Murdoch unterstützt Microsoft beim Kampf gegen Google

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Bislang schien es so, als würde Google dem Noch-Marktführer Microsoft so langsam den Rang ablaufen. Selbst in seinem ureigenen Bereich, dem Betriebssystem, ist Google mittlerweile angekommen. Doch Microsoft hält dagegen, mit prominenter Unterstützung.

Nach der Veröffentlichung von Windows 7 hat Microsoft bewiesen, dass der Konzern die Zeichen der Zeit verstanden hat. Mit dem schmalen und schnellen Betriebssystem wurde der verstaubte Charme offensiv beseitigt. Denn das Feedback für das neue Betriebssystem war bislang äußerst positiv. Dagegen konnte Googles Chrome OS unseren Autor Sascha in einer ersten Testversion noch nicht besonders überzeugen.

Nun versucht Microsoft den Gegenschlag. Wenn sich Google mit einem Betriebssystem versucht, warum dann nicht an der Suchmaschinenhoheit kratzen. Mit Bing ist dieser Angriff bislang auch schon recht eindrucksvoll gelungen. Wie Google setzt auch die Microsoft Suchmaschine auf einfachste Funktionalität und Anwenderfreundlichkeit, weshalb sie sich durch ihre Inhalte absetzten muss. Dadurch kommt es seit kurzem zu einem Wettlauf um die APIs von den jeweiligen Datenlieferanten.

Nun hat Microsoft die Messlatte jedoch ein Stück höher gelegt und die Spielregeln verändert. Während die Suchmaschinen bislang kostenlos auf die Daten und Informationen zugreifen konnten, bahnt sich eine Trendwende an. Denn Microsoft befindet sich in Gesprächen mit der Mediengruppe News Corp, der unter anderem auch das Wall Street Journal gehört. So scheint Microsoft daraus Wirklichkeit zu machen, wozu Google seit längerem gedrängt wurde, nämlich die Lieferanten seiner Daten zu bezahlen. In der Hamburger Erklärung haben sich 166 europäische Verlage zusammen geschlossen.  Sie fordern “ eine faire Beteiligung an den Umsätzen derjenigen, die ihre Inhalte vermarkten“, sagt Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG. Zudem möchten sie den Markt für bezahlte Inhalte in der digitalen Welt von der Politik gestärkt sehen und wandten sich mit der Erklärung sogar an die Europäische Union.

News Corp Chef Rupert Murdoch äußerte bereits häufiger, dass er seine Informationen nicht mehr für „Content-Diebe“ zugänglich machen möchte. Gut recherchierter Journalismus müsse zahlungspflichtig werden, so der Medienmogul. So sollen Suchmaschinen für den Content seiner Medien zukünftig bezahlen. Wer dann noch als User tiefergehende Informationen benötigt, der soll auch dafür in die Tasche greifen, wie es jenseits der am Kiosk sichtbaren Titelseite bei Zeitungen ja auch der Fall ist. Microsoft scheint sich nun auf Gespräche einzulassen und könnte durch die Zahlung an den Medienkonzern seinen Konkurrenten Google zumindest für eine kurze Zeit aussperren. Gleichzeitig würde Yahoo nach der Einigung mit Microsoft über Bing als neue Suchmaschine ebenfalls gestärkt werden. Das 1:0 könnte in diesem Kampf der Giganten also durchaus in greifbare Nähe rücken.

Für User ist diese Nachricht natürlich nicht gut, da für Content demnach zukünftig vermehrt bezahlt werden muss. Wenn man sich jedoch die Probleme der Printmedienindustrie der vergangenen Jahre anschaut, muss man sich auch überlegen wo dies hinführen wird. Möchte man tatsächlich weiterhin alle Informationen kostenlos erhalten, dafür aber weniger gut recherchierte? Was mich angeht, kann ich diesen Schritt bei genauerem Überlegen nur begrüßen. In Zeiten der Informationsflut reichen mir meistens zunächst grobe Informationen. Wenn diese durch Werbung der Suchmaschinen finanziert werden ist das für mich weiterhin kostenlos – Prima! Dies finde ich wichtig, da man sicher nicht mehr bereit ist für jede Information zu bezahlen. Wenn es jedoch um Details geht, sollte die Arbeit auch entsprechend honoriert werden. Es ist daher an der Zeit, die „alles muss kostenlos sein-Mentalität“ abzulegen.

Es kommt jedoch die Frage auf, wie Microsoft diesen Vorstoß gegenfinanzieren will. Laut Googles UK Chef Brittin ist dies schier unmöglich. Er meint, er könne auf die speziellen Verlags- und magazininhalte zumindest aus finanzieller Betrachtung verzichten, da mit ihnen eh kein Geld zu verdienen ist. Ob die Zuströme zu einer Suchmaschine durch diesen „Service“ jedoch mitberechnet wurden, ließ Brittin offen. Diese offene Frage ausgeklammert, könnte Brittin jedoch Recht behalten, denn nach einer Studie von The Reach Group erscheinen tatsächlich nur 5 Prozent der Domains, welche die Hamburger Erklärung unterzeichnet haben, mit Ihren Inhalten bei Google auf der ersten Seite und somit unter den Top 10.

Die Idee der Finanzierung finde ich also insgesamt für die Branche in Ordnung. Zudem werden sich die User bewußt, dass Leistungen auch ihren Wert haben. Stören tut mich aber, wenn einige Inhalte durch spezielle Deals (zumindest vorläufig) nur bei einer Suchmaschine zu finden sind, während andere Informationen durch eine andere Suchmaschine angeboten werden. Im übrigen: Stereopoly bleibt natürlich auch weiterhin kostenlos ;-).

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bei Google Chrome OS hätte ich immer Angst, dass mehr Daten an den Google-Konzern gehen als mir lieb ist. Google weiß ziemlich viel und wenn man nun auch noch ein Betriebsystem von denen hat würde man, meiner Meinung nach, ein gläserner Mensch werden.

  2. Ich kann den Ansatz irgendwie nicht ganz nachvollziehen. Warum sollten die Suchmaschinen an die Verlage zahlen. Die Verlage nutzen doch quasi Google als Dienstleistung, um gefunden zu werden.
    Klar ist es ein Problem, dass Nutzer für digitale Inhalte keine bzw. nur eine geringe Zahlungsbereitschaft besitzen, aber damit haben die Suchmaschinen ja nichts zu tun.
    Die Verlage sollten sich lieber zusammen tun und auf ein Pricingsystem einigen. Also zum Beispiel geschlossen eine Paywall einbinden. Dann würde sich auch die Mentalität der Nutzer verändern. Solange sie aber noch gratis irgendwo gratis die Informationen erlangen werden sie auch weiterhin nichts zahlen.
    Bei den Verlangen ist die Suchmaschinenoptimierung daher von immer größerer Bedeutung. Eine enge Kooperation mit einer SEO Agentur scheint also kaum vermeidbar. Sie müssen immer mehr Besucher auf ihre Seite locken, um die Arbeit über Werbung zu finanzieren.
    Die Nutzer müssen sich also mit mehr nerviger Werbung abfinden oder für den Inhalt zahlen. Ich bin gespannt wie die Entwicklung weitergeht.

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