Nexus One – Ausgepackt und angetestet

n1 Nexus One - Ausgepackt und angetestet Technologie

Eine Woche ist es nun her, dass ich mich selbst als Nexus One Besitzer bezeichnen darf. Eine Woche voller Entdeckungsdrang, voller Freude, voller Staunen am neuen Spielzeug. Ich nehme es für euch schon einmal vorweg: Ich bereue es in Summe keinesfalls vom iPhone ins Android-Lager gewechselt zu haben. Nach unserem ersten Android-Testbericht zu Motorolas Milestone, konnten wir nun auch den derzeitigen Stern am Android-Himmel mit aktuellem Android 2.1 antesten.

Strukturell möchte ich hier etwas anders vorgehen, als ihr es vom Milestone-Testbericht gewohnt seid. Die Galerie zum Nexus One findet ihr unter “Packungsinhalt”, das Hands-On-Video am Ende des Artikels, zu dem ich im folgenden Text hin und wieder eingehen werde. Die Galerie wird in den kommenden Tagen noch um ein paar bessere Aufnahmen erweitert. Die Lichtverhältnisse waren am Abend nicht so rosig.

Jeder Testbericht hat seinen Ursprung im Unboxing. Nachdem ich mir im Vorfeld schon jegliches Unboxing-Video des Nexus One auf YouTube angeschaut habe, habe ich mich dafür entschieden das Gerät alleine, ohne Kamera und in aller Ruhe nur für mich auszupacken. Ein wirklich schöner Moment diese kleine weiße Schachtel (Déjà-vu) vor sich zu sehen.

Packungsinhalt

Das Nexus One kommt anders als das iPhone schon mit jeder Menge nützlicher Accessoires daher. So finden sich neben Handy noch eine schicke Handytasche aus Neopren (?) mit Android-Logo, ein USB-Anschluss-Kabel für den Computer, Headset + Festmach-Clip, Akku, sowie ein Ladegerät mit Micro-USB-Anschluss. Ich bin sehr froh, dass hier neuere Handys mittlerweile standardisiert auf Micro-USB setzen, so dass ich das US-Ladegerät gegen jedes x-beliebige Ladegerät austauschen konnte. Etwas traurig, dass das Ladegerät nicht optional mit wechselbaren Aufsätzen ausgeliefert wird, so wie es beim iPhone einst üblich war. Die mitgelieferte 4GB SD-Karte ist bereits im Gerät eingebaut.

Des Weiteren finden sich bei den Unterlagen noch die Garantiebedingungen, sowie ein 5-Step-Starterguide, der ein komplettes Handbuch ersetzen soll. Android ist schon intuitiv bedienbar, aber ein kleines Handbuch, zumindest in elektronischer Form vorinstalliert wäre hilfreich. Die vom Nexus One beim ersten Start gelieferte Kurzanleitung zur Bedienung ist mehr als mager. Ein kompletter User-Guide für das Nexus One ist allerdings bei Google zu finden, sogar als vernünftiges PDF zum ablegen auf dem Handy.

Galerie

Erste Berührungen

Ich kannte das Nexus One bereits durch einschlägige Videos im Internet. Dennoch konnte ich mir in keinster Weise vorstellen, dass sich die reale Wahrnehmung deutlich positiv von Bild- und Videomaterial abhebt. Es liegt extrem gut in der Hand schmiegt sich durch die Teflon-Beschichtung besser an die Hand an, als die Plastikschale des iPhone. Ein weiterer positiver Effekt der Beschichtung ist das Fernbleiben von offensichtlichen Fingerabdrücken; es gibt sie, aber sie fallen nicht auf. Die Verarbeitung des Nexus One macht einen sehr guten Eindruck. Sie ist in keinster Weise verspielt, lassen wir mal die Möglichkeit einer Gravur außen vor. Da hat HTC schon ein sehr sehr schickes Gerät auf den Markt gebracht.

Die Sache mit dem Trackball

Der Trackball. Er wurde fast in jedem Test thematisiert und häufig kritisiert. Die meisten Leser der ersten Blogeinträge zum Nexus One fragten sich nach der Sinnhaftigkeit des Trackballs und vertreten die Auffassung, dass man lieber drauf verzichten hätte können oder zumindest ein Trackpad, anstelle eines Trackballs hätte einsetzen müssen.

