LG Watch Urbane im Test

LG hatte damals mit dem Optimus 2x das erste Android Telefon mit einem Dual-Core Prozessor auf den Markt geworfen und enttäuschte damit. Danach ging es für den Hersteller spätestens mit dem LG G2 auch im Smartphone Sektor stets bergauf, lieferte man mit G4 doch wieder ein Top Gerät für 2015. Auch im Bereich der Uhren war LG mit der G Watch einer der ersten Hersteller, die mit Android Wear experimentierten. Nach der ebenfalls erfolgreichen LG G Watch R folgte die edle LG Watch Urbane, welche ich euch heute vorstellen möchte.

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Technische Daten

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Bei der Technik bringt LG keine wirklichen Neuerungen auf den Tisch. Die Smartwatch wird immer noch durch den (auf dem Papier) alten Snapdragon 400 Prozessor angetrieben, welcher mit 1,2 GigaHertz taktet. Dazu packt der Hersteller 512 MegaByte Hauptspeicher, was für den täglichen Betrieb theoretisch ausreichen sollte. Ob das wirklich so ist, erzähle ich euch im Abschnitt Software & Bedienung *etwas Spannung aufbauen :-)*. In das Edelstahlgehäuse ist bei der LG Watch Urbane ein Plastic-OLED-Panel mit 1,3 Zoll eingefasst, welches mit 320 x 320 Pixeln auflöst. Auch hier könnte man sich jetzt aufregen:

Hey LG, das habt ihr doch schon in der LG G Watch R verbaut! Hattet ihr die über?

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Aber die Aufregung muss an dieser Stelle gar nicht sein. Mit 350 Pixeln pro Zoll ist das Panel ausreichend scharf und wird durch eine Schicht aus Gorilla Glas 3 geschützt. Die Farben sind OLED typisch sehr nett anzusehen und auch bei Sonnenlicht schafft es die Uhr Inhalte ausreichend hell darzustellen. Weiterhin ist das Display auch in den seltsamsten Blickwinkeln noch sehr gut ablesbar. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass man die Helligkeit manuell regeln muss. LG hat im Gegensatz zu Motorola bei der Moto 360 auf einen Umgebungslichtsensor verzichtet. Ist es euch mal zu hell oder zu dunkel, müsst ihr also in den Einstellungen nachregeln. Schade eigentlich und auch irgendwie doof!

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Die Uhr besitzt 4 GB internen Speicher welcher mit Musik belegt werden kann. Außerdem hat man am Gehäuse einen Knopf bzw. eine Krone, die sich aber im Gegensatz zur Apple Watch nicht drehen, sondern nur drücken lässt. Ich habe mich am Anfang des Tests dabei ertappt, wie ich das Ding drehen wollte (Apple Watch User halt ^^). Der Knopf fungiert hier mehr oder weniger als Homebutton. Man kommt immer wieder zum Watchface zurück oder kann das Display mit einem doppelten Druck gänzlich deaktivieren.

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Was fehlt noch? Ach ja: Die Uhr hat natürlich auch einen Pulsmesser auf der Rückseite und ein WLAN b/g/n Modul, mit dem man sich auch ohne Smartphone im heimischen WLAN bewegen kann und dennoch Benachrichtigungen empfängt, sollte Bluetooth 4.1 LE mal nicht ausreichen. Weiterhin findet ihr die üblichen Sensoren, wie GPS, Gyroskop oder einen Kompass in der Uhr.

Design und Verarbeitung

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Design wird bei Smartwatches immer wichtiger, denn auch die intelligenten Uhren wollen zum Beispiel auch zu einem Anzug getragen werden. Bis noch vor einiger Zeit wirkten die ersten Smartwatches wirklich wie kleine Computer am Handgelenk: Eckig, klobig… meh! Spätestens seit der Moto 360, die als erste mit einem runden und wirklich Uhren-ähnlichen Design daher kam, änderte sich dies aber rapide. Die LG G Watch R wirkte noch etwas hölzern, doch mit der Watch Urbane macht LG den nächsten Schritt in die richtige Richtung.

Die LG Uhr gefällt – wenn man auf dicke Uhren steht!

