Lenovo Yoga Book C930 „Premium Convertible“ im Test

Lenovo versucht mit dem Yoga Book C930 mehrere Geräte in einem zu vereinen und schafft damit ein Gerät, dass leider nicht besonders gut in einer seiner Funktionen ist.

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Ich bin zugegebener Maßen ein Fan von „Single-Purpose-Devices“, also Geräten, die genau eine Aufgabe erledigen, diese dafür dann aber besonders gut. Der PC an sich ist natürlich schon ein Multi-Purpose-Device, aber wenn man ihm für eine „angebaute“ Funktionalität eines zweiten Gerätes etwas wegnimmt, verliert er mindestens mal an Attraktivität, wenn nicht sogar an Praktikabilität.

Vorgeschichte

Dennoch bin ich immer wieder gerne bereit mich auf das Spiel einzulassen, das Convertibles – oder 2-in-1-Geräte – versuchen zu spielen. Schon der Vorgänger war auf dem Papier und auch im ersten Hands-On auf der IFA 2016 ein sexy Gerät. Damals bestand die zweite Hälfte noch nur aus einem vollflächigen Digitizer, auf den man Blöcke aus echtem Papier spannen, oder es wie ein WACOM-Zeichentablett verwenden konnte, dessen Inhalt aber ausschließlich auf dem normalen Bildschirm angezeigt wurde. Die damals einblendbare „Halo-Tastatur“ war hintergrundbeleuchtet und dieses erste Yoga Book gab es sowohl mit Windows 10 als auch mit Android.

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Et voilà: E-Ink?

Lenovo hat beim C930 die zweite Hälfte ihres „Premium Convertibles“ durch einen 1:1 großen E-Ink-Bilschirm ersetzt – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Der Größte, zunächst nicht merkbare Nachteil ist, dass das E-Ink-Display nicht hintergundbeleuchtet ist, wie etwa ein Vertreter der aktuellen Kindle-Familie. Der Kindle Oasis hat als Topgerät ein Frontlicht mit 12 LEDs (Kindle Paperwhite hat Fünf, Kindle hat Vier), dass sich nicht nur intelligent auf das Umgebungslicht enstellt, sondern auch stufenlos manuell eingestellt werden kann.

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Warum Lenovos E-Ink-Mobius-Display (FullHD, 10,8″) diese naheliegende Frontbeleuchtung nicht hat, entzieht sich mir. Das Lenovo Yoga Book C930 wird dadurch natürlich nicht unbenutzbar, aber es wird in bestimmten Szenarien unnötig eingeschränkt. Man kann natürlich gucken, dass Licht von irgendwoanders her kommt, oder die in Windows 10 vorhandene On-Screen-Touch-Tastatur, im Tabletmodus des Geräts verwenden. „Mobius“ deutet übrigens darauf hin, dass das verbaute E-Ink-Display flexibel ist – wovon wir im Yoga Book C930 aber überhaupt nichts haben. Premium ist das für mich irgendwie nicht.

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Dazu sei gesagt: Ich habe nichts gegen Touch-Tastaturen. Jede_r verwendet diese tagtäglich an seinem Smartphone und seit dem ersten iPad, benutze ich die auch auch auf Tablets mit Glasoberfläche. Daran kann man sich gewöhnen. An den inhärenten Lag bei E-Ink und die fehlende Beleuchtung jedoch nicht. Ebenso ist sie erstaunlich starr – dafür dass sie virtuell ist. Die virtuelle Windows-Tastatur lässt sich in etliche Modi bringen, hier jedoch hat man nur die Wahl, ob man das virtuelle Trackpad dauerhaft einblenden will („Classic“), oder nicht („Modern“).

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Biometrie versemmelt

Völlig versagt hat bei mir leider der Infrarot-Fingerabdruckscanner, der dank Windows Hello ein einloggen ins System so einfach machen soll, wie bei jedem Smartphone. Nicht nur hat es etliche Anläufe gebraucht, um überhaupt erst Einmal einen Fingerabdruck einzulesen – erkannt wird er auch nur in einem von fünf Fällen.

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Auch das aktuellste Update der Treibersoftware von SynoData brachte keine Verbesserung. Ob das jetzt nur den Sensor in meinem Testgerät betrifft, oder mein Fingerabdruck besonders schwer einzulesen ist – ich kann ihn nicht oder nur selten nutzen. Nach drei Fehlversuchen muss man eh zwingend die PIN eingeben bei Windows Hello.

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Sonderfunktionen

Die E-Ink-Seite des Yoga Book C930 ist grundsätzlich für drei Funktionen vorgesehen: Als virtuelle Tastatur und Maussteuerung für die Touchscreen-Seite, als E-Reader und als Nozizbuch. Die Tastatur habe ich oben schon besprochen, kommen wir also zum E-Reader. Der für 2019 angekündigte Support für die E-Book-Formate Mobi, ePub und einfaches TXT ist inzwischen in Form eines SDK verfügbar. Natürlich können nur DRM-freie E-Books angezeigt werden und auch dann ist es immer vom Versuch und der einzelnen Datei abhängig, ob sie gelesen und dargestellt werden kann.

