Protonet – Der Server für kleine und mittelständische Unternehmen Made in Germany

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In einer Zeit, in der (Klein-)Unternehmen funktionieren müssen, aber auch ihre Daten aus den internationalen Clouds halten wollten, bleibt oft nur ein Weg: Die Daten selbst verwalten. Die Hoheit über sie wahren. Protonet aus Hamburg bietet Arbeitsgruppen in Unternehmen bzw. kleineren Unternehmen genau das an.

Doch was ist die Box mit den zwei Hasenohren genau?

Ein Dateiserver mit Verbindung zum eigenen Service für dynamische DNS, für die Erreichbarkeit des Systems von überall her. Speicherplatz en masse, mit Dropbox-ähnlicher Funktionalität. Ein WLAN-Router, der zwei separate Netzwerke aufspannen kann (öffentlich + privat). Ein Werkzeug zum Zeit-Management von Arbeitsgruppen (via Protonet SOUL) und das alles in einem flüsterleisen und einfach zu administrierenden Gerät.

[vimeo]https://vimeo.com/76434509[/vimeo]

Neben der mitgelieferten, auf Webtechnologien basierenden Software “Protonet SOUL”, lässt sich auf der Box natürlich auch alles andere installieren oder virtualisieren – es ist ein vollwertiger Server mit zwei Pentium- oder XEON-Prozessoren, bis zu 16 GB RAM und bis zu 16 TB Speicherplatz mit zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüssen und vier USB-Anschlüssen für externe Speichererweiterung.

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Doch damit steigt natürlich auch der Grad dessen, was gepflegt werden muss und man benötigt jemanden, der das auch kann. Der Protonet-Server mit Protonet SOUL, ist gerade darauf ausgerichtet, dass jeder ihn einrichten und sofort benutzen kann. Projekte anlegen und eingeladenen Personen Zugriffsrechte zuweisen ist ein Kinderspiel (s.o.). Was Protonet im Lichte der Abhörskandale von 2013 für Kunden zieht, sieht man u.a. hier:

[youtube Y4SjPj5j6ys]

Auch wenn das System theoretisch mit einer unbegrenzten Nutzerzahl klarkommen könnte, ist diese Lösung ist sicher nicht für jedermann und jede Situation geeignet, sie ist sogar recht spezifisch auf kleinere Unternehmen von bis zu 30 oder 40 Leuten ausgelegt. Der Preis zielt auch auf genau diese Kundengruppe. Privatanwender sind mit einem NAS und/oder OwnCloud vermutlich besser bedient, was u.U. aber auch mehr Frickelei und Eigenleistung bedeutet, als sie ein Unternehmen aufbringen kann oder will, die mit einer Lösung sofort – out-of-the-box – arbeiten will und muss. Großunternehmen benötigen eh eine ganz andere Infrastruktur und lassen sich von Dienstleistern ein entsprechendes Rechenzentrum pflegen.

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Seltsamerweise war es mir nicht möglich, und man findet dazu auch keine Beschreibung, die Box auch als simplen Backup-Speicher (für Windows Sicherung oder TimeMachine) zu missbrauchen. Ganz generell mangelt es an guter Dokumentation für Leute, die sich damit etwas eingehender beschäftigen möchten.

Protonet SOUL – Projektmanagement in einfach

Die Software-Seele der Protonet-Box bietet die Möglichkeit, auf einfache Art und Weise, Personen zu Gruppen zusammenzufassen, die projektbezogen arbeiten. Dabei können natürlich mehrere Leute gleichzeitig in unterschiedlichen Projekten stecken – es braucht nur einen Start-Admin, der dann wiederum weitere Admins, Mitarbeiter oder Gäste festlegen kann, die entsprechend ihrer Stellung in dieser einfachen Hierarchie, Zugriff auf einzelne Projekte, mehrere Projekte oder das System bekommen.

