Sony Alpha 5000 – das neue Einsteigermodell mit wechselbaren Objektiven und ohne Spiegel im Test

Sony ließ mich die Alpha 5000 ausprobieren – ihre neue Einstiegs-Alpha wenn es um spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven geht. Wie sich die Nachfolgerin der NEX-3er-Serie so schlägt, erfahrt ihr in diesem (meinem Ersten, also seid gnädig) Kameratest.

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So wie die neue Sony Alpha 6000 quasi ein Mischling aus NEX-6 und NEX-7 ist, hat man mit der Alpha 5000 einen Mischling aus den Vorgängern NEX-3N und NEX-5T – auch preislich (nach EVP). Von der NEX-5T übernimmt die Alpha 5000 Wi-Fi und NFC für die Drahtloskommunikation mit dem Smartphone/Tablet oder dem PC/Internet und von der NEX-3N – mehr oder weniger – den Rest. Demnach fehlt das multifunktionale Drehrad, frei belegbare Softkeys, der IR-Empfänger und dem nur hochklappbaren Bildschirm, die Toucheingabe.

Auch der Ausklappblitz wurde von der NEX-3N vererbt. Wer einen Blitzschuh benötigt, müsste zur 300 € teureren Alpha 6000 (oder NEX-5T) greifen.

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Ganz ehrlich: Die Alpha 5000 ist eine leichte, streckenweise aber umständlich bedienbare Kamera. Auch wenn ich mir habe sagen lassen, dass die Software inzwischen aufgeräumter daherkommt, als bei Vorgängern, drückt man zu oft die Menütaste, anstelle des Auswahlknopfes, wenn man den Aufnahmemodus ändern möchte, oder macht aus Versehen irgendetwas, wenn man am Rad nur die ISO einstellen will.

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Extrem unangenehm ist auch die erstmalige Einrichtung der Apps für die Alpha 5000 (am Gerät). Der Vorgang bemüht einen Sony-Networks-Account, den man über einen furchtbaren, integrierten Browser („App Store“) über das Drehrad eingeben muss – da hat man – mit sicheren 50-stelligen Kennwörtern – schon einmal 10 Minuten Spaß am Gerät.

Nach dem Herunterladen des Updates für die Verwendung eines verbundenen Gerätes als Fernauslöser, gibt es noch Auto-Upload-Apps für Flickr oder zum Smartphone, wobei dort immer dieselbe PlayMemories-App (iOS oder Android) die Schnittstelle bildet, die auch bei den Objektivkameras QX10 und QX100 den Bildschirm ersetzt.

Wer unbedingt noch mehr verspielte Filter braucht (die Alpha 5000 kommt mit ausreichend, unnötigen Presets), bekommt hier noch welche gratis oder auch gegen Geld (4,99 – 9,99 €!), wenn es ausgefallener sein soll. Einen Überblick, und eine Installation über eine Kabelverbindung zum Rechner, findet ihr in Sonys eigens dazu eingerichtetem Portal, das ich natürlich erst hinterher entdeckte: PlayMemories Camera Apps.

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Die automatische Synchronisation mit dem Smartdevice der Wahl, erweist sich unterwegs als durchaus nützlich. Jedes Mal, wenn ich die Alpha 5000 abgeschaltet habe, sprang deren WLAN an und suchte das registrierte Gerät (in meinem Fall ein Android-Smartphone) und sendet ~2-MB-große JPEG-Versionen, der gerade aufgenommen Bilder, in dessen Fotobibliothek, zum Weiterbearbeiten und Weiterverteilen in die Netzwerke der Wahl.

Das geht auch mit iOS-Geräten, da hier allerdings keine Hintergrundprozesse in dem Maße wie bei Android zugelassen werden, muss man die PlayMemories-App tatsächlich öffnen, also das Gerät herauskramen, während ein Android-Gerät da bleiben kann, wo es ist – Hauptsache dessen WLAN-Chip ist aktiviert und nicht gerade in ein anderes Netz eingebucht. Will man nur ein Bild auf ein beliebiges Smartphone übertragen, geht das per NFC (Sony nennt das gerne „One Touch“) natürlich auch.

