Nissan Leaf im Test: Geräumiges Elektroauto mit Schwächen

Der Nissan Leaf ist das meistverkaufte Elektroauto der Welt – und inzwischen mit einer 30 kWh-Batterie erhältlich. Dadurch soll eine rein elektrische Reichweite von bis zu 250 Kilometern möglich werden. Ich habe mir in einem zweiwöchigen Test angeschaut, wie sich der bis zu 37.000 Euro teure Elektroflitzer im Alltag schlägt.

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Nachdem ich Anfang Oktober zwei Wochen lang den BMW i3 (94 aH) getestet hatte, folgte direkt im Anschluss der Nissan Leaf. Beim i3 verspricht BMW eine rein elektrische Reichweite von 300 Kilometern. Im Alltag waren es dann aber eher so um die 180 Kilometer. Auch die offizielle Angabe des Stromverbrauchs ist mit rund 13 kWh auf 100 Kilometer mehr als optimistisch.

Aus Verbrauchersicht ist das ein echtes Problem – vor allem, da potentielle Käufer ohnehin erst einmal von den Vorteilen der Elektromobilität überzeugt werden müssen. Bleibt für mich die Frage: Wie ist es beim Nissan Leaf um die tatsächliche Reichweite bestellt und wie viel Auto bekommt man für knapp 37.000 Euro?

Nissan Leaf: Der erste Eindruck

Von außen wirkt der Nissan Leaf nicht ganz so futuristisch wie etwa der i3, aber dennoch sieht man dem Fahrzeug an, dass es sich hierbei um keinen konventionellen Verbrenner handelt. Auch das blaue Nissan-Logo und der „Zero Emission“-Schriftzug an der Seite weisen dezent darauf hin, dass der Leaf rein elektrisch unterwegs ist. Die Formgebung – insbesondere die Front – gefallen mir persönlich sehr gut.

Im Gegensatz zur Konkurrenz entspricht der Nissan Leaf darüber hinaus auch von der Größe her in etwa dem, was ich als alltagstauglich einstufe. Sowohl auf den Vorder- als auch auf den Rücksitzen haben Fahrer und Beifahrer ausreichend Platz. Im 370 Liter großen Kofferraum lassen sich auch ein Großeinkauf oder mehrere Koffer problemlos verstauen. Wer noch mehr Platz braucht, kann die Rückbank umklappen und das Kofferraumvolumen auf 720 Liter steigern.

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Sowohl das Design als auch das Raumangebot des Nissan Leaf haben mich positiv überrascht. Das Interieur dagegen entsprach leider überhaupt nicht dem, was ich von einem Auto in dieser Preisklasse erwartet habe – vor allem nicht von einem Fahrzeug, das die „Zukunft des Automobils“ repräsentiert. Der Schalthebel erinnert optisch, haptisch und qualitativ an einen Duftstecker, den man sich in die Lüftungsschlitze klemmt. Die Handbremse ist mechanisch und befindet sich wie bei 20 Jahre alten Mercedes-Modellen in Form eines Pedals direkt neben der Fahrertür im Fußraum. Und die Tasten am Lenkrad? Wenn man sie nur etwas zu stark drückt, betätigt man auch gleich noch die Hupe.

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Ich würde mir wünschen, dass Nissan diesbezüglich bei der nächsten Leaf-Generation nachbessert, da all diese Dinge die Freude an dem ansonsten durchaus gelungenen Elektroauto doch etwas schmälern.

Nissan Leaf: Reichweite und Fahrkomfort

Da ich viel im Auto unterwegs bin, ist mir der Fahrkomfort sehr wichtig. Der Nissan Leaf kann in dieser Disziplin überzeugen, da er sich sehr angenehm und ruhig fährt – auch auf der Autobahn. Die elektrische Beschleunigung verleiht ihm sogar einen Hauch von Sportlichkeit. In der höchsten Ausstattungsvariante (Tekna) sind 360-Grad-Rundumsicht, Keyless Entry, Bose-Soundsystem, LED-Rückleuchten, Sitz- und Lenkradheizung, Geschwindigkeitsregelanlage sowie das Navi bereits enthalten. Darüber hinaus stehen dem Fahrer insgesamt drei digitale Bildschirme zur Verfügung, die während der Fahrt alle relevanten Informationen übersichtlich anzeigen. All das macht den Nissan Leaf zu einem überaus komfortablen, geräumigen, alltagstauglichen Auto – zumindest auf Kurzstrecken.

Ja, ihr ahnt es schon: Jetzt kommt wieder das alte Lied von der Reichweite. Kurz und knapp: Geplant war eine Fahrt nach Stuttgart mit einer Gesamtstrecke von 112 Kilometern (56 Kilometer in eine Richtung). Los ging es mit einem vollgeladenen Leaf, der eine Reichweite von 149 Kilometern versprach. 112 Kilometer später rollte ich mit dem letzten Akkustrich und einer wild blinkenden Warnanzeige zurück in meine Garage – und das obwohl die Heizung ausgeschaltet und auf der Rückfahrt der Eco-Modus aktiviert war.

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Wie bei allen anderen Herstellern hat auch die von Nissan angegebene Reichweite mit der Realität nicht viel zu tun. Dazu braucht man gar nicht viel testen, denn schon wenn man den Leaf einschaltet, beziffert der Bordcomputer die Reichweite auf 145 bis 170 Kilometer – und eigentlich sollten es ja 250 Kilometer sein. Erst im Kleingedruckten findet man auf der Leaf-Webseite folgende Passage:

„Die Berechnung basiert auf dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Die tatsächliche Reichweite kann jedoch je nach Fahrstil, Straßenbedingungen, Klimaautomatik und anderen Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, variieren.“

Freilich sind die Hersteller dazu verpflichtet, die (unsinnigen) NEFZ-Werte anzugeben, aber niemand hindert sie daran, die Alltagsreichweite ebenfalls anzugeben. Das wäre – und den Satz habe ich schon in meinem i3-Test geschrieben – wesentlich verbraucherfreundlicher.

