Wie Twitter langsam Clients für Drittanbieter tötet – Diesmal Tweetlanes und Boid

boidtweetlane Wie Twitter langsam Clients für Drittanbieter tötet - Diesmal Tweetlanes und Boid Technologie Twitter

Twitter macht sich immer unbeliebter. Nicht nur bei den Nutzern sondern vor allem bei den Entwicklern für Apps. Eine neue Richtlinie scheint nun entweder der Tod vieler Apps zu sein, oder dafür zu sorgen, dass Anbieter hohe Kosten für ihre Apps verlangen, um den Verlust wieder auszugleichen.

Worum geht es genau? Es geht um die API-Richtliniern für Clients von Drittanbietern. Diese dürfen nur noch 100.000 Nutzer haben. Vorher lag die Obergrenze bei 200.000. Apps, die diese Nutzerzahlen bereits haben, sehen momentan recht alt aus. Twitter schafft es damit, beliebten Clients schnell das Wasser abzugraben, und sie dazu zu bringen, Twitter-eigene Apps zu verwenden. Es ist übrigens irrelevant, ob die Nutzer aktiv oder inaktiv sind. Nach 100.000 ist Schluss.

Firmen, die sich darauf begründet haben, einen guten Client herzustellen und nicht zufällig gerade von Twitter gekauft wurden, sehen sich jetzt natürlich ihrer Existenz beraubt und müssen entweder umdenken und kämpfen, oder eben das Handtuch werfen.

Umgedacht und gehandelt haben die Macher von Tweetbot für Mac, indem sie den Preis einfach so hoch ansetzen, dass sie dieses Limit nicht zu schnell erreichen, aber irgendwann ist dann auch einmal Schluss.

Zwei Clients, die nun verschwinden werden, sind Tweetlanes und Boid. Beide erfreuten sich großer Beliebtheit und das wurde ihnen nun zum Verhängnis. Die von Twitter gemachte API macht es ihnen unmöglich, an ihren Projekten weiterzuarbeiten.

Während Entwickler Graham McPhee in einem langen Blogeintrag den Tod von Boid bekannt gibt, ist Tweetlaneswntwickler pragmatischer. Auf die Frage, ob die Entwicklung eingestellt werden würde, twitterte er “yep, mostly due to Twitter’s API changes :(”

Damit sind wohl zwei der hübschesten – da an das Holo-Design von Android angepasst -Twitterclients vom Markt gegangen. Und Twitter? Twitter sagt nicht, denn Twitter ist es egal. Auf Gepräche der Entwickler reagierten sie abweisend. Die Zahl würde nicht erhöht werden. Die Konsequenzen sehen wir hier.

Meiner Meinung nach macht Twitter hier einen ganz großen Fehler. Durch die zahlreichen Twitterapps sind sie erst an ihre Verbreitung und an ihre Beliebtheit gelangt. Unterschiedliche Nutzer haben unterschiedliche Bedürfnisse und diese wurden durch die meisten Clients abgedeckt. Jetzt aber alle Nutzer in die Ecke der offiziellen Apps gedrängt und das ist Bevormundung.

Tweetlanes und Boid werden nicht die einzigen Apps bleiben, deren Entwicklung eingestellt wird. Warten wir einmal ab, wen es als nächstes trifft. Twitter zeigt jedenfalls, wie viel Macht man auf Entwickler ausüben kann und wie man Firmen mit einem einzigen Wimpernschlag ihrer Existenzgrundlage beraubt. Gut gemacht Twitter. (Wer Ironie findet, darf sie behalten)

– Quelle: Android Next
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twitter_grassi2000
9 Jahre zuvor

Es ist doch eigentlich ganz einfach. Twitter muss, so wie jedes Unternehmen, Geld verdienen. Jahrelang hat man vom Geld der Investoren gelebt, aber irgendwann muss eben mal was zurückkommen. Und das geht nur über Werbung, die man nur in den eigenen Apps sinnvoll umsetzen kann. Insofern ist das für mich kein Fehler, sondern nachvollziehbare Geschäftspolitik. Denn was bringen einem Millionen von Nutzer mit alternativen Clients, wenn diese die Werbung nie zu sehen bekommen?

Außerdem ist ein einheitliches Erscheinungsbild durchaus wichtig und auch das geht nur mit den eigenen Clients. Jeder muss sofort sehen “Ah, das ist Twitter”.

Mag sein, dass das keine schöne Art und Weise ist, aber ist gibt kaum eine andere Möglichkeit. Man hat in der Vergangenheit eben nicht gut genug vorgeplant und muss jetzt ausgleichen.

twitter_grassi2000
9 Jahre zuvor

Es müssen dauerhafte Einnahmen auf einer breiten Basis (verschiedene Quellen!) generiert werden. Da reicht nur der Verkauf von user-Daten zur Tweetanalyse nicht aus. Das sieht man ja an Facebook, da ist es doch genauso. Nur Daten reichen eben nicht zum überleben, es braucht zwingend Werbung.

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