Das für mich positivste Argument für den Trackball ist die Benachrichtungsfunktion. Der Trackball leuchtet bei verpassten Ereignissen, wie Anrufen, SMS, Kalendereinträgen, etc. Das habe ich beim iPhone schmerzlich vermisst. Die Einflussnahme auf Leuchtdauer, -farbe lässt sich im Standardumfang nicht anpassen. Lediglich lässt sich einstellen, ob er 1x blinken soll oder mehrfach, bis die Benachrichtigung abgehakt wurde. Wer Einfluss drauf nehmen und nicht auf eine hoffentlich kommende Implementierung seitens Google warten will muss sein Gerät rooten.

Hinzu kommt die Möglichkeit den Trackball in Spielen zu nutzen. In unserem Video kurz vor Ende seht ihr wie ich Droid Breakout mit Trackball spiele. Man kann es auch mit Touch-Display spielen, aber diese Variante ist lange nicht so komfortabel.

Negativ ist zum Einen das Bauteil an sich. Wie verhält es sich auf lange Zeit gesehen mit Schmutzablagerungen am Trackball? Über die Funktionstüchtigkeit mache ich mir weniger Sorgen. Dafür gibt es einschlägige Langzeittests in den HTC Laboren und Erfahrungswerte von BlackBerry-Nutzern, die für lange Zeit nichts anderes kannten, als genau diese Art von Trackball. Zum Anderen hätte man eine Benachrichtigungsfunktion auch mit Trackpad realisieren können und die Technik ist schon da gewesen, wie HTC bei seinen neuen Geräten bereits gezeigt hat.

Start in Android 2.1

Der Akku ist bereits vorgeladen und somit kann auch ohne direkt an das Laden des Geräts zu denken eingeschaltet werden. Das System startet mit dem bereits bekannten Boot-Logo und bietet einem zu allererst die Grundeinrichtung des Geräts, sowie eine kleine Einleitung zum Touch-Display an. Nachdem der eigene Google-Account eingerichtet ist fängt direkt die Synchronisation des Kalenders, der E-Mails, der Kontakte und sogar von Google Maps an. Bei Google Maps hatte ich mich nämlich gewundert, dass er bei meinen Routen-Tests bereits per Computer und Web eingegebene Anfragen kannte. Google is watching you.

Bei den Kontakten empfiehlt es sich diese im Vorfeld auf der entsprechenden Google-Seite zu pflegen und auch in Gruppen einzuteilen. Android ermöglicht es dann nur die gewünschten Gruppen zu synchronisieren. Ansonsten kann es sein, dass ihr auf einmal jeglichen Kontakt auf eurem Handy wiederfindet, mit dem ihr evtl. nur eine kurze E-Mail hin- und hergeschrieben habt.

Was mir fehlt um die Cloud zu komplettieren ist ein eigenes App für Google Docs, gerade durch die Erweiterung der Docs zum Hochladen jeglicher Dateien. Ich gehe stark davon aus, dass eine App dieser Art bald in den Market geworfen wird und schiebe das bisherige Fehlen auf die erst vor kurzem eingeführte Erweiterung der Google Docs.

Die besten Eindrücke von Android 2.1 erhaltet ihr sicherlich im Video. Hier erlebt ihr die Bedienung des Systems live und könnt euch einen Eindruck davon verschaffen, was Google an der Oberfläche überarbeitet hat. Gerade die Tatsache, dass es frei definierbare Homescreens gibt und zusätzlich das komplette Systemmenü erfreut sich bei mir uneingeschränkter Begeisterung. War ich es beim iPhone bislang gewohnt, dass ich alle Apps irgendwie positionieren musste, kann ich es mir bei Android aussuchen, welche Apps auf meinem Homescreen auftauchen sollen. Des Weiteren kann ich Ordner anlegen und Verknüpfungen zu Direktnachrichten (SMS an eine bestimmte Person per Knopf), Direktwahlen, Lesezeichen und definierten Google-Mail-Labeln (also E-Mail-Ordner) auf die Homescreens legen. Hierzu werde ich noch einen extra Artikel verfassen, der sich mit den Möglichkeiten des Homescreens beschäftigt. Solltet ihr spezielle Fragen zum Betriebssystem oder zur Bedienung haben, dann hinterlasst einfach einen Kommentar.

WLAN & 3G

Die Einrichtung meiner bevorzugten WLANs war mehr als einfach und genauso benutzerfreundlich, wie ich es auch vom iPhone her gewohnt war. Anders gestaltete sich das Ganze bei der Datenübertragung über meinen Mobilfunkanbieter (blau.de). Hier galt es im Vorfeld einen APN hinzuzufügen, der meinem Handy sagt wie er in das entsprechende 3G hineinkommt. Die FAQ auf der blau.de-Seite zum Einrichten des APN für Android ist sehr mager und klappte auch nicht. Nach einigen Recherchen bin ich dann auf folgende auch für mich funktionierende Konfiguration gestoßen.

