Testfahrt: Mercedes-Benz E-Klasse – intelligent und autonom

Die neue E-Klasse von Mercedes Benz lässt die Herzen technikbegeisterter Autofahrer höher schlagen. Pilotiertes Fahren und das Einparken per App geben uns schon heute einen Vorgeschmack darauf, wie wir in Zukunft Auto fahren werden. Wir waren einen Tag mit dem neuen Mercedes E 220 d unterwegs.

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Mit der neuen Mercedes Benz E-Klasse kommen wir dem Traum vom autonomen Fahren ein Stück näher. Und nein, das ist nicht nur irgendein Marketing-Spruch, sondern ein Fakt. Tatsächlich könnte die E-Klasse schon heute bestimmte Strecken autonom zurücklegen – wenn da nicht zahlreiche Regeln und Vorschriften wären, die dem im Weg stehen. Aber der Reihe nach.

Unser E 220 d, mit dem wir einen Tag im „Ländle“ unterwegs waren, kostet in der Basis-Version knapp 47.000 Euro. Dafür bekommt man zwar ein solides Auto, allerdings hat dieses dann mit unserem Testwagen nur wenig gemein, vor allem was Infotainment, Konnektivität und Fahrassistenz-Systeme angeht. Kaum ein anderes Auto aus dem Hause Mercedes-Benz verfügt derzeit über so viele Optionen im Konfigurator wie die neue E-Klasse. Wer sich auf Fahrassistenz, Konnektivität und Infotainment beschränkt, bekommt für etwa 75.000 Euro das derzeit wohl intelligenteste Auto seiner Klasse. Wer zu edlem Leder, großen Felgen und dem Burmester-Soundsystem mit 23 Lautsprechern greift, kann auch die 100.000-Euro-Marke knacken.

Bleibt die Frage: Was macht ein intelligentes Auto aus?

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Unterwegs mit der neuen E-Klasse (Mercedes-Benz Intelligent Drive)

Autos mit Adaptive Cruise Control gibt es schon seit einigen Jahren. Sie können ihrem Vordermann folgen und selbstständig beschleunigen beziehungsweise bremsen. Lenken muss man selbst. Gerade auf langen Strecken – und auch im Stau – steigert dieses Feature den Fahrkomfort erheblich.

In der nächsten Ausbaustufe, die einige Hersteller als Stau-Assistent bezeichnen, unterstützt das Auto den Fahrer bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h auch bei der Lenkung. Im Stau muss man dann weder selbst bremsen, noch selbst beschleunigen, noch selbst lenken. Naja nicht ganz: per Gesetz sind die Automobilhersteller dazu verpflichtet, mit Sensoren sicherzustellen, dass der Fahrer die Hände am Lenkrad lässt. Man wird beim Lenken also nur unterstützt. Nimmt man die Hände vom Lenkrad, lenkt das Auto zwar noch einige Sekunden selbstständig weiter, dann ertönt aber ein Warnton und der Assistent schaltet sich ab.

Mercedes-Benz setzt mit dem Drive Pilot in der neuen E-Klasse nun aber noch einen oben drauf. Der Lenk-Pilot ist bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h aktiv und hält eigenständig die Spur. Ja, die Hände muss man trotzdem am Lenkrad lassen, aber dennoch macht der Drive Pilot das Fahren auf der Autobahn sowie auf Landstraßen und in der Stadt komfortabler und sicherer. Bei hohen Geschwindigkeiten reicht es für einen Unfall nämlich oft schon aus, wenn man nur eine Sekunde unaufmerksam ist. Da der Drive Pilot das Steuer aber auch dann “in der Hand behält”, wird das Risiko einer Kollision erheblich gesenkt.

In der Praxis arbeitet der Abstandspilot (Distronic) in der neuen E-Klasse in Kombination mit dem Lenk-Piloten sehr zuverlässig. Das Autofahren wird wesentlich angenehmer. Nimmt man die Hände vom Lenkrad, kann man dem Auto einige Sekunden lang dabei zuschauen, wie es wie von Geisterhand selbstständig die Spur hält und weiterfährt. Ich finde das faszinierend, da man für kurze Zeit eine Vorstellung davon bekommt, wie uns Autos in ein paar Jahren in Eigenregie von A nach B bringen werden.