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Mir persönlich geht die eingebaute Software, die schon sehr stark an Wunderkit/Wunderlist o.ä. erinnert, noch nicht weit genug. Gerade der Aspekt des “von überall her” darauf zuzugreifen, war dann doch nur eingeschränkt nützlich. Dynamisches DNS ist keine neue Erfindung und jeder, der seinen Rechner von außen erreichen will, nutzt in der IPv4-Welt irgendwann einmal einen solchen Service, um den heimischen und/oder Arbeits-Rechner, mit seiner wechselnden IP-Adresse, über eine feste URL zu erreichen. Das konnte schon mein LG-NAS von 2009.

Mit einem Notebook oder Tablet (ergo großes Browserfenster) unterwegs, ist alles kein Thema, aber die Web-Software ist für Smartphones z.B. zur Zeit noch unbrauchbar (siehe Screenshots) und die Übersetzung von Aufgaben + Terminen in echte gepushte Änderungen in nativen mobilen Apps (oder auch im Web) ist nicht vorhanden. Von den internen privaten Nachrichten ganz zu schweigen. Angeblich gibt es eine optimierte Ansicht für mobile Geräte, aber weder auf iPhone/iPad, noch unter Android, noch auf Windows Phone ist mir diese begegnet.

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Der Kalender lässt sich nur als .ics exportieren, aber dahinter steckt halt kein echter CalDAV- oder gar Exchange-Server mit ActiveSync, d.h. er ist noch eine Einbahnstraße. Tatsächlich müssen Änderungen über die Weboberfläche von Protonet SOUL vorgenommen werden, die dann aber auch nicht automatisch weitergegeben werden, die Exportfunktion ist im Grunde nutzlos, denn wer hat schon statische Kalender (außer für Feiertage). Die Kalenderansicht selbst besteht auch nur aus nicht-farbcodierten, nicht interaktiven Terminen aller Projekte, an denen man teilnimmt. Man kann hier nirgends “reinklicken” und etwas ändern. Diese Lösung ist z.B. vom Google Kalender und seinen Möglichkeiten noch sehr weit weg. Ich bin “nur” ein Pro-User und möchte derzeit nicht auf Funktionalität eines Google-Kalenders o.ä. verzichten, zumindest in der Hinsicht ist noch Luft nach oben. Natürlich steigt auch dann wieder der Grad an Komplexität und der Aufwand, das zu verwalten.

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Vielleicht konstruiere ich auch Problem, wo in der echten Welt – in einem solchen Unternehmensumfeld – gar keines ist. Denn für die direkte interne Kommunikation, mit Browser-Notifications, ist das momentan vorhandene System mehr als ausreichend.

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Die durch die Web-Anwendung aufgebaute Struktur aus Projekten und Themen wird übrigens durch eine entsprechende Struktur auf Dateiebene gespiegelt. Das bedeutet, dass jedes Thema und jedes Projekt auch gleichzeitig einen Ordner auf dem Protonet-Server darstellt, dessen Zugriffsrechte über die Accounts geregelt wird. Ebenso, wie sich in der Web-Ansicht Dateien in die Timeline werfen lassen, tauchen diese dann auch – für den direkten Zugriff – in der entsprechenden Verzeichnisstruktur auf (s.u.). Diese lässt sich mit Bordmitteln des jeweiligen Systems einrichten (Windows Computer -> Rechtsklick -> Netzlaufwerk verbinden / MacOS -> Finder -> Gehe zu -> Mit Server verbinden) oder über einen eigenen Dropbox-ähnlichen Client samt Taskbar-Icon auf jedem Rechner nutzen.

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Design / Hardware

Die orangefarbene Protonet-Box, mit ihren zwei Wi-Fi-Antennen-Hasenohren, hat nur einen großen Schalter mit LED-Status-Ring in der Mitte. Er ist durch seine lüfterlose Konstruktion extrem leise (MacPro 2013 lässt grüßen) und unaufdringlich. Er ist jedoch kein Leichtgewicht (was Wunder, da stecken u.a. zwei bis vier Festplatten mit 2 oder 4 TB und ein Router drin) und ist mit 240 × 205 × 270 mm auch gar nicht mal so klein.

