Testbericht: Motorola Milestone 2 – Minicomputer mit Mängeln

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Ich geb’s ja zu: Ich liebe mein Motorola Milestone. Als ich kürzlich die Gelegenheit hatte, das neue Milestone 2 zu testen, konnte ich natürlich nicht nein sagen. Es begab sich vor ungefähr einem Jahr, dass mein Mobilfunkvertrag sich dem Ende zuneigte. Da dies immer eine schöne Gelegenheit ist, sich ein neues Spielzeug ins Haus zu holen, beschäftigte ich mich seinerzeit recht intensiv mit den Möglichkeiten des Marktes.

Ein iPhone kam für mich nicht in Frage, schon aus Prinzip nicht. Das Palm Pre, das seinerzeit angeboten wurde wie sauer Bier, war zwar nett und lag gut in der Hand, jedoch ließ die Verarbeitung stark zu wünschen übrig. Schnell stand fest: Android sollte es haben. Damit blieben HTC und Motorola übrig. HTC fiel vor allem dadurch auf, dass die Geräte aus Plastik waren und wirkten, als würden sie einen Sturz nie überleben. Also das Milestone von Motorola. Vom Design her war Motorola schon immer ganz vorn dabei. Aus diesem Grund hatte ich mir anno dazumal das RAZR geholt, um dann jedoch enttäuscht feststellen zu müssen, dass es zwar schön, aber technisch selbst älteren Telefonen anderer Hersteller weit unterlegen war.

Zum Milestone fanden sich aber fast nur gute Meinungen. Ja es hieß sogar, es sei das einzige Smartphone, das dem iPhone 3GS das Wasser reichen könne und es gar in den Schatten stelle. Darüber hinaus versprach der Anteil von Android auf dem Markt der Anwendungen sprunghaft zu wachsen.

Außen

Milestone 1

Schwarz, metallisch, kantig. Den rustikalen, zuverlässigen Charme eines Thinkpads versprühend. Das Gerät sei ein „Männerhandy“, hieß es damals in den Berichten. Nun, das liegt sicher im Auge des Betrachters oder eben der Betrachterin. Oder auch in der Hand. Denn dort liegt es erstaunlich gut, trotz seiner Größe. Eine ausziehbare Qwertz-Tastatur verführt zum Schreiben längerer Beiträge oder E-Mails. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich diese bis heute nicht als Schwachpunkt des Milestone erwiesen. Noch immer schnippt sie elegant heraus und wieder hinein. Einziger nicht so schöner Punkt sind die Regler an den Seiten, weil aus Plastik. Nach einem Jahr in Gebrauch ist hier im wahrsten Sinne des Wortes der Lack ab. Ansonsten ein wie ich finde rundum gelungenes und schönes Telefon.

Milestone 2

Konnte es noch schöner werden? Es konnte. Motorola hat sich selbst übertroffen. Die scharfen Kanten sind verschwunden und eleganten Rundungen gewichen. Das Display wird von einem eleganten anthrazitfarbenen Metallrahmen umschmeichelt, der im Gegensatz zum MM1 bis zum Ende des Gehäuses reicht. Nur warum um alles in der Welt hat Motorola sich entschieden, die vier Menüpunkte am unteren Ende neu zu sortieren? Nicht, dass die Anordnung auf dem MM1 das Optimum gewesen wäre. Aber es ist einfach eine Gewohnheitssache. Die Tastatur ist übersichtlicher gestaltet als beim MM1 und Motorola hat sich die Kritik zu Herzen genommen: Lag beim MM1 nur eine QWERTZ-Matte, findet der schreibende Finger beim MM2 kleine Erhöhungen unter den einzelnen Tasten. Kurz: ich war auf den ersten Blick verliebt und bereit, mein MM1 in Rente zu schicken.

Innen

Das Innenleben der beiden Geräte unterscheidet sich hauptsächlich in technischen Details. Eins hätte ich im Milestone 2 erwartet, wurde aber von Motorola enttäuscht: Der Akku ist der gleiche wie beim Vorgänger und damit genauso schwach. Tröstlich ist hier nur, dass er nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sehr schnell lädt. Selbst komplett leer kann man das Telefon nach einer knappen Stunde voll geladen wieder vom Netz nehmen. (Das Milestone 2 gibt nach dem Aufladen gleich noch den Rat mit, jetzt doch das Ladegerät aus der Steckdose zu ziehen, um Strom zu sparen…)

System und Motoblur

Im Milestone 1 findet sich laut Hersteller Android 2.1, wobei das automatische Update hier zu wünschen übrig lässt. Das Milestone 2 wartet mit Android 2.2 und damit auch Flash auf. Nett. Darüber hinaus verfügt das Milestone 2 über das herstellereigene System Motoblur. Ein nettes Spielzeug für alle, die mehrere soziale Netzwerke gleichzeitig nutzen. Hier kann man Twitter, Facebook, Picasa und diverse andere Dienste gleichzeitig bedienen. Fotos lassen sich per schnellem Upload gleichzeitig in allen Netzwerken posten, ebenso Statusupdates. Das Widget dafür ist genau wie das für SMS/MMS und DMs von Twitter sowie das für Updates in den Netzwerken vorinstalliert. Und hier liegt auch schon einer der Pferdefüße: Dank Motoblur greift das Milestone 2 permanent auf das Internet zu. Das sollte man wissen, wenn man eine begrenzte oder gar keine Flatrate hat.

