leider nicht verständlich. Selbst Geräte knapp um die 150 Euro haben mittlerweile einen Fingerabdrucksensor an Bord. Das große ABER: Das Q6 besitzt eine Gesichtserkennung, die ich selbst mit einem Foto von mir täuschen konnte – :-(. Leider ist auch das also nicht wirklich sicher. Mit der erweiterten Erkennung wird es schwieriger das Gerät mit einem Foto zu entsperren, sorgt aber dafür, dass die Erkennung auch mit eurem Gesicht manchmal fehlt schlägt oder länger dauern kann. Da ist man mit PIN oder Muster deutlich besser dran.

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Soviel zum Äußeren! Wie sieht es denn im Inneren des Gerätes aus? Das das Display schön ist habe ich euch schon gesagt. Damit die Inhalte auch fluffig über das Panel wandern, muss ein Qualcomm Snapdragon 435 (8 x 1,4 GHz) mit 3GB RAM ordentlich arbeiten. 32 GB interner Speicher sind zudem verbaut, von denen ab Werk noch 20 GB für euch zur Verfügung stehen. Per micro-SD könnt ihr aber noch bis zu 2 TB nachrüsten (ja – kein Schreibfehler!). Das 69.3 mm x 142.58 mm x 8.1 mm große und 149 g schwere Gerät hat zudem einen 3.000 mAh Akku an Bord, der euch durch den Tag bringen soll. Ob das funktioniert sage ich euch gleich. Die üblichen Sensoren und drahtlosen Standards (kein WiFi ac!) sind natürlich auch mit an Bord. Android 7.1.1 Nougat ist auf dem Gerät mit der LG eigenen UI vorinstalliert.

Bedienung und Performance

Wie sich Android anfühlt und wie man es bedient muss ich euch denke ich nicht sagen. Besonders ist allerdings die App-Skalierung. LG hat hier eine Funktion verbaut, die Apps auf das neue Seitenverhältnis des FullVision Displays zieht. Nutzt man diese Skalierung nicht, hat man oben und unten einen kleinen schwarzen Rand, der aber auch nicht groß stört.

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Die Performance des Gerätes ist in Ordnung! Wer Mails schreibt, chattet, surft und vielleicht nicht gerade das aktuellste Spiel in den höchsten Grafikeinstellungen spielen will, wird damit sicherlich zufrieden sein. Geht es dann aber eher in Richtung Power-Anwender, dann rate ich euch die Finger von dem Gerät zu lassen. Im Antutu Benchmark landet das Gerät bei etwas mehr als 38000 Punkten. Im Geekbench 4 Test erreicht das LG Q6 einen Single Core Wert von 543 und einen Multi-Core Wert von 1997. Damit ist das Honor 5x (Release 2016) rein zahlentechnisch der bessere Griff.

Der Akku

LG hat hier einen 3.000 mAh Akku verbaut, der euch bei mittlerer Nutzung locker durch den Tag bringen sollte. Wenn das Gerät aber längere Zeit stärker beansprucht wird, können euch in 10 Minuten schon mal 10 Prozent oder mehr flöten gehen. Es gibt bei dem Smartphone leider KEIN Quick-Charge!

Die Kamera

Die Kamera gehört für viele vor allem in dem Preissegment größer 300 Euro zu einem wichtigen Kaufkriterium. Es wird sehr viel Wert darauf gelegt, da die meisten Bilder mittlerweile nicht mehr mit den kleinen Digitalkameras, sondern mit dem Smartphone geschossen werden. Anders als im LG G6 hat der Hersteller beim Q6 keine Dualkamera verbaut. Es findet sich hier nur ein Sensor wieder, der mit 13 Megapixeln Auflösung zumindest rein zahlentechnisch in Ordnung ist. Die Kamera besitzt eine Offenblende von f/2.2 und ist damit nicht die Lichtstärkste aber auch nicht die schlechteste. Das Kamerasystem ist in der Lage Full HD in 16:9 oder HD in 18:9 aufzunehmen. 4K / UHD Auflösung sucht man hier leider vergebens – auch das können andere Konkurrenten.. Die Kamerasoftware ist in Ordnung! Es gibt eine Menge Modi, Filter und Co. Doch taugt das Ganze auch in der Praxis?