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Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁

Die Bilder

Ich habe diese formschöne Flickr-Galerie erstellt. Alle Bilder sind unbearbeitet(*), zwei oder drei von Ihnen sind beim Herumspielen mit dem HDR-Modus entstanden und zwei entstammen der Panoramafunktion. Bevor Gemecker aufkommt: ja, auch ich habe nur mit dem Kit-Objektiv (und seinen Schwächen) aufgenommen, ein Besseres stand mir nicht zur Verfügung und ich konnte mir auch keines schnitzen. Die meisten Leute werden sich die Kamera auch mit diesem Objektiv anschaffen, daher ist das für mich durchaus gerechtfertigt. Das Gesamtpaket ist halt auch das Aushängeschild für ein System; wenn das schon keine ausreichend guten Bilder produziert und eine Linsenanschaffung quasi zu einem Muss wird, stimmt etwas nicht. (*zwei habe ich horizontal ausgerichtet, weil sie zu schief waren)

Wie man sehen kann, neigt die Alpha 5000 im Automatikmodus („Überlegene Automatik“) zur Blaustichigkeit (nicht nur beim wolkenverhangenen Alexanderplatz am Abend) und bei höheren Zoomstufen zu einer Art Grauschleier. Beide Effekte ließen sich jedoch durch Nachbearbeitung, hinsichtlich Belichtung und Farbe, weitgehend beheben (siehe u.s. Beispiel, links unbearbeitet, rechts bearbeitet). Der automatische Weißabgleich ist auch nicht so berauschend, wenn man im Schatten steht (sieht man an dem Tisch mit den Smartphones gut).

sony-alpha-5000-schleier-bearbeitung Sony Alpha 5000 - das neue Einsteigermodell mit wechselbaren Objektiven und ohne Spiegel im Test Featured Foto Hardware Reviews Technology Testberichte

Dank der großen ISO-Bandbreite (Lichtempfindlichkeit des Sensors: ISO 100 – 16000) sind Aufnahmen im Dunkeln schon gut möglich, wie die Bilder vom Parrot-Event (drinnen) zeigen, aber die Ergebnisse sind leider inkonsistent und aus der hohlen Hand nicht leicht gut hinzubekommen. Am selben Abend entstanden die Bilder am Alexanderplatz (draußen) und ich finde die unbearbeitet nicht besonders hübsch. Damit ihr einmal anschaulich seht, was „Film“empfindlichkeit bedeutet, hier dasselbe Motiv in allen möglichen manuell anwählbaren ISO-Stufen (ich hätte vielleicht eine dunklere Ecke wählen sollen, naja).

sony-alpha-5000-iso-range Sony Alpha 5000 - das neue Einsteigermodell mit wechselbaren Objektiven und ohne Spiegel im Test Featured Foto Hardware Reviews Technology Testberichte

Je höher die Zahl, desto weniger Licht benötigt man (die benötigte Belichtungszeit sinkt), andererseits sinkt die Auflösung und Bilder verrauschen zunehmend. Sehr beeindruckend ist in den höheren ISO-Bereichen, bei niedrigem Umgebungslicht, die kommende Alpha 7s (auch E-Bajonett, 2000 € teurer), insbesondere beim Filmen, wenn man sich diverse Testaufnahmen im Netz dazu ansieht.

Technische Eckdaten & Bedienung

Im Inneren der Alpha 5000 steckt ein Exmor-Chip (APS-C-Format) mit 20.1 MP und ein BIONZ-X-Bildprozessor, der den Flaschenhals zwischen der Aufnahme von Rohbilddaten und der auf der Speicherkarte abgelegten Datei darstellt. Dieser Flaschenhals ist zugegebenermaßen recht breit, aber gerade wenn man sowohl ein RAW als auch eine JPEG-Version eines Motivs abspeichern will, dauert es gefühlt einen Moment zu lang, eh die Kamera wieder einsatzbereit ist und drückt man zu früh, wundert man sich, warum man in der letzten Aufnahme herumnavigiert/-zoomt und nicht im Livebild (auch mit Class-10-SD-Karte). Der Auslöser ist übrigens vergleichsweise laut; deutlich klackiger als der an meiner uralten EOS 350 D. Man könnte meinen, ein Spiegel würde bewegt, ironisch, nicht wahr?

sony-alpha-5000-objektiv Sony Alpha 5000 - das neue Einsteigermodell mit wechselbaren Objektiven und ohne Spiegel im Test Featured Foto Hardware Reviews Technology Testberichte

Des Weiteren wäre es ja irgendwie angebracht, würde die Kamera nicht-mögliche Einstellungen einfach ändern, wenn man beispielsweise mal eine HDR-Aufnahme machen möchte. Die geht nämlich nicht in den Automatik-Modi und auch nicht bei JPEG+RAW, als ausgewähltem Speicherformat. Anstatt die an die Funktion geknüpften Einstellungsänderungen selbst vorzunehmen, muss man sich durch die Menüs hangeln. Wir sind alle(*) von der Kamerasoftware auf Smartphones verdorben. (*ich)

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Eine volle Aufladung des 1080-mAh-Akkus nimmt in etwa fünf Stunden in Anspruch und man bekommt ca. 3,5 Stunden für Standbildaufnahmen aus ihr heraus. Die Alpha 5000 schluckt SD-Karten (SD/SDHC/SDXC, ab Klasse 4) und Memory Sticks (XC-HG Duo/PRO Duo-MkII/PRO-HG Duo). Zoomen kann man – solange man ein Zoomobjektiv wie das SEL-1650 verwendet – direkt am Auslöser oder am Objektivring.

sony-alpha-5000-slots Sony Alpha 5000 - das neue Einsteigermodell mit wechselbaren Objektiven und ohne Spiegel im Test Featured Foto Hardware Reviews Technology Testberichte

Video

Videos kann die Alpha 5000 natürlich auch aufnehmen, leider gibt es keinen Eingang für externe Mikrofone. Nimmt man Ton also separat auf, muss man den in der Nachbearbeitung mit dem Bild synchronisieren.