Motoblur ist nett für den Nutzer, weil er nicht mehr jedes Netzwerk einzeln bedienen muss. Will er aber vollen Zugriff auf diese Netzwerke haben, sprich auch die Antworten und Kommentare sehen oder schlicht bei Facebook mal die News checken, benötigt er weiterhin eine App. Hier hat Motorola nicht zu Ende gedacht. Leider.

Beide Telefone bieten GPS-Ortung an. Das Milestone 2 ist hier wesentlich schneller am Start als das Milestone 1. Besseres System eben.

Bedienung

Nun ja, ein Smartphone eben. Touchscreen und Auswahl der verschiedenen Bildschirme (fünf beim Milestone 1, sieben beim Milestone 2) mit Wischen über selbige. Alles wie gehabt. Die auf den ersten Blick wesentlich gefälligere Tastatur ist doch nicht so übersichtlich wie gedacht. Der Benutzer muss sich hier einfuchsen. Was absolut unnötig und sehr nervig ist, ist die Tatsache, dass bei der virtuellen Tastatur das Komma einem Button für Sprachaufnahmen weichen musste. Hier muss man jetzt den Modus wechseln, um ein Komma tippen zu können. Welchen Sinn das hat, weiß kein Mensch. Als besonderes Schmankerl bietet das Milestone 2 Swype, ein System, mit dem man die einzelnen Worte nicht mehr mittels Tippen der einzelnen Buchstaben bildet, sondern mit „Wischen“. Aus den sich ergebenden Mustern bildet Swype dann die Vorschläge, was man gemeint haben könnte. Ist ein bisschen wie Stille Post spielen.

Synchronisation

Ein Wort: unbefriedigend, setzen. Beim Wechsel vom Milestone 1 auf das Milestone 2 wurden trotz Mitnahme der beigegebenen SD-Karte die Apps nicht übertragen. Und der Android-Market, der mich ja schon kennen sollte, hat sich auch nicht gemerkt, welche Apps ich bereits habe. Mit anderen Worten: Alles wieder neu suchen, downloaden, installieren und einrichten. Sehr unschön. Die virtuelle Synchronisation mit dem Google-Konto funktioniert gewohnt gut, aber das kannte ich schon vom Milestone 1.

Kamera

Geht so. Ehrlich gesagt hatte mein altes Sony Ericsson eine bessere Kamera trotz gleicher Pixelzahl. Beide Milestones bieten 5 MP und einen Blitz, dazu die üblichen Bearbeitungsspielereien und Modi. Hier ist kein großer Unterschied festzustellen. Für Schnappschüsse geeignet, aber in Innenräumen, die schlecht beleuchtet sind, taugen beide nichts. Der Blitz wirkt entweder übersteuert oder gar nicht. Mit anderen Worten: Entweder sieht man aus wie tot oder erscheint als Schatten auf dem Bild. Anti-Rote-Augen-Effekt kennt die Kamera nicht. Das Kamera-Widget, ebenfalls vorinstalliert, ist nett, aber nutzlos.

Medien

Beide Milestones haben die Youtube-App vorinstalliert. Das Milestone 2 ist hier beim Laden wesentlich schneller, was aber auch am Betriebssystem liegt. Die Qualität der Wiedergabe unterscheidet sich nicht. Der Music-Player muss immer erst einmal gesucht werden. Hat man ihn gefunden, muss man die Musik suchen, die man auf der SD-Karte hat. Dann muss man sie dort ordnen und eine Playlist anlegen, weil ansonsten immer der gleiche Titel abgespielt wird… Es ist mühsam. Da der Player allerdings ähnlich viel Akku frisst wie Angry Birds spielen, empfiehlt sich ein externer MP3-Player. Das Milestone 2 bietet an, dass man die Lieder aus der eigenen Playlist auch blippen können soll, allerdings gipfelte der Versuch in meinem dringenden Bedürfnis, das Telefon gegen die Wand zu werfen. Kurz: Es hat bei mir nicht funktioniert.

Speicher

Milestone 1: Ist auf bis zu 32 GB erweiterbar, 8 GB SD-Karte wird mitgeliefert.
Milestone 2: Ist auf bis zu 32 GB erweiterbar, 8 GB interner Speicher, 8 GB SD-Karte wird mitgeliefert.

Kleiner Tipp: Finger weg von Foursquare. Diese App legt für jeden Check-In eine eigene Datei an und müllt so den Speicher zu.

Fazit

Es war eine schöne Zeit mit dem Milestone 2, aber ich freue mich, mein Milestone 1 wieder benutzen zu können. Die äußeren Verbesserungen können die Bugs bei den technischen Veränderungen nicht aufwiegen. Es gibt nette Ansätze, die jedoch nicht konsequent zum Ende gebracht wurden wie eben Motoblur. Auf mich macht es ein wenig den Eindruck, als sollte nun schnell eine neue Generation herausgebracht werden, um dem iPhone 4 Konkurrenz zu machen. Das ist definitiv nicht gelungen. Trotzdem ist das Milestone 2 ein schönes Telefon mit dem neuesten Stand der Android-Technik. Aber was heißt das schon heute. Warten wir das Milestone 3 ab.

Von Juliane WeuffenTextblicke.de

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