Skandal oder Chance? – Apple bekommt Patent, mit dem die Funktionen des iPhones von Dritten deaktiviert werden können

Apple-Kamera-Patent Skandal oder Chance? - Apple bekommt Patent, mit dem die Funktionen des iPhones von Dritten deaktiviert werden können Apple

Apple macht einmal mehr Schlagzeilen im Bereich Patente. Diesmal geht es aber nicht um Patentstreitigkeiten oder Querelen mit diversen anderen Herstellern, sondern um ein Patent, das Apple genehmigt bekommen hat und das die Rechte der Nutzer nicht unerheblich einschränkt. Auf den ersten Blick wird es uns als große Chance verkauft, aber ist es das wirklich? Oder ist es einen Skandal wert, weil der Nutzer unnötig in seiner eigenen Entscheidungsfreiheit einschränkt wird?

Aber worum geht es eigentlich? Kurz zusammengefasst hat Apple ein Patent zugesprochen bekommen bei dem Dritte in der Lage sind, die Funktionen des iPhones lokal gebunden zu deaktivieren. Kommt man zum Beispiel in ein Gebäude, von dem der Eigentümer nicht möchte, dass hier ein Smartphone benutzt wird, kann er entscheiden ob die Menschen, die sich im Gebäude aufhalten, ihr iPhone überhaupt verwenden können oder nicht.

Das ist die Theorie – aber wie sieht die Praxis aus? Es gibt Gebäude und Orte an denen kann man so eine Funktion durchaus hilfreich finden. Sei es nun in Firmen, in denen Firmengeheimnisse unter Verschluss bleiben sollen oder auch in militärischen Gebäuden und Anlagen. Hier waren Smartphones meist komplett verboten, oder Kameras wurden aufgebohrt oder versiegelt, damit sie funktionsuntüchtig waren. Spezielle Businessgeräte kamen sogar ohne Kameras und wurden bevorzugt in diesen Firmen eingesetzt.

Jetzt hat Apple mehrere Motivationen, dieses Patent aktiv einzusetzen. Sehen wir uns mal den Bereich der Businesskunden an. Hier war Blackberry meist vorherrschend – auch einige zumeist ältere Modelle von Nokia kamen zum Einsatz. Kurzum, der Markt ist vorhanden, die passenden Geräte dazu fehlen. Interessant ist hier, dass RIM zumindest für die lokale Abschaltung der Kamera 2008 ein Patent genehmigt bekommen hat. Hier sehe ich durchaus Konfliktpotential zwischen Apple und RIM, auch wenn RIM sicherlich nicht über die finanziellen Mittel verfügt, hier einen erfolgreichen Rechtsstreit zu führen. Beachtet man also diesen Sektor, dann ist dieses neue Patent eine Chance für Apple und für die Firmenkunden und vor allem auch für die Nutzer der iPhones, denn sie könnten ihr iPhone zukünftig weiternutzen.

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Die Idee der schönen heilen Apple-Welt endet hier allerdings, denn neben Firmen mit hochsensiblen Firmengeheimnissen gibt es auch andere Institutionen, die von dieser Technik profitieren könnten und auch ein Interesse daran hätten, sie einzusetzen. Fangen wir einfach mal ganz harmlos an: Restaurants. Viele stört es, wenn am Tisch das Smartphone gezückt wird. Manchmal stört es unverständlicherweise sogar die Leute am Nebentisch. Hier könnte der Restaurantbesitzer einfach die iPhone-Nutzer abschalten. Ärgerlich, aber nicht heikel.

Das nächste Beispiel: Schulen. In Schulen werden Smartphones und Handys nicht gern gesehen. Das war schon immer so, aber man konnte die Schüler nicht wirklich daran hindern, sie mitzubringen. Zusätzlich sind Smartphones auch super geeignet um nebenbei in Tests und Klausuren zu schummeln. Auch hier könnten Schulen sich dafür einsetzen, diese Technik bei sich nutzen zu dürfen. Auch hier, ärgerlich aber nicht heikel, solang es zu keiner Notsituation kommt, in der das Smartphone gebraucht werden würde.

Kommen wir jetzt aber zu heiklen Gebieten und genau hier halte ich dieses Patent von Apple nicht nur für fragwürdig, sondern auch für gefährlich. Demonstrationen – Krisengebiete – Aufstände. Hier haben wir gelernt, dass die Berichterstattung über Twitter, Facebook und Co. die einzig ehrliche gewesen ist. Hier wurden Bilder gezeigt, die uns die Medien vorenthalten haben. Hier haben wir normale Menschen kennengelernt die inmitten von Aufständen ihr Leben versucht haben zu leben und dies für uns festgehalten haben. Und hier kommt Politik ins Spiel. Politik ist mächtig. So mächtig, dass sie sich schon die Hände reiben, wenn Apple diese Technik offiziell einsetzt. Wenn hier die Berichterstattung noch mehr eingeschränkt werden könnte, als sie es meist sowieso schon getan wird, dann sind wir in Klein-China.

Das Patent ist in einigen Bereichen also sinnvoll, wenn man die Interessen einiger Firmen vertreten möchte und damit den Businessmarkt beschreiten will, aber ich halte es für gefährlich. Nicht weil es in den Händen von Apple wäre – nein nicht nur deswegen, sondern weil es generell Zensurmaßnahmen gesellschaftsfähig macht. Apple begibt sich auf einen gefährlichen Weg an dessen Ende nur einer gewinnt: Apple und einer verliert: der Kunde.

– via mashable

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Klingt nach einer konsequenten Weiterentwicklung der Möglichkeit, Apps und Inhalte aus der Ferne zu löschen. Also mir gefällt das nicht.
    Da wird es aber bestimmt (hoffentlich) auch wieder Tweaks und Workarounds auf Basis eines Jailbreaks geben, die eine solche Deaktivierung verhindern oder umgehen.
    Leider sind solche Gegenmaßnahmen meistens nur etwas für Leute, die sich etwas näher mit ihrem Fallobst befasst haben.

  2. Wer in den Laden geht und sich ein iPhone oder iPad besorgt, muss halt mit sowas rechnen.
    Ich für meinen Teil möchte eh nichts mehr von Apple haben, hatte ich schon und brauch es nicht mehr.
    Wer will das für ihn entschieden wird, kauft es, wer nicht sucht was anders und davon gibt es ja zum Glück genung.

  3. Hab noch nie was von Apple gekauft und werde nie was von Apple kaufen.

    Da ist ja die Firmenpolitik von Microsoft noch „human“ im Gegensatz zu Apple.

    Spätestens wenn es das iphone99 gibt das man sich in den Kopf implantieren kann wird Apple die Weltherrschaft an sich reißen und uns alle zu willenlosen Sklaven machen. ;))

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