Das Gehäuse misst 45,5 x 57 Millimeter und ist knapp 11 Millimeter hoch. Das auf den ersten Eindruck komplett aus Edelstahl gefertigte Gehäuse ist damit nicht wirklich als filigran zu bezeichnen. Wenn man also eher auf schlanke Uhren steht, wird man die Watch Urbane wohl eher als Klotz empfinden. Was mir negativ aufgefallen ist: die Armbandaufnahme! Die Verbindung zwischen der Aufnahme des Armbands und dem eigentlichen Gehäuse der Uhr hat LG meiner Meinung nach zu “fett” gestaltet. Der Uhr wird damit das eigentlich runde Gesicht genommen und man hat eher das Gefühl, dass es sich um ein Rechteck handelt. Weiterhin ist das Gehäuse komplett poliert, was die Wertigkeit auch etwas nimmt und die Uhr etwas billiger wirken lässt. Da kann auch der gebürstete Ring rundum das Display nicht viel wettmachen. Weiterhin bewirkt die unterschiedliche Materialverarbeitung zwischen Ring und Gehäuse auch, dass man die Uhr nicht mehr als Einheit wahrnimmt und das Gehäuse noch dicker wirkt.

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Neben dem Edelstahlgehäuse ist die LG Watch Urbane mit einem durchaus ansehnlichen Lederarmband ausgestattet. In meinem Fall handelt es sich um ein schwarzes Band mit weißen Steppnähten, die wirklich hervorragend aussehen. Der Hersteller hat hier sauber gearbeitet und auch die Abstände der Stiche sind nicht zu groß. Natürlich hat man (wie bei Lederbändern üblich) nach ein paar Tagen bzw. Wochen Benutzung die üblichen Biegungen oder Abnutzungserscheinungen im Leder. Das ist aber auch bei normalen Uhren so!

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Kommen wir zur Rückseite der Smartwatch, welche im Gegensatz zum Rest des Gehäuses leider aus Plastik besteht und der Uhr die Wertigkeit nimmt. Die Materialwahl kommt dem Gewicht der Uhr mit 66 Gramm zu Gute, was ihr ein außerdem angenehmes Tragegefühl verschafft. Preislich ist Plastik natürlich auch billiger! Dennoch sollte LG darüber nachdenken im nächsten Modell auf Edelstahl zu setzen (Achtung Spoiler: Die zweite Generation hat keine Plastikrückseite mehr).

Software & Bedienung

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Die LG Watch Urbane kommt mit dem Android Wear Betriebssystem von Google, welches ich hier im Test nicht separat erläutern möchte, da LG hier nichts geändert hat. Ich möchte euch stattdessen die Android Wear Seite und das folgende Video von MKBHD ans Herz legen, welches einen guten Überblick gibt.

Stattdessen möchte ich hier auf LG Watch Urbane Spezifika eingehen, die mir persönlich bei der Bedienung aufgefallen sind. Ich bin iPhone User und möchte euch vor allem die iOS / Android Wear Kombination näher bringen. Ist das überhaupt sinnvoll? Eine Kombination aus Apple und Google? Kann das funktionieren? Ich bin da etwas zwiegespalten! Googles Uhrenbetriebssystem funktioniert erst seit Ende August mit iOS und das merkt man auch. Hier und da gibt es noch diverse Kinderkrankheiten und auch das WLAN Problem ist eine große Hürde für viele Apple Nutzer. Ich hatte mit dem iPhone 6s und der LG Watch Urbane nicht das Problem mit der fehlenden oder abbrechenden WLAN Verbindung, wenn das Smartphone mit der Uhr gepairt ist. Wenn man eine solche Kombination benutzt, sollte man sich bewusst sein, dass es bei den Basics bleibt. Was heißt das konkret? Die Nutzung von Apps auf der Uhr ist tabu, es sei denn man benutzt die vorinstallierten Programme, wie die Taschenlampe, den Kalender, Pulsmesser etc. Ansonsten beschränkt sich die Smartwatch nur auf Benachrichtigungen.

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Da das mein Haupteinsatzszenario ist, bin ich mit der Watch Urbane auch zufrieden. Man muss sich eine Weile an Android Wear gewöhnen, zum Beispiel welche Wischgesten man benutzen kann, wie diese “OK Google” Funktion genau funktioniert etc. Danach läuft das mit der Uhr aber ziemlich gut! Eingehende Benachrichtigungen werden mit einer kurzen Vibration am Handgelenk signalisiert. Hier muss ich den direkten Vergleich zur Apple Watch ziehen: Die Taptic Engine fühlt sich deutlich angenehmer an, als der Vibrationsalarm der LG Watch Urbane. Bei der Uhr von LG ist es mehr so, als ob man ein vibrierendes Smartphone an das Handgelenk hält. Einmal erhalten, kann man die Mail dann entweder kurz in der !Vorschau! lesen oder wegwischen. So funktioniert das für alle Benachrichtigungen, ob Kalender, WhatsApp etc.