APN-Konfiguration blau.de

Begebt euch unter Einstellungen >> Drahtlos und Netzwerke >> Mobile Netzwerke >> Zugangspunkte. Dort legt ihr einen neuen APN mit folgender Konfiguration an:

Name: internet
APN: internet.eplus.de
Proxy: nicht festgelegt
Port: nicht festgelegt
Nutzername*: eplus
Passwort*: internet
Server: nicht festgelegt
MMSC: nicht festgelegt
MMS-Proxy: nicht festgelegt
MMS-Port: nicht festgelegt
MCC: 262
MNC: 03
Authentifizierungstyp: Keine
APN-Typ: default

*Bei Benutzername und Passwort sind evtl. mehrere Kombinationen möglich (blau/blau, eplus/eplus).

Wichtig ist hier vor allem die Bezeichnung des APN-Typs. In manchen Foren ist dieser mit “internet” bezeichnet. Damit funktionierte es bei mir allerdings nicht. Wenn die Einrichtung erfolgreich ist, dann solltet ihr auch gleich ein entsprechendes Symbol für GPRS/Edge/UMTS in der Statusleiste zu sehen bekommen. Über den Empfang von 3G kann ich mich nicht beschweren. Die Netzabdeckung von eplus ist wirklich mies, aber dort wo ich mich hauptsächlich aufhalte, habe ich wie auch von der eplus-Netzabdeckungsseite prophezeit 3G-Empfang.

Die Sache mit der Touch-Genauigkeit

In vielen Blogs und Foren wurde über die mangelnde Genauigkeit bei der Eingabe auf dem Nexus One gemäkelt. Dies kann ich zu meinem Glück allerdings nicht bestätigen. Jeder Druck gibt mir genau das wieder, was ich auch anklicken wollte. Die einzige Schwachstelle sind die vier Buttons am unteren Ende des Touchscreens. Diese lassen sich nur leicht über dem gemeinten Druckpunkt aktivieren. Hat man dies einmal für sich herausgefunden, stellt es keine Hürde mehr da. In meinem, wie auch in anderen Videos, seht ihr auch mich mehrmals auf denselben Button drücken, bis endlich die Aktion vorgenommen wird, die man wollte. Beim liegenden Hände ist dies auch noch schwerer zu bewältigen, als wenn man das Handy in der Hand hält. Dennoch grundsätzlich kein Problem, wenn man damit umzugehen weiß und ich hoffe, dass dies auch noch durch Software-Kalibrierungsmaßnahmen in den Griff zu bekommen ist.

Browser

Durch die Einführung von Multitouch durch das update1 funktioniert der Browser ähnlich dem des iPhone, aber leider aus meiner Sicht nicht so komfortabel. Das Multitouch auf dem iPhone ist in meinen Augen wesentlich geschmeidiger. Multitouch außen vor gelassen, fällt negativ auf, dass der mobile Chrome noch nicht mit den Lesezeichen des großen Chrome versorgt wird. Ein Abgleich wäre wünschenswert. Es gibt jedoch Tools im Android Market (z.B. My Bookmarks), die einen ersten Import ermöglichen. Da der kleine Chrome aber auch keine Ordner zu kennen scheint, habe ich am Anfang ein sehr großes Chaos in meinen Bookmarks erreicht. Hätte ich mir zusätzlich noch die Anleitung durchgelesen, wäre mir auch aufgefallen, dass der mobile Chrome auch mit mehreren Fenstern umzugehen weiß, die allerdings nicht so schön präsentiert und verwaltet werden können, wie es beim iPhone der Fall ist. Auch hierzu werde ich sicherlich noch ein kleines Video drehen, um den Browser in vollem Umfang zu präsentieren.

