Schweine quälen als virale Kampagne – Wie weit darf man gehen, um vor Krebs zu warnen? [Kommentar]

Das Thema ging Mittwochabend durch alle soziale Netzwerke. Betitelt mit dem Hashtag „SchweineGate“ oder Begriff „Armes Schwein“ wurden verschiedene Blogpost zu dem Versuch einer viralen Kampagne der deutschen Krebshilfe herumgereicht. Die meisten sind sich einig „Das durfte so nicht passieren.“ Aber was genau geschah?

Vor einigen Tagen tauchte eine Webseite im Netz auf, die vorgab eine interne Versuchswebseite eines Labors zu sein. Zu sehen waren angebliche Versuchsprotokolle wo Schweine der gleichen Strahlung ausgesetzt werden sollten wie es zum Beispiel in Solarien passiert. Man drehte schockierende Versuchsvideos und schoss Fotos von angeblich verbrannter Haut bei den Versuchstieren.

Das Thema ging umher. Man empörte sich, es wurden Anzeigen gemacht. „Handlanger“ der deutschen Krebshilfe war Nils Bokelberg, der sich nachträglich entschuldigte, die Leute belogen zu haben, als er auf die Aktion aufmerksam machte. Nach 10 Tagen kam die Aufklärung. Dem Schwein geht’s gut. Es war trainiert um panisch zu reagieren und die Hautverbrennungen waren nur Make-Up. Die ganze Aktion war nur eine PR-Kampagne. Das nahm und nimmt das Internet übel. Die Aktion scheint nach hinten los gegangen zu sein.

Auch ich sehe sie Aktion, die dort abgelaufen ist kritisch. Als ich gestern den Blogbeitrag von Frau Meike dazu las, musste ich bei vielen Punkten, die sie an der Kampagne kritisierte, nicken. Eine virale Kampagne wie diese schadet dem Netz und schadet unserem Umgang miteinander im Netz.

Im Internet ist es schwer den Wahrheitsgehalt einer Sache sofort einschätzen zu können. Es gibt Situationen, in denen es erforderlich ist, sofort zu handeln, um entweder ein Menschenleben zu retten oder schlimmere Dinge zu verhindern. Schon jetzt scheint es so zu sein, dass bei allem, was nur etwas von der Alltagsnorm abweicht, der gemeine Internetuser „Fake“ schreit.

Virale Kampagnen, die uns schreckliche Dinge zeigen, lassen uns verlernen zu unterscheiden, wann wir eingreifen müssen und wann wir abwarten sollten, ob es sich als Fake oder Wahrheit herausstellt. Man will sich nicht die Blöße geben, auf eine solche Kampagne hereingefallen zu sein und lässt es dann lieber auf sich beruhen, als etwas zu tun.

Die Idee hinter der Aktion der Krebshilfe ist nun leider untergegangen: „Geht nicht ins Solarium, sonst könntet ihr enden wie dieses Schwein“. Solarien erhöhen das Krebsrisiko. Stattdessen bleibt der bittere Nachgeschmack, dass die deutsche Krebshilfe die Hilfsbereitschaft der Internetnutzer ausgenutzt hat und diese bei der nächsten Aktion zweimal überlegen werden, ob sie eingreifen oder nicht.

Man kann hier niemandem einen wirklichen Vorwurf machen. Die Idee war so gewagt, dass sie entweder ein Knaller wird oder nach hinten los geht. Auch Bokelberg hatte sicherlich keine bösen Absichten, als er zustimmte bei dieser Aktion mitzumachen. Jetzt sollte man reflektieren, ob man nicht vielleicht demnächst eine andere Form der Aufklärung wählt, als ein virales Projekt wie dieses.

– Link: Rosi hat Schwein gehabt

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schweinegate? Armes Schwein? Das Schlagwort / Hashtag dazu ist „#krankesSchwein“.

    Ich stimme dir ansonsten zu und finde, dass die Aktion obendrein auch kein gutes Licht auf die Wissenschaft(ler) wirft.

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