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Links und rechts neben dem Blitz, hinter dem Bajonett, sitzen zwei nach oben gerichtete Mikrofone (s.o.) und die Alpha 5000 kann Full-HD-Videos aufzeichnen, entweder als MP4 oder AVCHD. Sie schlägt sich als Videokamera tatsächlich ganz gut, auch und v.a. in Situationen mit wenig Licht, wie ihr an den Aufnahmen zu den Minidrohnen von Parrot sehen könnt, die auch mit der Alpha 5000 aufgenommen wurden.

[youtube FExk7ZCtEgU]

Fazit & Preis

Es ist schon erstaunlich, wie groß der Preissprung ist, um im Vergleich zu einem Kameramodul in einem Smartphone, einen merkbaren qualitativen Unterschied in Aufnahmen festzustellen. Sicher, die Spiegellosen oder auch die DSLRs haben den Vorteil riesiger Objektivauswahl und manueller Einstellungsmöglichkeiten, aber so „out-of-the-box“ werden Schnappschüsse kaum besser. Dedizierte Kameras im selben Preissegment wie die Flaggschiff-Smartphones (allen voran das Lumia 1020 als Kamerahandy), sind gefühlt viel weniger flexibel, v.a. darin, was man direkt nach einer Aufnahme alles mit einem Bild anstellen kann, auch wenn der drahtlose Bildtransfer hier versucht, eine Brücke zu schlagen. Um einen deutlichen Mehrwert zu erfahren, muss man deutlich mehr ausgeben und die Skala scheint da nach oben auch relativ offen zu sein. Aber selbst bei 2000 € mehr (Alpha 7s, um das Beispiel noch einmal aufzugreifen) legt man sich im Grunde auf einen Anwendungsfall – Videoaufnahmen bei wenig Umgebungslicht, ohne eine zu starke laterale Bewegung der Kamera selbst, wg. Rolling Shutter – fest und normale Standbilder werden nicht so gut, wie bei der Konkurrenz.

sony-alpha-5000-movie-modus Sony Alpha 5000 - das neue Einsteigermodell mit wechselbaren Objektiven und ohne Spiegel im Test Featured Foto Hardware Reviews Technology Testberichte

Die Alpha 5000 ist nicht ganz Fisch nicht ganz Fleisch. Für Enthusiasten bietet sie gerade etwas zu wenig neue Features (es ist im Grunde die NEX-3 mit 4 Megapixeln mehr und Wi-Fi) und zu viel Klimbim in der App- und Szenenauswahl & für „Casual Shooter“ viel zu übergriffige Menüs, die dem Einsteiger den Eindruck vermitteln, das Gerät könne mehr, als tatsächlich am Ende herauskommt. Nichtsdestotrotz hatte ich Spaß am Gerät selbst, und das Gewicht spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Der Body wiegt eben nur 210 g und mit Kit-Objektiv, Akku und Speicherkarte ist man mit ca. 395 g dabei. Sie ist als Videokamera recht tauglich und für all jene, die gerne mit Automatiken  fotografieren und Filter in Hülle und Fülle, schon beim Fotografieren anwenden möchten.

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Der von Sony angestrebte Preis von 499 € EVP wird derzeit schon um 100 € unterboten, wobei man damit (bei selbem Kit mit SEL-P1650) unter die NEX-5T rutscht, die mit ihren zusätzlichen Funktionen, vielleicht nicht nur aus ökonomischer Sicht, die bessere Wahl ist, auch wenn sie „nur“ den 16.1-MP-Sensor mitbringt.

Die Sony Alpha 5000 gibt es in Schwarz, Weiß oder Grau in Kits mit einem Objektiv (SEL-1650, E PZ 16–50 mm F3.5–5.6 OSS) oder zwei Objektiven (SEL-1650 + SEL-52210, E 55–210 mm F4.5–6.3 OSS) mit dem typischen E-Bajonett der spiegellosen α-Wechselobjektivkameras von Sony, an das auch alte Minolta-Objektive passen (und mit entsprechenden Adaptern mit Mondpreisen auch Andere).

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weiterführender Link: α5000 bei Sony.de

Folgt mir 🙂

Michael S.

Bloggt über Technik und kritisiert andernorts Filme. Versucht das Wesentliche vom Unsinn zu trennen und ist passionierter Burgerfotograf.
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