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Jeder E-Book-Ersteller (oder Lenovo mit seiner Implementierung) geht auch mehr oder weniger frei mit der eigentlichen Spezifikation des Formats um. Freie Bücher vom Projekt Guttenberg z.B. sind nicht darstellbar, allerdings kann man mit einer Verwaltung à la Calibre schnell nach freien ePubs oder Mobis suchen, die dann auch das Yoga Book C930 auf seinem E-Ink-Display anzeigen kann. Aus so angezeigten Dokumenten kann man Snippets als Bilder ausschneiden, die man in jedes Bildprogramm einfügen und dann speichern kann – auch hier wäre vermutlich markierbarer und kopierbarer Text sinnvoller, als ein „Screenshot“. Dokumente können hochkant oder quer gelesen werden, wobei hier dann die Option zur Verfügung steht, zwei Seiten nebeneinander zu betrachten.

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Das Notizbuch. Die wohl umfangreichste, sinnvollste und am besten umgesetzte Nutzung des E-Ink-Displays geht an das integrierte Notizbuch. Man kann mit verschiedenen Strichstärken auf verschieden eingeteiltem „Papier“ (liniert, kariert, blank) schreiben oder zeichnen.

lenovo-yoga-book-c930-notizvorlage Lenovo Yoga Book C930 "Premium Convertible" im Test Computer Featured Hardware Lenovo Lenovo Reviews Tablet Technology Testberichte Windows

Mit dem Smart Brush erkennt das System schludrig gezeichnete einfache geometrische Formen und verwandelt sie in formschöne geometrische Figuren.

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Der Bildschirminhalt des normalen Bildschirm kann jeder Zeit als Screenshot hinzugefügt werden und andersherum kann handschriftlich geschriebener Text als Bild, als Text, als Formel oder Graph erkannt und kopiert werden. Dazu ist es notwendig den jeweiligen Bereich mit dem Lasso-Werkzeug zu markieren. Die Handschriftumwandlung in editierbaren Text funktioniert gut, findet dann aber schlussendlich immer auf dem normalen Display statt, von wo aus man den jeweiligen Inhalt weiterverwenden kann.

Fazit

Beim Lenovo Yoga Book C930 war der Innovationswille stärker und schneller, als ein ausgereiftes Nutzungskonzept und die dazu notwendige Software im Hintergrund. Als Tablet ist das YogaBook C930 etwas schwer (775 g vs. 468 g (iPad Pro 11″ Wifi), als Notebook fehlt ihm eine physische Tastatur mit Trackpad (oder mindestens eine Beleuchtung wie beim Kindle) und als E-Ink-Display bzw. E-Ink-Notiz- und Zeichenblock ist es schon ganz gut dabei und wird nur von Produkten, wie etwa reMarkable überboten.

Der Roundtrip von der E-Ink-Seite des Yoga Book C930 zum normalen Bildschirm und ggf. zurück, ist etwas mühselig. Das muss man schon wollen und quasi einen Workflow für sich erst neu entwickeln. Leider kann damit auch dieses 2-in-1, oder eher 3-in-1, alles zwar irgendwie, aber nichts besonders gut.

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Andererseits lässt sich das Gerät auch an einem 4K-Monitor betreiben, wenn man will und es ist eben außerordentlich leicht und flach für ein 2-in-1. An der Verarbeitungsqualität lässt sich auch nichts bemängeln. Zwei USB Typ-C-Anschlüsse, an denen beiderseits mit 27 Watt geladen werden kann, Stereolautsprecher und stabile Knöpfe (An/Aus & Lautstärkewippe) runden das ansprechende Design ab. Der Akku hält seine 8 Stunden durch.

Preise

Das Lenovo Yoga Book C930 kostet direkt bei Lenovo (folge Link zur Produktseite unten) derzeit ab 899 Euro (Intel Core m3 7. Gen, 128 GB Speicher, WiFi, ohne Pen, UVP war 1.199€) bis zu 1.489 Euro (Intel Core i5 7. Gen, 256 GB Speicher, WiFi+LTE, mit Pen, UVP war 1.599€).

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Der hohe, wenn auch inzwischen gesunkene Preis, ist in meinen Augen immer noch zu hoch, auch wenn ich die Miniaturisierungsleistung und den Preis eines so großen E-Ink-Displays anerkennen kann. Leider ist es einfach kein rundum praktikables Gerät. Sei es der Stift, der nur so lose magnetisch am Deckel klebt und bei jedem Windhauch abfallen kann, oder der für mich nutzlose Fingerabdruckscanner für Windows Hello.

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Das Beste am Yoga Book C930 ist seine physische Flexibilität, die man vom immer noch großartigen Scharnier der Yoga-Reihe gewohnt ist, und die E-ink-Fläche als Notiz- und Zeichenfläche. Für Leute die viel zu tippen haben ist es allerdings eher ungeeignet und für solche, die eher Inhalte konsumieren, reicht dann auch ein einfaches Tablet und/oder ein Kindle.

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weiterführender Link: Lenovo-Produktseite

Folgt mir 🙂

Michael S.

Bloggt über Technik und kritisiert andernorts Filme. Versucht das Wesentliche vom Unsinn zu trennen und ist passionierter Burgerfotograf.
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