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Aber soweit sind wir noch nicht. Also zurück in die Gegenwart, eine Gegenwart in der man mit dem aktiven Spurwechsel-Assistenten der E-Klasse immerhin schon teilautomatisiert überholen kann. Das muss man sich in etwa so vorstellen: ihr fahrt auf der Autobahn auf der rechten Spur und wollt das Fahrzeug vor euch überholen. Also setzt ihr den Blinker links. Den Rest erledigt das Fahrzeug. Die Sensoren und Kameras der E-Klasse analysieren den Verkehr und lenken das Fahrzeug auf die linke Spur. Setzt ihr den Blinker nun nach rechts, fährt das Auto zurück auf die rechte Spur und setzt sich vor den überholten Wagen.

Auch diese Aufgabe bewältigt die E-Klasse mühelos und zuverlässig, wenngleich etwas behäbig. Der teilautonome Überholvorgang dauert verglichen mit dem „manuellen“ Überholen doch recht lange und erinnert eher an einen Spurwechsel als an ein Überholmanöver. Aber wir stehen ja auch gerade erst am Anfang der Entwicklung.

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Und sonst so? Aktiver Brems-Assistent mit Kreuzungsfunktion und Stauende-Notbremsfunktion, Ausweich-Lenk-Assistent, aktiver Totwinkel-Assistent, aktiver Spurhalte-Assistent, und so weiter. Die Liste der intelligenten Helferlein ist lang. Eines meiner persönlichen Highlights ist dann aber doch der Geschwindigkeitslimit-Pilot, der Bestandteil des Drive Pilot ist. Viele Fahrzeuge erkennen bereits das aktuelle Tempolimit und zeigen es dem Fahrer an. Doch bei der neuen E-Klasse geht man noch einen Schritt weiter: der Drive Pilot erkennt die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht nur, sondern übernimmt sie auch. Fährt man teilautomatisiert mit 120 km/h auf der Autobahn und kommt in eine Baustelle in der nur 80 km/h erlaubt sind, reguliert das Fahrzeug die Geschwindigkeit automatisch herunter. Es war noch nie einfacher, Strafzettel zu vermeiden! 😉

Remote Park Pilot: Ein- und Ausparken per App

Kommen wir zu einem anderen Thema. Mein derzeitiges Auto kann selbstständig rückwärts längs einparken. Dabei muss ich zwar selbständig bremsen und Gas gebe, aber das Fahrzeug übernimmt die Lenkung. Diesen Vorgang finde ich selbst nach drei Jahren noch faszinierend, vor allem, da das Auto danach immer wie eine Eins in der Parklücke steht.

Der neuen E-Klasse kann ein solches Parkmanöver bestenfalls ein müdes Lächeln abringen. Mit dem Park Pilot (inklusive 360-Grad-Kamera) kann die Limousine sowohl in Längs- als auch in Querlücken selbstständig ein- und ausparken. Garagen stellen für die E-Klasse ebenfalls kein Problem dar. In Zeiten, in denen die Parkplätze immer kleiner und die Autos immer größer werden, ist das ein ziemlich praktisches Feature.

Aber auch hier setzt Mercedes-Benz noch einen oben drauf. Mit der Remote Park Pilot-App lässt sich der Parkvorgang bei der neuen E-Klasse auch von außen steuern. Steht man bis zu drei Meter entfernt vom Auto und hat den Schlüssel in der Tasche, verbindet sich die App mit dem Auto und man kann es entweder ein- oder ausparken. Mögliche Szenarien? Enge Garagen und enge Parklücken, in die man ohne die App gar nicht kommen würde – zumindest nicht, wenn man auch noch aus dem Auto aussteigen will.

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Ich muss zugeben, dass es anfangs ein etwas seltsames Gefühl ist, wenn man das Auto fahren und lenken sieht, ohne dass jemand am Steuer sitzt. Aber daran gewöhnt man sich recht schnell. Das Fahrzeug überwacht während des Parkvorgangs selbstständig die Umgebung und bremst, wenn es ein Hindernis erkennt. Dennoch trägt der Fahrer auch weiterhin die ihm vom Gesetzgeber auferlegte Verantwortung. Konkret heißt das: während des Parkvorgangs müsst ihr auf eurem Smartphone-Bildschirm permanent eine Kreisbewegung ausführen, denn nur dann bewegt sich die E-Klasse vorwärts. Das mag etwas lästig sein, aber so soll sichergestellt werden, dass der Parkvorgang eure ungeteilte Aufmerksamkeit hat.