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Wenn man Android benutzt kann man auf Nachrichten antworten, Mails voll lesen, verschiedene Aktionen ausführen etc. Bei iOS bleibt es bei der puren Benachrichtigung – zumindest vorerst. Ob Google hier noch nachbessert, kann keiner so richtig sagen. Die LG Uhr macht jedenfalls auch in diesem Szenario was sie soll. Ich habe die Watch Urbane auch ein paar Stunden in Kombination mit Android getestet und dort auch keine Fehler oder ähnliches feststellen können. Auch während der Aktionen, Wischen im System etc. konnte ich keine Ruckler oder schlechte Performance bemerken. Der etwas in die Tage gekommene Prozessor und die 512 MB RAM scheinen ihre Arbeit gut zu machen. Dieses Verhalten kann sich natürlich ändern, wenn man die mit Android verfügbaren Android Wear Apps verwendet. Aber auch in meinem Test mit Evernote, Hangouts oder Amazon auf der Uhr hatte ich keine Probleme.
Was mir allerdings negativ aufgefallen ist, ist die Reaktionszeit beim Anheben der Uhr. Normalerweise sollte nach Anheben des Handgelenks das Watchface aufleuchten, was bei mir aber in vielen Fällen nicht klappte. Oft muss man entweder lange warten oder einen zweiten oder dritten Versuch starten. Da bin ich wahrscheinlich von der Apple Watch verwöhnt.

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Außerdem ist es mir während der Benutzung zwei Mal passiert, dass die Uhr nicht richtig in der Ladeschale lag und somit über Nacht nicht geladen hat. Ich hoffe das LG hier im nächsten Modell entweder auf Wireless Charging oder auf eine bessere magnetische Lösung ohne Pins setzt.
Der Pulsmesser in der Uhr funktioniert tadellos. Leider gibt es mit Android Wear nur den Sync in Google Fit und keine Health Kit Integration. Was außerdem fehlt ist eine kontinuierliche Messfunktion über den Tag, also die Erfassung des Ruhepulses. Ich konnte hier nur die Möglichkeit des manuellen Messens finden.

Akkulaufzeit

Smartwatches und Akkulaufzeit…

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Für viele ist das tägliche Laden die größte Hürde zu einer Smartwatch zu greifen. Eine normale Uhr hält monatelang oder sogar Jahre, wenn es sich um eine Uhr mit Automatik handelt. Doch wie schneidet die LG Watch Urbane hier ab?

Die Uhr wird von einem 410mAh starken Akku mit Saft versorgt, was die bisher übliche Größe ist. Ich bin es von der Apple Watch gewöhnt, die Uhr jeden Abend vor dem Schlafen auf dem Ladepad zu platzieren. Mein Instinkt trieb mich auch bei der LG Uhr dazu, doch ich warf vorher noch einen Blick auf die Batterieanzeige. Nach einem Tag Nutzung mit vielen Benachrichtigungen und “OK Google” Tests, zeigte mir das Display immer noch einen Ladestand von 67%… cool. Ich hab’ das Laden dann gelassen, die Uhr auf meinen Nachttisch platziert und früh wieder angelegt. Bei mir war dann aber spätestens am nächsten Abend Pumpe. Die Uhr schafft es mit einer Ladung und moderater Nutzung immer auf Laufzeiten zwischen 36 und 40 Stunden, was ich persönlich ziemlich gut finde. Mein persönliches Ritual des nächtlichen Ladens konnte ich zumindest ab und an sein lassen.

Fazit – LG Watch Urbane

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Die LG Watch Urbane ist schick anzusehen, ohne Frage. Man muss aber auf dieses große und doch etwas klobig wirkende Design stehen, auch wenn Sie mit einem angenehmen Tragegefühl punkten kann. Android Wear tut was es soll egal, ob man Android oder die beschnittene iOS Kombination verwendet. Mich stören die etwas wuchtige Armbandaufnahme und die ab und an etwas träge Reaktionszeit beim Anheben des Handgelenks. Positiv fällt mir hingegen die sehr gute Verarbeitung, die allgemeine Performance und vor allem die gute Akkulaufzeit von knapp zwei Tagen auf.
Wer eine gut aussehende und auch zu einem Anzug passende Smartwatch mit Android Wear sucht, die mit einem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis punkten kann, ist mit der LG Watch Urbane sehr gut bedient. Ihr könnt die Uhr inzwischen für ca. 240€ in silber erwerben!

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Vielen Dank an dieser Stelle an LG für die Bereitstellung des Testmodells.

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Folgt mir ^^

Veröffentlicht von

https://www.stereopoly.de

Ist beruflich im SAP Geschäft tätig, seit 2015 nach langer Pause aber wieder in der Blogosphäre unterwegs. Hat eine attestierte „Technik-Macke“ mit einer Vorliebe für Apple-Produkte.

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[…] Woche haben wir euch die LG Watch Urbane in einem Test näher vorgestellt und konnten ein positives Resumé ziehen. Der Nachfolger der Android Wear Smartwatch sieht […]

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