Die Qualität auf dem Smartphone sieht ganz gut aus, aber sobald man die Bilder am großen Bildschirm sieht, offenbaren sich hier und da Schwächen. Wenn das Licht nicht ganz stimmt, fängt die Kamera schnell an Artefakte zu produzieren. Dadurch gehen viele Details verloren, die man in einigen Fällen aber dringend brauch. Weiterhin fällt auf, dass der Aufnahmewinkel der Kamera nicht besonders groß ist. Man bekommt also nur einen kleineren Ausschnitt von dem drauf, was andere Smartphones aufnehmen können. Hier müsst ihr eure Position entsprechend anpassen! Ansonsten sind mir die Bilder teilweise nicht lebendig genug. Die Kontraste sind mir auch im HDR Modus nicht überzeugend genug und die Farben sind blasser als sie in der Realität sind. Hier kann man sicher mit Bearbeitung noch was rausholen, aber das kann ja nicht der Anspruch sein. Selbst bei wenig Sonnenlicht müsst ihr auch aufpassen, denn die Linse neigt zur Überstrahlung (siehe Album). Man hat dann ruck zuck einen störenden weißen Schleier auf dem Bild.
In einigen Fällen löst mir die Kamera auch zu spät aus, was in manchen Momenten wirklich ärgerlich sein kann. Vor allem dann, wenn man sich für den berühmten Schnappschuss auf das Smartphone verlässt.

Hier sind ein paar Beispiele in meinem Google Album.

Zur Frontkamera sei noch gesagt, dass wir es hier mit einem Superweitwinkel von 100 Grad zu tun haben. Dieser ist nicht standardmäßig aktiv, kann aber genutzt werden, wenn ihr mehr als euch auf das Selfie bekommen wollt. Ansonsten gefällt mir die Qualität der Frontkamera nicht wirklich. Die Bilder sind stark verrauscht und blass – und nein, es hat nichts mit meinem Gesicht zu tun 😉

Fazit zum LG Q6

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Habt ihr bis hier hin gelesen? Dann habt ihr sicherlich gemerkt, dass ich nicht viele gute Haare an dem Gerät gelassen habe. Warum? Es geht mir um den Anspruch von LG. Das Gerät soll eine „erschwingliche Premium-Smartphone Linie“ in den Markt bringen. Mit diesem Anspruch und dem Preis von 349 Euro im Hinterkopf habe ich die Erwartungen entsprechend gesetzt. Entsprechend fällt meine Beurteilung aus. Bitte versteht mich nicht falsch: Das Smartphone ist deshalb kein schlechtes Gerät. Nur ist der Preis nicht durch Leistung gerechtfertigt. Aktuelle Konkurrenten um die 150 Euro schneiden besser oder genauso gut ab. Wenn der Preis in dieser Range oder um die 200 gelegen hätte, wäre mein Fazit vielleicht auch etwas positiver ausgefallen. Ansonsten lasst mich hier nochmal das Wichtigste zusammenfassen.

Das Äußere stimmt in jedem Fall. Die Front ist mit dem Full-Vision Display (was richtig gut ist) clean und angenehm. Die Form liegt gut in der Hand und der Metallrahmen sorgt für ein angenehmes Tragegefühl. Die Rückseite ist dann eher suboptimal designt worden – zumindest ist das meine Meinung. Die glänzende Plastik nimmt dem Gerät das „Premium-Feeling“ – vor allem, wenn man sie ein paar mal angefasst hat. Vielleicht ist das aber auch nur bei meinem schwarzen Tester so. Die verbaute Technik sollte für den Otto-Normalverbraucher ausreichen. Anspruchsvolle Anwendungen bringen das Gerät dann aber schnell an seine Grenzen. Ein Geschwindigkeitsriese ist das LG Q6 nicht – vielleicht hätte man auch ein Snapdragon 625 / 630 verbauen können. Der fehlende Fingerabdrucksensor ist ärgerlich und nimmt dem Gerät ein entscheidendes Argument im Vergleich mit den Mitbewerbern.
Wer mit dem Smartphone Fotos machen will, kann unter guten Lichtverhältnissen auch gute Ergebnisse erzielen. Wird es dunkler fehlen euch schnell Details und das Rauschverhalten zieht stark an. Die Frontkamera wird selfiehungrigen Anwendern ebenfalls keine Freude machen.

Wer sich für das Smartphone entscheidet muss ab dem 21. August 349 Euro auf den Tisch legen. Ich rate euch zum Warten, wenn es das Smartphone sein muss. Der Preis wird sich sicher schnell bereinigen und dann bei um die 200 Euro hängen bleiben. Alles andere halte ich bei dem Smartphone leider für überzogen. Das LG Q6 wird in vier Farben Astro Black, Ice Platinum, Terra Gold, Mystic White (kommt später) erhältlich sein.

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Vielen Dank an LG für die Bereitstellung des Geräts.

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Folgt mir ^^

Olli

Ist beruflich im SAP Geschäft tätig, seit 2015 nach langer Pause aber wieder in der Blogosphäre unterwegs. Hat eine attestierte „Technik-Macke“ mit einer Vorliebe für Apple-Produkte.
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https://www.stereopoly.de

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