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Ich selbst würde die Alltagsreichweite des Nissan Leaf (30 kWh-Batterie) je nach Außentemperatur mit rund 120 bis 140 Kilometern angeben. Das ist für mich die Reichweite, die ein Elektroauto auch dann noch schafft, wenn vier Leute bei eingeschalteter Heizung (und Sitzheizung) eine größere Strecke zurücklegen und dabei auch auf der Autobahn unterwegs sind. Das soll nicht heißen, dass es der Nissan Leaf bei entsprechender Fahrweise und optimalen Straßenbedingungen nicht auch auf 200 Kilometer bringen kann. Aber potentielle Käufer sollten eben wissen, was realistisch ist und was nicht. Wenn ein Pendler plötzlich feststellt, dass der Leaf die 150 Kilometer im Winter doch nicht schafft, hilft ihm das wenig, wenn er zur Arbeit muss.

Nissan Leaf: Fazit

Der Nissan Leaf ist im Vergleich zu den meisten anderen Elektroautos recht geräumig und taugt deshalb auch für kleinere Familien oder Menschen, die ab und an Dinge transportieren müssen. Diese Fähigkeit würde ich beispielsweise dem BMW i3 absprechen, da dessen Kofferraum bereits mit zwei Kisten Wasser gut gefüllt ist.

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Trotz meiner Kritik am Interieur (jeder muss selbst entscheiden, ob ihn solche Dinge stören) und der nicht ganz so üppigen Reichweite ist der Nissan Leaf zum jetzigen Zeitpunkt ein guter Deal für all diejenigen, die elektrisch mobil sein wollen. Mit 30 kWh und in der höchsten Ausstattungsvariante schlägt der Leaf mit 36.785 Euro zu Buche, wenn man die Batterie kauft. Dank Elektrobonus (2000 Euro vom Staat, 3000 Euro von Nissan) landet man am Ende bei 31.785 Euro. In der absoluten Basis-Version schafft man es sogar auf 26.265 Euro, muss dann allerdings auf jedweden Komfort verzichten.

Abschließend noch ein Wort zur Batteriemiete: Anstatt die Batterie zu kaufen, könnt ihr diese bei Nissan auch ab 79 Euro im Monat mieten. Dadurch verringert sich der Kaufpreis des Leaf um knapp 6000 Euro. Ob sich das lohnt, hängt ganz davon ab, wie lange ihr das Auto fahren wollt und wie viele Kilometer ihr jährlich zurücklegt. Beim Nissan Leaf mit 30 kWh beträgt die Garantie auf die Batteriekapazität acht Jahre oder 160.000 Kilometer.

Rechnen müsst ihr nun selbst! 😉

Frank Feil

Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

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Jahrgang 1986. Blogger & Journalist. Politologe & Anglist. Technik & Kaffee.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe das Gefühl, dass bis auf Tesla kein Hersteller dazu in der Lage ist, etwas anderes als einen Cityflitzer zu basteln. Ich bin kein Autofahrer, habe nicht einmal einen Führerschein. Aber das liegt einfach daran, dass ich keinen Sinn darin sehe, im Jahre 2017 auf einen Verbrennungsmotor zu setzen. Das erscheint mir einfach sehr kurzsichtig. Gleichzeitig gibt es aber auch kein Elektroauto, mit welchem ich persönlich leben könnte.

    Der Sinn eines Autos in Berlin ist eh schon fragwürdig, wenn man es sich dann aber holt, um auch mal rausfahren zu können, ich aber nicht einmal durch Brandenburg komme, ohne einmal nachladen zu müssen, ist das Ganze witzlos.

    Man kann nur hoffen, dass sich das Ganze bald einpendelt. Ich hätte schon gerne in ein paar Jahren ein Kind und da sehe ich ein Auto als Pflicht an, da wäre eine gewisse Reichweite schon schön.

  2. Ich wünsche mir einen 14-Tage-Test vom Hyundai Ionic Elektro. Der wurde hier noch gar nicht erwähnt. Bin den Wagen einmal Probe gefahren und überlege ihn zu leasen.
    Dieses Auto erscheint mir im Augenblick am Besten, hinsichtlich Preis, Leistung, Ausstattung (Premium-Variante) all In, Reichweite 280 km (NEFZ) und auch Optik (das Auge isst ja mit).
    Kostet im Leasing (3 Jahre) rund 300,- € p.M., 340,- € mit Service und Verschleiß.

  3. Mit dem Thema Elektroauto beschäftige ich mich seit kurzem Intensiv. Meine große Frage an die Politik ist: Warum gibt es das Wechselkennzeichen nach Schweizer bzw. Österreichischen Modell nicht im Zusammenhang mit dem Elektroautos. Die Reglung in Deutschland ist sowieso ein Flop. Da ich auf dem Lande wohne, würde ich mir die Ladestation in meine Garage stellen. Die Stromanbieter sollten mal in diesem Zusammenhang über einen günstigen Tarif (Nachtstrom) nachdenken. Mit diesen zwei Maßnahmen wären wir in Richtung Elektromobilität wieder ein Schritt weiter bzw auch Interessant für die Landbevölkerung.

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