Stromverbrauch & Multitasking

Ich kann hier nicht mit mit der Stoppuhr festgehaltenen Werten dienen. Ich kann lediglich sagen, dass das Nexus One mit Standard-Applikationen wie gtalk, Browser im Hintergrund auch bei viel Spielerei einen Tag aushält. Den meisten sollte es ausreichen ihr Handy über Nacht aufzuladen. Problematisch gestaltet sich der Stromverbrauch dann, wenn man Applikationen im Hintergrund laufen hat, wie zum Beispiel ein im Moment nicht genutztes Spiel oder andere Anwendungen, von denen man gedacht hat sie sind geschlossen. Android selbst bietet über längeres gedrückt halten des Haus-Symbols eine Übersicht der aktiven Prozesse, es empfiehlt sich aber Task-Manager wie zum Beispiel den Advanced Task Manager im Einsatz zu haben, welcher auch im Video demonstriert wird. Weitere Details zum Stromverbrauch der einzelnen Prozesse finden sich unter Einstellungen >> Telefoninfo >> Akkuverbrauch. Vorher die gewünschte Anwendung zu starten und das Handy nicht am Ladegerät zu betreiben wäre sinnvoll, um die gewünschten Daten zu erhalten.

Android Market

Im Android Market findet man mittlerweile über 20.000 Apps und seit der Veröffentlichung des Motorola Milestone und jetzt erst Recht mit dem Erscheinen des Nexus One bieten mehr und mehr Entwickler ihre Software auch für Android an. Ich konnte fast jedes von meinem auf dem iPhone genutzte App im Market wiederfinden oder zumindest eine Alternative. Bei Spielen sieht die Situation derzeit noch etwas mager aus. Zum Einen fehlen die großen Namen zum Anderen kommt die Grafik der bislang verfügbaren Spiele nicht sehr ansprechend daher. Eine lobende Ausnahme macht hier Kumpa, welches auch im Video zu sehen ist und mit sehr schöner Grafik daherkommt. Auch beim Thema Navigation steht Android dem iPhone in nichts nach. Die bisherigen Navigationslösungen von Sygic und iGo machen einen wunderbaren Dienst und arbeiten hervorragend mit dem integrierten GPS-Empfänger zusammen. Im Wochenrückblick habe ich bereits erwähnt, dass es in den kommenden Wochen auch eine Komplettlösung von Navigon auf das Android-System schafft. Es ist also nur eine Frage der Zeit, dass auch andere Hersteller auf den Android-Zug aufspringen und den zusätzlichen Entwicklungsaufwand auch wieder monetär vergütet bekommen.

Fazit

Ich hatte es einleitend schon vorweg genommen und kann es hier nur wieder bestätigen. Ich bin vom Nexus One als Hardware und von Android als Software durchweg begeistert. Verbesserungen sind immer möglich und selbst iPhone-Benutzer können sich nicht davon frei machen sich das ein oder andere Feature auch im Standard herbeizuwünschen. Das Google-Betriebssystem wird zurecht von allen Seiten gelobt und die Version 2.1 ist ein wirklicher Meilenstein in der hauseigenen Entwicklung und muss sich in Sachen Benutzerkomfort keinesfalls hinter dem iPhone OS verstecken. Um es aus Fragebogen-Sicht zum Schluss zu bringen:

Würden Sie das Gerät weiterempfehlen? JA

Technische Spezifikation

Findet ihr in unserem folgenden Artikel: Das Google Nexus One ist da!

Hands-On Video

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[…] keine Lust hat darauf zu warten, dass das Google Nexus One auf den Markt kommt, kann sich darauf freuen, dass in Kürze eine ähnliche Version direkt […]

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Anonym
12 Jahre zuvor

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[…] Nexus One Smartphones gibt es bereits das zweite OTA-Update innerhalb kurzer Zeit. Besitzer eines Nexus One, die dieses in Deutschland über Vodafone erstanden haben, müssen immer noch auf das […]

Ich habe gesucht und gesucht, aber keine Lösung gefunden! (APN Einstellungen Desire) - Android-Hilfe.de
12 Jahre zuvor

[…] […]

[…] Smartphone ist von der Verarbeitungsqualität sehr gut und es fasst sich wie auch das Nexus One recht wertig an. Was die technischen Eckdaten anbelangt, so verfügt das HTC Desire über […]

[…] das Nexus One von HTC gefertigt wurde, ist bisher noch nicht klar, wer den Auftrag für die Entwicklung […]

[…] von HTC läuft mit Googles Betriebssystem Android und umfasst unter anderen das Desire, das Nexus One oder das […]

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[…] das Smartphone zuerst in Europa auf den Mark zu bringen. Vom Formfaktor sei es dem iPhone oder dem Nexus One ähnlich – also ein Smartphone mit großem Touchscreen und ohne physischer Tastatur. Zudem […]

[…] auf social Networks. Facebook und Twitter-Apps (wie Seesmic) stehen natürlich kostenlos für das Nexus One zur Verfügung. Natürlich steht auch der Android Market mit seinen rund 50.000 Apps zur […]

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