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Die Sache mit dem Smartphone als Fahrzeugschlüssel

Ich finde es grundsätzlich immer toll, wenn man irgendetwas mit dem Smartphone steuern kann. Allerdings muss ich zugeben, dass mich die Idee vom Smartphone als Fahrzeugschlüssel noch nicht so wirklich vom Hocker haut. Mercedes-Benz bietet diese Option zwar an, setzt aber auf NFC. Soll heißen: als iPhone-Nutzer ist man schon mal raus.

Selbst wenn man ein Android-Smartphone hat, ist der “digitale Fahrzeugschlüssel” alles andere als komfortabel. Während man bei Keyless Go-Systemen den Autoschlüssel ganz einfach in der Hosentasche lassen kann, muss man das Smartphone direkt an den Griff der Autotür halten, um das Fahrzeug zu öffnen. Der Motor startet nur, wenn das Smartphone an einer ganz bestimmten Stelle im Fahrzeug liegt. Aber so funktioniert Near Field Communication (NFC) nun einmal.

Wer sein Smartphone als digitalen Fahrzeugschlüssel nutzt, kann übrigens auch die Remote Park Pilot-App nicht nutzen, da diese nur funktioniert, wenn das Fahrzeug den “normalen” Schlüssel erkennt. Somit ist der digitale Schlüssel eigentlich nur dann hilfreich, wenn man den klassischen Schlüssel mal daheim vergessen hat. Ein digitaler Ersatzschlüssel sozusagen.

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Die neue E-Klasse macht die Zukunft erlebbar

Abgesehen von dem mehr oder weniger praktischen digitalen Fahrzeugschlüssel, der ohnehin nur eine nette Spielerei ist, ist die neue E-Klasse das derzeit wohl intelligenteste Auto der oberen Mittelklasse. Der Drive Pilot mit Distronic und Lenk-Pilot erhöht den Fahrkomfort und die Sicherheit beträchtlich – gerade auf Langstrecken. Wer im Jahr nur 8.000 Kilometer in der Stadt oder auf Landstraßen zurücklegt, kann sich das freilich nicht vorstellen, aber nach 500 Kilometern auf der Autobahn ist es durchaus angenehm, wenn man sich auch mal zurücklehnen kann und das Auto das Steuer “übernimmt”. Die Tatsache, dass der Drive Pilot auch noch die Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennt und das Tempo automatisch anpasst, rundet das “intelligente Fahrerlebnis” ab.

Parken per App? Braucht man das wirklich? Zugegeben, ich war anfangs selbst etwas skeptisch – bis ich den Remote Park Pilot ausprobiert habe. Der Punkt ist der: gerade in der Großstadt und in Parkhäusern werden die Parkplätze immer schmaler – weil die Autos immer größer werden. Dass das Auto selbstständig ein- und ausparken kann, ist da das eine. Mit etwas Übung kann man selbst den größten SUV ohne 360-Grad-Kamera und Piep-Piep einparken.

Dass man zum Parken aber nicht mehr im Auto sitzen muss, ist etwas völlig anderes. Ich fahre einen BMW 3er, der verglichen mit der E-Klasse noch recht “klein” ist. Dennoch muss ich selbst bei uns in der Garage schon aufpassen, dass ich mit der Tür nicht an der Wand anecke beim Aussteigen. Dieses Szenario lässt sich analog auf so gut wie jede Tiefgarage in Deutschland übertragen. Wenn man dann auch noch etwas auf dem Rücksitz liegen hat oder auf beiden Seiten Personen aussteigen müssen, hört der Spaß ganz auf. Und genau dann wünscht man sich die Remote Park Pilot-App. Bequem Aussteigen, den Wagen parken lassen. Den Wagen per App aus der Parklücke fahren, bequem einsteigen. Das ist echter Komfort.

Ihr wollt mehr über die neue E-Klasse erfahren? Dann schaut mal hier. Wer sich ein Gefühl für die Preise verschaffen will, sollte den Konfigurator nutzen.

Fotos: Sascha ‘Gilly’ Israel

Veröffentlicht von

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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[…] Mercedes Benz E-Klasse Testfahrt […]

[…] und Sicherheit darstellt. Die Erfahrung hat mich dabei vor allem eines gelehrt: Auch wenn BMW, Mercedes und Audi für ihre integrierten Infotainment-Lösungen zum Teil bis zu 4000 Euro aufrufen – […]

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