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Teile der Box werden eigens in 3D-Druckern voll funktionsfähig hergestellt und auch vor Ort zusammengebaut, das Ding ist Made in Germany (bis auf die Chips und Platten natürlich). Die Pentium-Version ohne Virtualisierungsmöglichkeit kostet ab 3399 € und die Xeon-Version mit Virtualisierungsmöglichkeit ab 4499 €.

Fazit

Die Protonet-Box ist ein solider Anfang und für eine bestimmte Zielgruppe genau die richtige Lösung. Die stete Verbesserung (es gab in meiner kurzen Testphase zwei Updates) und der Anspruch, Komplexität aus so einem System zu nehmen und für jeden benutzbar zu machen ist erstrebenswert. An manchen Ecken liegt mir persönlich durch die “Security by Obscurity” hier (was keiner falsch einstellen kann, wird auch nicht zum Risiko), gerade durch mangelnde Doku, zu stark auf der Herstellerseite. Man muss Protonet selbst einen Vertrauensvorschuss geben, denn ich habe keine Ahnung, ob oder ob nicht und was die Box wie ins Netz posaunt – der DynDNS-Service beispielsweise muss ja auch funktionieren.

Die Hardware kann sich jeder zusammenklöppeln und in ein weniger hübsches Gehäuse stecken, sodass es am Ende auf die Software ankommt und hier hoffe ich, dass die Hamburger langen Atem beweisen, denn da geht noch was. Laut eigener Aussagen plant Protonet, weitere Software für die Box künftig in einem eigenen App Store anzubieten, eine Version der Box für Heimanwender und Offsite-Backup (wenn das Büro abbrennt, in dem die Box steht, sind auch die Daten weg) für Firmen, die das benötigen, wobei die Daten dann natürlich wieder durchs Internet müssen.

Disclaimer: Ich konnte das gute Stück natürlich nicht in einem echten Unternehmens-Umfeld testen, da wir hier alle dezentral von zu Hause aus arbeiten und meine bräsige DSL-Leitung mit nullkomma-Upload kein geeigneter Anschlusspunkt für einen Server ist. Wie es sich tagtäglich so mit mehr als drei Leuten wirklich macht, müsst ihr eines der Start-Ups fragen, die Protonet schon bedient hat.

weiterführender Link: Protonet
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Folgt mir 🙂

Bloggt über Technik und kritisiert andernorts Filme. Versucht das Wesentliche vom Unsinn zu trennen und ist passionierter Burgerfotograf.

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Stephan
8 Jahre zuvor

Danke für den recht kleinen Test. Leider muss ich dir Recht geben: Es ist tatsächlich kaum etwas im Netz zu finden, was über direktes Marketingmaterial hinaus geht. Auch ich habe eine orangene Box bestellt und will sie bei uns für eine kleine Unternehmensberatung produktiv einsetzen. Ich gebe Protonet viel Vertrauensvorschuss, bin aber guter Dinge, dass die Jungs und. Mädels aus Hamburg diesen zurückzahlen und liefern werden.

Meine aktuell größten Bauchschmerzen liegen in zwei. bereichen:

1. Sicherheit: Offsite-Backup für den Worstcase. Verschlüsselung der Daten auf der Box für den Fall eines Diebstahls und Versionierung für den Fall, dass mal etwas versehentlich gelöscht wird oder ein älterer Zustand einer datei nochmal benötigt wird.

2. Kalender: Ich würde schon geren einen echten Kalenr für alle Mitarbeiter über die Box anbieten. E-Mail gehört für mich nicht auf die Box, dafür haben wir einen gehosteten Mail-Server. Aber einen zentralen Kalender, den alle Teammitglieder einsehen können und den man von jeder beliebigen Kallender-Anwendung (Mac, win, iOS, Android…) befüllen kann und (!) über den man neben verfügbarkeiten auch Teilnehmer einladen kann (auch zum beispiel Absagen und Zusagen einsehen), das wäre mir schon recht wichtig.

Also, ich were in Zukunft sicher mal meine Erfahrungen berichten. Auch, damit die Hamburger ihre ressourcen nicht in die falsche Richtung investieren. Homeserver gibt es schon genügend, finde ich. Mir würde es reichen, wenn der Fokus konsequent auf kleine. unternehmen gelegt wern würde.

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